C64 Test: "Zeta Wing" von Sarah Jane Avory



Donnerstag 24 Dezember 2020 von Trixter C64, C64 Test keine Kommentare

Zeta Wing ist ein vertikaler Fun-Shooter, der inspiriert wurde von großen Arcadevorbildern wie Gemini Wing oder Aleste. Wie er sich so am C64 schlägt, erfahrt ihr in diesem Test... 


Auf der Oberfläche des Planeten Erde sind seltsam mutierte Kreaturen aufgetaucht! Die Erde braucht einen Helden, um sie aufzuhalten... einen wie dich! Also schnall dich fest an in deinem Jäger und mach dich auf den Weg, um diesen Befall endgültig zu beenden!

So kurz und knackig ist die Hintergrundgeschichte zu diesem Spiel, welche aus Ermangelung einer Anleitung auf der itch.io-Seite zu lesen ist. Dort findet ihr auch die Tastenbelegung für den Fall, daß ihr das Spiel anstelle eines Joysticks mit der Tastatur spielen möchtet.

Zum Download steht kein allumfassendes Archiv, sondern einzelne Dateien: Solo-PRG, D64 und CRT und davon auch mehrere Versionsnummern. Dieser Test bezieht sich auf die (zum Zeitpunkt der Erstellung) aktuelle Version 1.1, welche im Gegensatz zu ihrem Vorgänger nun über eine speicherbare (und automatisch wieder einladende) Highscore verfügt - beachtet, daß ihr für diese Funktion eine Diskette im Laufwerk 8 benötigt - dies gilt vor allem für die PRG und Modulimages. Übrigens - die "Ocean"-Modulversion erschien einige Stunden bevor ich mit dem Schreiben anfing - sie stellt im Grunde "nur" die Kompatibilität zur EasyFlash-Hardware her, die mit dem ursprünglichen Modulimage wohl nicht gegeben war - das ist wirklich sehr löblich...


Nach dem Laden (egal welcher Version) findet man sich ohne Umwege direkt im Hauptmenü des Spieles wieder. Hier wechseln sich die Optionen gemeinsam mit der Highscore ab - zu den Optionen zählen: Autofeuer an/aus, der wählbare Schwierigkeitsgrad in den drei Stufen Easy, Normal und Hart - und natürlich die Speicherfunktion mit der sich die Highscores per F7-Taste auf Diskette bannen lassen. Ohne Autofeuer muss man jeden Schuss einzeln mit der Feuertaste realisieren, während man mit Autofeuer nur den Feuerknopf gedrückt halten muss, damit der Raumer dauerhaft feuert. Zu den Schwierigkeitsgraden sei gesagt, daß diese scheinbar nicht direkt offensichtlich etwas ändern, die Änderungen liegen vielmehr versteckt in der Art und Weise, ab wann Gegner schießen und wie viel oder wie viele Treffer sie benötigen um abgeschossen zu werden. Mir sind keine sichtbaren "Mehrgegner" aufgefallen, aber dennoch wird das Spiel gefühlt schwerer...


Startet man das Spiel über den Feuerknopf, startet auch schon die erste Stage - doch bevor wir uns ins Schlachtgetümmel werfen, noch ein vorheriger Blick auf die Anzeigen. Im oberen Bereich haben wir den Highscorecounter, während wir unten links die Anzahl unserer Leben sehen und darüber wird sich eine Leiste aufbauen - je nachdem wie viele "P"-Symbole wir eingesammelt haben (jede erfolgreich vernichtete Welle von Gegnern hinterläßt ein P-Symbol) - hat man 12 davon gesammelt, schaltet man die nächste Waffenstufe frei, von denen es insgesamt übrigens 10 Stück gibt. Verliert man ein Leben, geht es eine Waffenstufe runter, aber die Leiste bleibt hiervon unberührt, sodaß man innerhalb kürzester Zeit wieder auf seine ursprüngliche Waffe zurückkommen kann - wenn man denn keine weiteren Leben verlieren sollte.


Und schon geht es los... wir steuern am unteren Bildrand einen Raumer, der sich auf dem Spielfeld frei bewegen kann (noch, später folgen Wände und Mauern im Flugfeld, die man nicht berühren sollte - ansonsten verliert man ein Leben). Nun werden von oben zahlreiche Gegner in diversen Wellen auf uns zugestürmt kommen, die man - wenn es möglich ist - allesamt vernichten sollte, um mit den P-Symbolen seine anfänglich schwache Waffe weiter aufzurüsten. Hier und da tauchen "W" und "Z"-Symbole auf - dieses kann man abschießen (drüberfliegen bewirkt rein gar nichts) und so für noch mehr Punkte sorgen - alle 50000 Punkte gibt es nämlich ein Extraleben.


Hat man sich einige Zeit durch das Level gebissen, erscheint am Ende ein Obermotz, der erst besiegt werden will, ehe man in den nächsten Level durchgelassen wird. Das erste Level ist vom Schwierigkeitsgrad noch moderat - später folgen einige neue Komponenten, auf die man sich erst einstellen muss - aber hat man sich zB. an Bodenziele, Wände, Mauern, Kamikazegegner und Co. gewöhnt und kennt eine Strategie um unbeschadet an ihnen vorbei zu kommen, sind sie keine große Gefahr mehr. ZB. kann man mit Dauerfeuer ganz gut ermitteln, welche Teile überflugfähig sind und welche eben nicht. Irgendwann wird man auch das letzte Level 7 geschafft haben - danach erscheint ein kleines Outro, gefolgt von der Highscoreliste in die man sich eintragen darf - übrigens wahlweise per Joystick oder Tastatur.


