C64 Test: "The Shadow Over Hawksmill"



Samstag 30 Mai 2020 von Trixter C64, C64 Test keine Kommentare

(Psytronik/2020)

Um das 100.ste Release von Psytronik Software zu feiern, meldet sich das Team des mehrfachen Preisgewinners Rocky Memphis - The Legend of Atlantis zurück mit diesem atemberaubenden neuen Arcade-Abenteuer. Reise in das von Dauerregen leergefegte Dorf Hawksmill um das mysteriöse Verschwinden seiner Bewohner zu untersuchen. Entdecke alte Geheimnisse und Vorhersagen, die im Necronomicon prophezeit wurden. Mit einer aufregenden Mischung aus Rätseln, Abenteuer und Schießen wird dies eine weitere unverzichtbare Veröffentlichung des ICON 64-Teams sein!

Mit diesen vollmundigen Worten, leitete Psytronik selbst auf der eigenen Webseite zum Spiel ein - ob es wirklich so viel bietet, wie hier behauptet wird, wird dieser Test zeigen.

Der Spieler übernimmt die Rolle von Inspektor Black, der von London aus im Jahre 1947 zum kleinen Dorf Hawksmill beordert wird, um dort das Verschwinden aller Dorfbewohner aufzuklären. Als er dort ankommt, findet er tatsächlich niemanden vor - weder Menschen noch Tiere - dafür hängt eine Gewitterfront permanent über dem Kaff. Ausgestattet mit seiner Knarre beginnt er nun auf Nachforschung zu gehen.

Und wir beginnen mal damit, das erste File von der Diskette zu laden. Dieses ist nämlich ein Menü - zur Auswahl steht das Spiel und ein Musikdemo. Letzteres hat allerdings nichts mit dem Spiel zu tun, da es Musik von den Spielen "My Life" und "Sizzler" enthält. Was aber wichtiger zu wissen ist - dieses Menü hat einen Bug - wählt man von oben nach unten, ist alles  okay. Wählt man von unten nach oben, verschwindet die Auswahl und drückt man jetzt den Feuerknopf versucht der C64 was nachzuladen, was es gar nicht gibt - und hängt sich in einer Endlosfehlerblinkanzeige der Floppy auf. Vermutlich handelt es sich um ein Menü wo vorher 3 Einträge enthalten waren und welches nun recycelt wurde - leider nicht ausgereift genug, sodaß ich direkt beim ersten Antesten darüber stolperte. Naja, dafür können alle Files auch ohne das Menü direkt geladen werden. Startet man es dennoch darüber, erscheint als nächstes ein kleines Intro, wo nett animiert der Herr Kommissar am Schreibtisch sitzend irgendwas schreibt - darunter erscheint die Einleitung in Textform. Erst danach wird das Spiel geladen, was schon eine zeitlang dauert. Ist es endlich im Speicher, erscheint der Titel, der verschiedene Ausschnitte aus dem Spiel zeigt. Ein Druck auf den Feuerknopf startet es unverzüglich. Irgendwelche Funktionen oder Optionen sucht man vergeblich.

Nun denn, sind wir also direkt im Spiel. Wir starten vor dem Dorf an einer Art Munitionsvorrat - hier kann man genau dieses machen (Munition aufstocken), indem man sich auf die Kisten bückt - das ist Anfangs sehr wichtig, zu wissen da wir mit limitierten 50 Schuss-Magazin in das Spiel einsteigen - im späteren Verlauf finden wir immer mal wieder weitere Munitonsdepots.

