Dampfen und Retro - gut gemeinte Hinweise und Tips



Dienstag 24 Dezember 2019 von Trixter Amiga, Retro keine Kommentare

Die WHO, der Staat, zahlreiche Experten, Ärzte, das deutsche Krebsforschungszentrum, die Tabak und die Pharmaindustrie haben es immer gesagt - Dampfen ist gefährlich! Ja, kommt drauf an für wen und warum. Aber um dieses Thema soll es hier jetzt nicht gehen - nach wie vor ist Dampfen die einzige echte Alternative um vom Rauchen erfolgreich loszukommen und sie ist nachweislich immer noch um die 95% weniger schädlich als Tabakrauch - auch wenn sie immer noch gerne als viel schlimmer als Tabakzigaretten verteufelt wird.

Ich habe in der Tat über einen nicht so erfreulichen Umstand zu berichten, der mit dem Dampfen zusammenhängt - aber nicht uns als Menschen betrifft, sondern unsere geliebten Retroschätze - und spreche daher eine Warnung aus. Diese kann euch helfen bestimmte Dinge schon im Voraus zu vermeiden.

Bevor wir allerdings dazu kommen, noch der Hinweis, daß dies alles auf meinen persönlichen Erfahrungen und Feststellungen beruht und keine wissenschaftliche Studie ist.

Werfen wir zunächst einen Blick auf das "echte" Rauchen. Tabakrauch stinkt nicht nur ekelhaft, sondern legt sich im Grunde auf alles und färbt dieses gelb. Dies liegt am Nikotin - das ist bekannt. Aber wußtet ihr, daß es gar nicht am Rauch selber liegt, den ein Raucher auspustet? Der Nikotingehalt beim ausgehauchten Rauch liegt wie beim Dampfen auch, bei dem, den eine Kartoffel beim Kochen abgibt - er ist so gering, daß er nur mit speziellen Gerätschaften messbar ist. Aber woher kommt dann das gelbe Zeug?  

Nun, das Nikotin, welches hierfür verantwortlich ist, ist jenes vom sogenannten "Nebenstrom" - also dem Rauch der entsteht, wenn der Raucher nicht an der Kippe zieht - diese also in der Hand hält oder im Aschenbecher vor sich hin glimmt. Vergilbte Retrorechner sind bei Rauchern also keine Ausnahme - es zieht zwar bis in die letzten Ritzen, tut der Hardware ansich aber keinen Schaden, selbst mein TV-Techniker meint, daß das Nikotin Elektronik sehr gut konservieren würde. (was natürlich dennoch nicht Sinn der Sache sein kann) Daher sollten Raucher ihre geliebten Retroschätze lieber nicht dauerhaft in einem Raum aufbewahren wo regelmäßig und oft geraucht wird - es sei denn, man möchte diese regelmäßig reinigen.

Beim Dampfen ist es ein wenig anders. Hier gibt es keine Verfärbungen durch das Nikotin - eben weil es keinen Nebenstrom gibt und selbiges vom Dampfer fast komplett durch die Lunge aufgenommen wird. Hier haben wir es allerdings mit einem anderen Problem zu tun. Wer viel dampft, wird es schon bemerkt haben - dieser schmierige Schleier auf den Fenstern. Bislang ging ich davon aus, daß nur Flächen wie Fenster oder Spiegel davon betroffen sind - ich kann euch aber sagen, daß es alle glatten Flächen betrifft - egal aus welchem Material sie sind. Wie Tabakrauch auch, zieht der Dampf bis in die kleinsten Ritzen und findet sich so auch innerhalb elektrischer Gerätschaften wieder. Könnt ihr euch denken, wohin der Gedankengang geht?

Bevor ihr vom Schlimmsten ausgeht, kann ich schon einmal entwarnen - die Ablagerungen sind nicht elektrisch leitend. Im Dampf gibt es ja nur wenige Inhaltsstoffe - das Nikotin wird vom Körper aufgenommen, das PG ist ein Alkohol der verdunstet - bleiben nur noch VG, Wasser und Aroma. Nach einigen Experimenten war mir klar - es handelt sich hier um das VG - also dem pflanzlichen Glycerin - und da diesem die Salze fehlen, besitzt es keine elektrischen Leitfähigkeiten. Das ist schon mal beruhigend, allerdings genauso nervig wie beim Tabakrauch der gelbe Schleier. Denn das Zeugs bildet eine schmierige Schicht, an der Staub wie magisch festgehalten wird. Genügte früher ein Tuch oder ein Pinsel zur Reinigung verstaubter Stellen - etwa zwischen den Tasten einer Tastatur, muss man nun zwangsläufig mit einem Lappen ran und dafür meist die kompletten Tastenkappen entfernen - eine Heidenarbeit.