Soviel zum Gameplay - kommen wir zu technischen Seite.

Das Spiel ist solide programmiert - fehlerhaftes Verhalten ist mir an keiner Stelle untergekommen. Es ist flott, scrollt (Parallax) ohne Einbrüche und alles paßt wie aus einem Guß zusammen. Die Grafik ist nett gestaltet und bietet in jedem Level etwas neues - sie enthält hier und da auch kleinere Animationen - später schwenkt sie von einer frei zu überfliegenden Landschaft zu Röhrenähnlichen Tunneln, deren Wände oder hereinragende Elemente nicht berührt werden dürfen - das schränkt den Spielraum für den Spieler deutlich ein - ist aber zu keinem Zeitpunkt wirklich unfair, sondern eher (heraus)fordernd. Die Sprites sind nett geworden, bestehen aus mehreren Farben und sind ebenfalls gut animiert.


Die Musik ist abwechslungsreich - besteht aus mehreren Stücken in den Leveln - und Jingles beim Beenden eines Levels oder den Bosskämpfen. Alles wirkt dennoch wie aus einem Guß und paßt zudem hervorragend mit den SoundFX zusammen, die gleichzeitig abgespielt werden. Sehr schön, das hat mir gut gefallen, da der Soundtrack lustig anzuhören ist und zu keiner Sekunde langweilig wird. Übrigens gibt es den kompletten Soundtrack (OST) auf dem YouTube-Kanal von Sarah Avory auf die Ohren: https://www.youtube.com/watch?v=f0J7BDAFRKg&list=PLnjkQqYNF1xNneDhdvGqUgq2a9LoflKxJ

Die Steuerung ist perfekt - und das meine ich auch so. Sie reagiert präzise und sehr genau - man hat seinen Raumer immer optimal unter Kontrolle und auch die Spritekollision ist ausgefeilt, sodaß man nicht etwa schon Pixel vor einem Hindernis den Löffel abgibt und somit sehr nah an die Gegner oder Wände heranfliegen kann. 


Fazit:

Zeta Wing ist eine technisch perfekt umgesetzte Shoot´em Up-Ballerei die wirklich Spaß macht. Anfangs muss man sich kurz eingewöhnen, aber dann kann der Spaß auch schon beginnen und dieser hält bis zum Schlussboss an - man wird regelrecht süchtig und will das Spiel bezwingen. Da die Spielzeit sich in Grenzen hält, braucht es keine Speicherfunktion oder Levelcodes - nur ca. eine Stunde Zeit, etwas Geschick und ein wenig Glück. Da das Spiel individuell Waffen upgradet oder Extraleben verteilt (abhängig vom Spieler) ist die Schwierigkeit recht fair ausgefallen und jeder wird mit Level um Level besser werden, bis er auf einmal vor dem Obermotz steht - das hat mir auch gut gefallen - nicht zu schwer, aber auch nicht zu leicht - ein guter Mittelweg, der ja auch noch manuell über die diversen Schwierigkeitsstufen angepaßt werden kann. Dennoch bedeutet dies keineswegs, daß man einfach so durch die Level hindurchrauschen wird - vor allem zum Ende hin, kann man jedes Extraleben gut gebrauchen.


Die Gegnerwellen sind wohl durchdacht und gut platziert - manchmal sind sehr viele von ihnen auf dem Bildschirm unterwegs - inkl. deren Schüsse. Manche haben ihr eigenes Verhalten - Kamikazeflieger stürzen auf den Spieler von der Seite, sobald sie auf seiner Höhe sind, andere titschen vom Boden auf, wieder andere ziehen auf festen Bahnen umher oder direkt auf den Spieler zu - hier hilft nur Abschießen oder Ausweichen - für Abwechslung im Gameplay ist also gesorgt. Die 7 Levelendbosse sind allesamt unterschiedlich - von der Aufmachung, aber auch vom Verhalten her. Sie müssen zwar alle abgeschossen werden, manche schützen sich aber vor Beschuss oder kommen auf den Spieler zu und so muss man ihre Schwachstelle erst ermitteln - insgesamt gesehen sind die Bosskämpfe nicht allzuschwer, gerade richtig für dieses Spiel würde ich mal sagen.


Den einzigen Kritikpunkt sehe ich bei der nicht vorhandenen Pause-Funktion - hat man einmal mit dem Spiel angefangen, kann man es nicht unterbrechen - aber dieses Manko soll mit Version 1.2 behoben werden, welche schon angekündigt wurde.

Kurzum - ein wirklich tolles Spiel, welches fordernd und spaßig zugleich ist. Es macht Spaß und bietet sich auch zum Messen mit Anderen auf Partys an. Arcadefreunde sollten sich dieses Highlight nicht entgehen lassen - für mich ist es jedenfalls das Beste Shoot´em Up seit vielen Jahren!

Deshalb erhält Zeta Wing auf der berüchtigten Skala von 1 bis 10 eine übermäßig gute 9!

Das Spiel ist derzeit nur als Downloadinhalt auf der itch.io-Seite der Programmiererin Sarah Jane Avory erhältlich - Preis: 4 US-Dollar.

https://sarahjaneavory.itch.io/zeta-wing

Schlagworte : C-64, Test, Digital Talk

Trixter
Administration Nemesiz v4 Projekt
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Freier Redakteur bei Special Interest Magazinen & Online-Blogs
Retro & Emulation, Alternative Computersysteme, Schwerpunkt: Spiele

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    Was ist der zweite Buchstabe des Wortes oyxom ?
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