Die unteren Anzeigen zeigen die Energie (Herzen),  ein undefinierbares grünes Alien (kommen wir später noch drauf zu sprechen), das Item, welches wir gerade in der Hand halten und die Anzahl der vorhandenen Munition. Noch haben wir nur die Knarre, aber da wir ständig neue Items einsammeln, schon jetzt der Hinweis - man kann mit den Tasten F1 und F3 durch das Inventar scrollen und mit der Taste F7 einen Apfel verzehren (Energie wieder auffüllen - falls wir solche eingesammelt und gebunkert haben) - all das geht aber auch mit dem Joystick, indem man sich bückt und dabei den Feuerknopf plus hoch oder runter wählt. Den gewählten Gegenstand nutzt man dann per Feuerknopf. Nur die Pausefunktion muss über die Tastatur aktiviert werden (F5). Waffen haben die Eigenheit, daß man mit ihnen zielen kann - dh. bleibt man auf dem Feuerknopf, kann man das Fadenkreuz relativ frei in Schussrichtung nach oben oder unten verstellen.

Gut, nachdem wir im Bilde sind, wagen wir uns mal daran, den nächsten Screen zu besuchen. Keine Angst, in dieser Phase gibt es noch keine Gegner, sodaß man sich recht frei und unbeschwert im Dorf umsehen kann. Wir finden zunächst einmal verschlossene Türen - ohne Schlüssel kommt man hier nicht weiter. Aber wir sehen auch Kisten und Fässer - nun heißt es, solche Dinge zu finden und sich vor ihnen zu knien - denn auf  diese Weise werden Items entdeckt und aufgesammelt (die dann ins Inventar kommen). Dies ist essentiell wichtig und ein Dauerelement des Spieles - denn nur so lassen sich Schlüssel, Äpfel oder anderer Kram finden, der für die Lösung wichtig ist - auch wenn deren Bedeutung für den Anfänger erstmal nicht erkennbar ist.

Springt man an eine Kante, so zieht sich die Spielfigur eigenständig  daran hoch - das weiß zu gefallen und erinnert an Spiele wie Flashback - irgendwann trifft man auf eine Falle (nicht den Knopf berühren) und steht vor einer Wand - hier kommen wir erstmal nicht weiter. Wichtig ist in der ersten Phase den Schlüssel für ein Haus zu finden - die Türknaufe haben unterschiedliche Farben, also muss man auch den richtigen farbigen Schlüssel suchen - und das wird eine der ersten Aufgaben sein - die Schlüssel für alle Haustüren des Dorfes finden - die Schwierigkeit dabei ist nur, daß sie in einer Höhle versteckt sind und nur unter viel Feindeinwirkung dort herausgeholt werden können. Sobald die erste Tür geöffnet wurde, erscheinen wie aus dem Nichts Feinde - diese sehen wie Schatten aus und können von Mensch oder Tier sein. Alle können abgeballert werden, brauchen aber je nach Typ unterschiedlich viele Treffer. Einige der Biester verschwinden auf Nimmerwiedersehen, andere sind ständig neu da.

Gut, im Haus finden wir im Keller dann einen Steinhammer und mit dem kommen wir an der zuvor unüberwindlichen Stelle mit der Wand weiter - dort befindet sich der Eingang zur besagten Höhle. Das Problem sind nun aber erstmal die viele Viecher, die - weil sie Schatten sind, nicht von der düsteren Umgebung zu unterscheiden sind. Jede Berührung zieht Energie ab und man wird sich meist erst einmal opfern müssen, um die Anzahl und Positionen der Biester herauszufinden, um diese im nächsten Durchgang lokalisieren und mit der Wumme erledigen zu können. Dieses Element bleibt dauerhaft erhalten und man ertappt sich permanent dabei, dieses Wissen einfach zu vergessen und dezimiert dabei unbeabsichtigt seine Lebensenergie. Gut, daß es einige Äpfel gibt, mit denen man sich wieder heilen kann.