Und noch etwas ist mir aufgefallen - die Luftfeuchtigkeit steigt durch das Dampfen an - auch das kann eurer Hardware zusetzen. Sie wird es wohl auch überleben, aber dünne Abschirmbleche wie im Amiga können Flugrost bilden - fast so als würde man die Computer im Keller betreiben. Ein besonderer Fall war bei mir die Tastaturfolie meines Amiga 1200. Dadurch ist mir das Ganze auch erst aufgefallen, denn ich schraube an den Computern nicht dauerhaft herum, wenn diese laufen. Dort ging von heute auf morgen die linke Amigataste nicht mehr - und somit auch kein Reset über den Klammeraffen. Nach der Zerlegung war mir klar - die Tastaturfolie hatte mikroskopisch kleine Risse in die die Feuchtigkeit eingedrungen war - dort zersetzte sie über die Jahre an einer Stelle die Leiterbahn, bis diese durch war. Das ist natürlich nur ein Ausnahmefall, da die Folie normalerweise "dicht" ist und so etwas gar nicht erst passiert. Dennoch kann es passieren, da vermutlich niemand von euch ohne Grund seinen Amiga und die Tastatur zerlegt um diese unter einer Lupe nach Mikrorissen zu untersuchen.

Beim Mischkonsum - also Rauchen und Dampfen (das gilt auch für alle Raucher, die aufs Dampfen umgestiegen sind und die gelben Beläge nicht entfernt haben) kommt noch eine weitere Komponente hinzu - das abgelagerte Nikotin verbindet sich mit dem VG vom Dampfen und bildet mit ihm zusammen regelrechte (flüssige) Tropfen. Ob diese elektrisch leitend sind, konnte ich nicht ermitteln. Im Netz ist dazu leider nichts zu finden und reines Nikotin habe ich auch nicht zur Verfügung um eigene Tests anzustoßen, bzw. zum Vergleichen. Ich vermute aber mal (und das mit Vorbehalt), daß Nikotin nicht elektrisch leitend ist, da mir ansonsten über die Jahre hinweg alle möglichen Gerätschaften um die Ohren hätten fliegen müssen. Natürlich ist das alles von vielen Umständen abhängig - wie viel man dampft, ob man Subohmig dampft, wie groß der Raum ist, wie oft man lüftet, wie viele Jahre man dampft und so weiter. Ein erster Indikator für eine mögliche Gefährdung ist der Schmier an den Scheiben wie Fenster, TV oder Spiegel. Das bedeutet allerdings nicht, daß ihr jedes technische Gerät in Sicherheit bringen müßt, wie gesagt - es richtet keinen Schaden an - es macht halt nur alles anfälliger für Staub und Dreck. Behaltet es einfach im Auge und überlegt, ob ihr eure Retrohardware nicht lieber in einem Raum nutzt oder lagert, in dem weder geraucht noch gedampft wird - sonst verbringt ihr uU. Stunden mit der Komplettzerlegung und Reinigung.

Noch ein Tip für selbige:
Nutzt bitte nur ein trockenes Tuch für elektronische Bauteile wie Chips - und ein leicht angefeuchtetes für Plastikteile - damit ist dem Ganzen gut beizukommen, aber halt auch sehr aufwändig.

So, die Warnung ist hiermit ausgesprochen, handelt entsprechend und gut Dampf weiterhin! 

PS: man könnte überlegen, sich einen Luftentfeuchter zuzulegen - der bindet nicht nur den Dampf, sondern zieht auch die Feuchtigkeit aus der Luft um die Flugrostbildung zu vermeiden - ist aber recht teuer und eben nur auf einen Raum zugeschnitten. (nicht mobil) Vermutlich kommt es eh besser, regelmäßiger zu Lüften oder zum Dampfen wie Raucher auch, an die frische Luft zu gehen, wenn es das Wetter zuläßt.

Schlagworte : Retro, Amiga

Trixter
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Retro & Emulation, Alternative Computersysteme, Schwerpunkt: Spiele

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