Tips zur Fernbedienungsreparatur



Montag 26 August 2019 von Trixter Tutorial Sonstiges keine Kommentare

Vielleicht seid ihr auch schon einmal über das Phänomen gestoßen, daß die Fernbedienung eines technischen Gerätes mit den Jahren problematisch wird. Die Tasten müssen immer fester gedrückt werden, ehe das Gerät reagiert - irgendwann hilft auch das nicht mehr und die Taste versagt ihren Dienst komplett. Davon betroffen sind natürlich in erster Linie jene Tasten, die man am Häufigsten verwendet - also Ein/Aus, Lautstärke, Kanäle wechseln oder Videotext - wenn man wie in meinem Fall einen Fernseher als Beispiel verwendet. Das ist natürlich von Gerät zu Gerät unterschiedlich, am Endeist die Fernbedienung unbrauchbar und man geht los und kauft sich Ersatz - evtl. eine gebrauchte oder eine Universalfernbedienung. Das kenne ich selber bei meinen Uraltfernsehern zu Genüge. Die Geräte lasse ich bei einem Ausfall stets reparieren - aber die Fernbedienungen bleiben die selben und irgendwann zeigen sie halt diese Macken. Unzählige universelle und programmierbare Fernbedienungen haben sich so im Laufe der Zeit bei mir angehäuft - diese zeigten natürlich nach einigen Jahren exakt dieselben Ausfallprobleme - doch nun gibt es ein neues Problem: die Universalfernbedienungen kennen mittlerweile meine alten Fernsehmodelle nicht mehr (Codes) und können daher mit ihnen nicht mehr zusammenarbeiten. Das einzige Modell welches funktioniert hätte, wäre eine teure programmierbare Logitech Harmony gewesen (Preise um die 150 Euro rum). Also war es Zeit, eine andere Lösung für mein Problem zu suchen, die ich euch hiermit präsentieren möchte.

Ich kann natürlich nicht garantieren, daß diese Lösung auch bei euren Gerätschaften allgemeingültig ist - das ist natürlich vom Aufbau und der Bauart der Fernbedienungen abhängig - aber ein Versuch ist es dennoch wert, ehe das Ding in den Müll wandert.

Es gibt zwei Methoden - eine ist sozusagen kostenlos, da man alle Materialien schon im Hause haben sollte. Die andere (viel bessere Methode) liegt vom Preis her um die 10 Euro.

Doch bevor wir zu den Lösungsansätzen kommen, schauen wir uns das Problem einmal näher an. Die meisten Fernbedienungen haben auf der Platine viele Kontaktflächen, auf die im Normalfall der Kontakt der Taste aufgedrückt wird. Dieser Kontakt besteht meist aus Gummi, auf dessen Auflagenfläche eine leitende Beschichtung angebracht wurde (Graphit?) - durch die ständige Nutzung, reibt sich genau diese Schicht mit den Jahren ab und übrig bleibt das nicht leitende Gummi. Daher muss Anfangs fester auf die Taste gedrückt werden, damit überhaupt noch ein Kontakt entsteht - durch den übermäßigen Druck nutzt sich die noch vorhandene, dünnere Schicht aber noch schneller ab - nach kurzer Zeit erfolgt der Totalausfall dieser Taste.

Vorarbeiten

Ohne Witz, macht ein Foto der Fernbedienung, ehe ihr sie auseinander nehmt. Es gibt Exemplare wo jede Taste einzeln in ihrem Loch steckt. Sollten euch die Tasten herausfallen, steht ihr später vor dem Problem, die richtige Taste ins richtige Loch zu bekommen, da ihr nicht mehr wißt, was wo war. Hier sollte man lieber vorsorgen.

Natürlich müssen vor der Öffnung auch die Batterien entfernt werden.

Das Öffnen

Im Idealfall ist eure Fernbedienung ganz einfach verschraubt. Sucht nach den Schrauben - gerne verstecken sie sich im Batteriefach oder unter einem Gumminoppenfuß - und schraubt sie heraus. Sind keine Schrauben vorhanden, dann ist das Gehäuse nur verklemmt, bzw. ineinander geklipst. Hier wird das Ganze ein wenig komplizierter, da ihr nicht wissen könnt, wo genau diese Klipse im Gehäuse stecken. Nehmt bitte keinen Schlitzschraubendreher, da ihr euch damit das Gehäuse, bzw. Teile davon zerbrechen könntet. Nehmt eine stabile Messerklinge wie zB. bei einem Schweizer Taschenmesser - setzt an einem Rand an und schiebt die Klinge vorsichtig in die Naht. Das ist eine Gefühlssache - macht das bitte ohne großen Druck - ihr merkt, sobald ihr den richtigen Punkt gefunden habt und sich eine Klemme löst. Ist der Anfang einmal gefunden, geht der Rest mit Geduld und Spucke ganz von alleine.