Was man wie tun muss, erschließt sich einem erst nach längere Zeit des Spielens - ich könnte an dieser Stelle alles auflisten, aber dadurch verderbt ihr euch euren Spaß. Daher nur soviel - sucht alle Schlüssel im Labyrinth der Höhle und öffnet alle Türen im Dorf. In der Höhle gibt es ebenfalls verschlossene Durchgänge - auch hier wird etwas benötigt,  was auf die entsprechenden Positionen vor den Durchgängen gelegt werden muss. Achtet auf die Grabsteine, denn die geben meist einen Hinweis auf eine Situation oder Aufgabe. Die Statuen solltet ihr nicht berühren - diese verletzen euch im normalen Zustand. Das "grüne Alien" in der unteren Anzeige symbolisiert übrigens, wie viele dieser Statuen man schon eingesammelt hat - denn auch das wird später eine wichtige Aufgabe im Spiel werden. Und ja, achtet auch auf die Wände - hier und da gibt es auffällige Stellen, wo ihr einen Gegenstand benutzen müßt - dadurch wird daraus ein Schalter, der neue Bereiche zugänglich macht. Und als ob das nicht alles schon genug wäre, gibt es neben Fallen auch zahlreiche Gegner, die fast immer beseitigt werden müssen. Gut, daß man im Verlauf des Spieles neue Waffen finden kann - etwa das Gewehr oder die Maschinenpistole. Diese haben alle ihre Vor und Nachteile und wirken sich unterschiedlich auf Gegner aus. Auch die Munitionsvorratskapazität kann man aufstocken - bis man am Ende 999 Schuss hat.

Ach ja, die Dorfbewohner kann/muss man auch noch finden und retten - je nach Anzahl der aufgeklaubten Statuen nimmt das Spiel ein anderes Ende. Allen Enden gemeinsam ist aber der obligatorische Endkampf, der nach meinem Empfinden sehr schwer geraten ist. Ich meine, man hat nur das eine Leben und die Taktik herauszufinden, wie man ihn knacken kann, braucht schon einige Anläufe - bedeutet das Spiel stets komplett neu durchspielen.

Kommen wir zur technischen Seite.

Grafisch vermischen sich einfache Elemente (etwa Kisten oder Hintergrund) mit den regulären zu einer Mischung, die durchaus stimmig ist und zu gefallen weiß. Das hat mit den Limitierungen bei der Farbwahl und vermutlich mit der Geschwindigkeit zu tun - am Auffälligsten ist hier das Dorf zu nennen, während dies später in der Höhle nicht mehr so auffällt. Dafür ist die "Vordergrund"-Grafik schön detailreich und es gibt auch Animationen zu entdecken (etwa die Fackeln). Die Sprites sind durchweg gut animiert und besonders das Spielersprite weiß sehr zu gefallen - zahlreiche Animationsphrasen und Möglichkeiten der Figur lassen diese richtig schön agil in ihrer Comicartigen Darstellung erscheinen. Dazu kommt eine sehr präzise und perfekt arbeitende Steuerung - dies gilt auch für das Schießen. Allerdings muss man dazu auch sagen, daß die Belegung der Inventardurchscrollfunktion auf dem Joystick, für die ein oder andere Irritation sorgte, wenn man im Eifer des Gefechtes sich ausweichend bückte um danach zurückzufeuern - dabei aber die Waffe verlor und gegen irgendein Item austauschte. Unbeabsichtig - und das ist mir etliche Male passiert. Hier muss man penibel aufpassen und dennoch passiert es - genauso wie man ständig in dieselben Gegner rennt, da sie einfach nicht erkennbar von der Ballustrade zu unterscheiden sind.

Die Musik ist zwar vorhanden, diese hält sich aber dezent im Hintergrund, vorwiegend sind SoundFX zu vernehmen - etwa der Donner beim Gewitter oder die Ballerei. Was vorhanden ist fügt sich aber nahtlos und passend ins Gesamtgeschehen ein und verbreitet einen eigenen Flair. Technisch gesehen ist das Spiel gut gelungen - irgendwelche Bugs sind mir - bis auf das Loadermenü am Anfang - keine untergekommen und wenn man es genau nimmt, zähle ich das Menü auch nicht zu dem Spiel.

Zum Gameplay sei gesagt, daß es sich um eine Mischung aus Suche, Benutze und Action dreht und weniger um ein Adventure. Die Puzzles sind nicht zu schwer - ein wenig logisches Ausprobieren und man kommt der Lösung von selber näher.

Kommen wir zum Fazit...