Bevor ihr die Seiten nun trennt, versichert euch, daß die Seite mit den Tasten nach unten schaut - so verringert ihr das Risiko von herausfallenden Tasten ungemein. Meist erwartet euch im Boden (der nun oben ist) die Batterieaufnahme samt Platine. Schaut vorsichtig nach, ob bei der Trennung irgendwelche evtl. vorhandenen Kabel abreißen können und hebt den Boden vorsichtig ab. Entfernt als nächstes die Platine. Wenn alles optimal lief, sollte die Oberseite mit den Tasten unberührt geblieben sein.

Nehmt euch ein sauberes, trockenes Tuch zur Hand (bitte kein Tempo oder Klopapier, das zerreist und fusselt), gut wäre ein Stofftuch, notfalls tut es aber auch ein Küchentuch. Wischt damit nun alle Kontakte auf der Platine ab - ihr werdet sehen, das Ding wird hinterher ziemlich schwarz sein - das sind die Überreste der abgelösten stromleitenden Beschichtung, diese müssen wir später erneuern, bzw. ersetzen.

Als nächstes verfahren wir mit den Kontaktnuppis der Tasten  genauso. Meist wird sich eine Gummimatte im Oberteil befinden. Reibt auch diese gründlich ab. Nachdem nun diese Komponenten vom Abrieb und Schmutz befreit sind, können wir uns daran machen, die Kontakte zu ersetzen.

Methode 1

Diese Methode ist am günstigsten - bedarf allerdings einiges an Zeit und Geschick. Auch die Haltbarkeit ist unterschiedlich und hängt wohl maßgeblich von der Beschaffenheit der Tasten ab. Einige kleinere runde "Nuppis" fallen eher aus als größere mit eckiger Struktur. Diese Methode nutzte ich zuletzt - bis auch diese Methode Probleme bereitete (hier allerdings schaltete die Fernbedienung eigenständig irgendwelche Funktionen - warum erkläre ich später noch) - ich habe derzeit aber noch 2 Fernbedienungen mit dieser Methode im Einsatz, die bis heute problemlos funktionieren. Sollten diese allerdings irgendwann auch diese Macken machen, werde ich direkt auf Methode 2 umschwenken - die ist einfach besser, einfacher und langlebiger. Daher rate ich jedem, sich zwar diesen Lösungsansatz einmal durchzulesen, aber sich dann doch direkt für die andere Methode zu entscheiden. Aber manchmal muss eine Notfalllösung her und die ist hiermit gegeben.

Diese Lösung besteht aus zwei Komponenten - Klebstoff und Alufolie.

Ganz recht. Mit der Schere bewaffnet, schnippelt man die Alufolie grob in so kleine Schnipsel, daß diese einen der Gummikontaktnuppel abdecken und klebt sie fest. Wenn Platz ist, empfiehlt es sich sogar ein wenig um den Nuppel herumzukleben, was für einen besseren Halt sorgt. Allerdings ist meine Erfahrung hier, daß das Ganze auf eckigen Nuppeln besser hält als auf runden. Dort kann sich mit der Zeit die Alufolie von den Nuppeln lösen und liegt dann auf der Platine herum - das Ergebnis ist meist - keine Funktion oder permanente Funktion, da nun ständig der Kontakt geschlossen ist, sollte das Alufolienstück genau auf der Kontaktfläche der Platine liegen.

Wie auch immer - für den Notfall ganz okay, dauerhaft sollte man aber für eine bessere Lösung sorgen.

Methode 2

Silberleitlack. Dieser stromleitende Lack wird mittels Pinsel einfach direkt auf die Kontaktnuppel aufgetragen. Nach einigen Minuten trocknet er aus und bietet optimale Funktionalität. Sollte er sich später erneut wieder abreiben, wiederholt man diese Prozedur einfach wieder. In dem gelieferten 2ml Röhrchen ist genug Lack für (geschätzt) 100 Fernbedienungsreparaturen!

Natürlich kann ich an dieser Stelle noch keine Langzeitstudienergebnisse verkünden. Aber die Anwendung ist einfach und schnell, es können keine Stücke abfallen wie unter Methode 1 und man braucht auch keine Fummelsarbeiten mehr mit Schere und Klebstoff.

Was man allerdings beachten muss ist, daß man diese Pinselarbeiten am Besten im Freien durchführt, da der Lack gut stinkt (wie Revell Modellbaukleber). Atmet das Zeug nicht direkt ein, esst, trinkt und raucht/dampft nicht während der Arbeit und schaut, daß ihr mit dem Zeug nicht euren Tisch und Klamotten versaut. Es ist zwar mit Spiritus wieder abwaschbar - aber den Aufwand kann man sich sparen, indem man ein wenig vorsorgt. Legt Zeitungen aus und zieht nicht die besten Sonntagsklamotten an.

Nach ca. 5 Minuten Trocknungszeit kann man schon heran gehen und zB. verpinselte Kleckser abschaben oder das Ganze wieder zusammenbauen. Je nach Haftung des Untergrunds (das sieht man daran, ob irgendwo noch die Farbe des Gummis durchscheint) ist ein weiterer Überstrich nötig (bei mir war es zB. 2x).

Der Zusammenbau

Der Zusammenau geschieht in umgekehrter Reihenfolge. Bringt die Tasten, bzw. die Gummileitermatte wieder an ihren angedachten Platz, legt die Platine darüber und fummelt die Kontakte des Batteriefachs wieder rein. Danach werden die beiden Gehäusehälften wieder zusammengeklipst oder verschraubt.

Der erste Test

Legt die Batterien wieder ein und wagt ruhig direkt schon einen ersten Test. Alle die Methode 2 verwendeten, werden begeistert sein - alles klappt auf Anhieb perfekt. Alle die Methode 1 umgesetzt haben, können ebenfalls Glück haben, manchmal kann es aber sein, daß sich beim Zusammenbau die Alufolie von einer Taste gelöst hat und nun entweder gar nicht funktioniert oder irgendeine Taste feuert nun dauerhaft - hier hilft nur wieder auseinanderbauen und nach dem Rechten schauen.

Meine Empfehlung

Solltet ihr Methode 2 (Leitlack) verwenden, empfiehlt es sich, gleich alle Tasten zu lackieren. Bei Methode 1 (Alufolie) überlegt man es sich aufgrund des Aufwandes dreifach, ob man mehr Tasten in einem Rutsch abdecken soll oder nicht - ich empfehle hier tatsächlich nur die Tasten zu "behandeln" die wirklich ausgefallen sind. Alles andere wäre unsinnige Mehrarbeit, da ich stark davon ausgehe, daß ihr diese Lösung nur notbehelfsmäßig nutzt (zB. um über ein Wochenende zu kommen) und die Sache später durch Methode 2 ersetzt.

Das Produkt (Methode 2 - Leitlack)

Ich habe mich bewußt gegen das Günstigste Produkt entschieden, da es mir wichtig war, alles sozusagen komplett zu erhalten. Bei allen anderen Produkten ist kein Pinsel dabei - zudem habe ich mich durch etliche Bewertungen eingelesen - viele Produkte halten nicht, was sie versprechen und viele stammen aus China.

Mir war Qualität wichtig, und so entschied ich mich für eine deutsche Firma, die einen Pinsel mit beipackt und gute Bewertungen erhielt.

Ihr findet das Produkt beim Hersteller Tifoo direkt auf deren Webseite unter:
https://www.tifoo.de/leitlack-silber

Dort liegt der Preis bei 5,80 Euro, beachtet, daß hier noch Versandkosten von 5,90 Euro (Gefahrguttransport) hinzu kommen - somit wäre der Versand teurer als das Produkt. Wer bei Ebay schaut, kann das Ganze billiger haben - Versandkostenfrei für 7,90 Euro.

Sucht  nach "Silberleitlack" bei der Ebaysuche - und sucht nach dem einzigen Produktbild mit einem Pinsel. Der Anbieter nennt sich: "marawe-deutschland"

Geliefert wird der Lack in einem Röhrchen, welches an beiden Enden mit Pfropfen verschlossen ist. Anbei liegt der besagte Pinsel und eine Kurzanleitung.

Fazit: für den Preis kriegt man keine Ersatzfernbedienung - wozu auch, wenn man seine alte problemlos damit reparieren kann? Das Zeug ist ergiebig und reicht sicher für 50 bis 100 Fernbedienungen aus (kommt drauf an, wie oft man bei einer lackieren muss). Einfacher geht es echt nicht mehr - Top!

Zum Abschluss noch der Hinweis auf meinen YouTube-Kanal, wo ihr meinen Versuch in Bild und Ton nachverfolgen könnt und als weiterer Tip - spült den kleinen Pinsel nach Benutzung gut unter fließendem Wasser aus, reibt den Pinsel dann in ein Küchentuch aus, bis er trocken ist - so könnt ihr ihn mehrfach verwenden.

Viel Erfolg beim Nachbasteln und ich hoffe, ihr konntet mit meinen Tips etwas anfangen.

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Schlagworte : Tutorial, Digital Talk

Trixter
Administration Nemesiz v4 Projekt
Aufgaben im Nemesiz: Administrator, Autor & Moderator, Übersetzung & Bugfixing
Freier Redakteur bei Special Interest Magazinen & Online-Blogs
Retro & Emulation, Alternative Computersysteme, Schwerpunkt: Spiele

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