The Shadow over Hawksmill ist ein recht schweres Spiel, welches aber seine Fans finden wird. Es benötigt eine gewisse Einarbeitungszeit um mit den Funktionen, den Begebenheiten der Bildschirme und ihren Gegnern und Fallen klar zu kommen, aber auch um herauszufinden, was man überhaupt tun soll - wofür dieses oder jenes gut ist, was es bewirkt, usw.. Es fordert einiges vom Spieler ab, da viele Wege mehrfach abgegrast werden müssen. Und auch die benötigten Items müssen ersteinmal gefunden werden. Daher besteht der erste Teil aus permanentem Abgrasen und Bebücken der Gegend, während man limitiert an Heilung und Munition auch noch auf die Gegner achten muss. Je länger man spielt, desto mehr Möglichkeiten und Fähigkeiten erlangt man - was das Spiel aber nur marginal leichter macht, da sich viele Gegner wieder einfinden, sobald man den Screen neu besucht. Danach folgt die Phase, wo muss ich was benutzen oder einsetzen, ehe das Geiselnretten und der Endkampf ansteht.

Was ich in dem Zusammenhang noch nicht erwähnt habe, man kann selbst aus großen Höhen fallen ohne Schaden zu nehmen und auch Äpfel zum Heilen findet man in ausreichender Zahl - andersrum gibt es aber auch viele Situationen, an denen man Schaden nehmen kann. Es ist schwierig zu sagen, es hält sich in der Balance - was für die einen Spieler viel zu schwer ist, kann für andere nicht schwer genug sein.  Bedenkt - es gibt keine Speicherfunktion oder Paßwörter - auch hat man nur ein Leben. Sprich, bei einem Lebensverlust, darf man komplett neu anfangen. Zudem muss das Spiel in einem Durchgang gelöst werden. Der Hammer folgte dann ganz am Ende - der Bosskampf setzt der Schwierigkeit noch eine große Schippe drauf - spätestens hier werden die Meisten die Segel streichen. Erst muss man mal ermittelt haben, was von einem überhaupt verlangt wird, dann muss man es umsetzen, während man beschossen wird. Und wer achtet schon beim ersten Mal auf die zwei Schalter, die eine Lichtlinse kippen lassen, um den Obermotz statt mit Kugeln mit Licht zu terminieren?

Dennoch - ein gutes, aber schweres Spiel dessen Rocky Memphis-Anleihen gut sichtbar sind. Wer auf Action steht und nebenbei ein paar Puzzles lösen möchte und dem der hohe Schwierigkeitsgrad nichts ausmacht - der kann ja mal einen Blick riskieren. Es macht durchaus Spaß mit den Wummen zu wüten, zu klettern und Fallen auszuweichen, aber ich fürchte, es wird nur wenigen vergönnt sein, das Ende zu sehen. Mehrere Schwierigkeitsgrade zur Auswahl hätten dem Spiel sicher gut getan und auch das mit der Inventarswitcherei hätte man lieber komplett auf den Tasten liegen lassen sollen. Daher - ein solider Titel mit einigen kleineren Macken für Hardcoregamer.

The Shadow over Hawksmill bekommt von mir eine gute 8 auf unserer berüchtigten Bewertungsskala bis 10.


Zum Zeitpunkt des Testberichtes, gab es das Spiel noch nicht in den üblichen physischen Versionen auf Disk und Tape. Wenn ihr diese Zeilen lest, sollte es aber erschienen sein - Preise: 7 - 14 britische Pfund.

Die Downloadversion liegt bei 7 US-Dollar und kann über itch.io bezogen werden.

Links zu beiden Versionen hier:

http://www.psytronik.net/newsite/index.php/c64/123-hawksmill

Schlagworte : C-64, Test, Digital Talk

Trixter
Administration Nemesiz v4 Projekt
Aufgaben im Nemesiz: Administrator, Autor & Moderator, Übersetzung & Bugfixing
Freier Redakteur bei Special Interest Magazinen & Online-Blogs
Retro & Emulation, Alternative Computersysteme, Schwerpunkt: Spiele

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