C64 Test: "Vegetables Deluxe"



Dienstag 24 Dezember 2019 von Trixter C64, C64 Test keine Kommentare

(Doublesided Games/2019)

Test der Downloadversion

Wie sich die kostenpflichtige Version zur kostenfreien ohne Deluxe-Zusatz schlägt, erfahrt ihr in diesem Test... 

Da es zu diesem Puzzlespiel keine Story gibt, die ich hier erwähnen (bzw. übersetzen) müßte, kann ich an dieser Stelle ein wenig auf die Hintergründe und die Spielmodis eingehen. Das Spiel hatte an der diesjährigen RGCD C64 16k Cartdridge Game Development Competition teilgenommen - zumindest in der alten, kostenlosen Fassung, die wir als Vegetables V2.0 kennen. Anhand der Versionsnummer ist zu erkennen, daß es mehrere Phasen durchlaufen hat - meist waren es Fehlerbehebungen, aber auch die Grafik und Hintergründe haben sich einige Male geändert (wir hatten in früheren Ausgaben der Digital Talk öfters darüber berichtet). Die Deluxe-Version ist sozusagen die absolut finale Fassung des Spieles. Sie bietet neue Grafiken, eine andere Aufteilung der Anzeigen (diese sind von unten an die Seiten gewandert) und auch 3 neue Spielmodis. Neben der klassischen Variante (kennt man ja vom freien Spiel), gibt es zudem noch

* einen Casual-Modus - in diesem sehr einfachen Modus spielt der Spieler ohne große Schwierigkeiten drauf los

* einen Shopping-Modus - hier müssen eine bestimmte Anzahl von Symbolen abgeräumt werden, ehe es in einem höheren Modus weitergeht

* einen Countdown-Modus - hier geht es auf Zeit. Jeder abgeräumte Zug, resettet den Timer, ist dieser abgelaufen, geht ein "Shuffle" drauf

Zu den Feinheiten der Modis kommen wir später noch zu sprechen. Auf der Diskette und ihrer etwas schief geratenen Dir-Art befindet sich neben der Deluxe auch die kostenlose Version des Spieles. Die Deluxe-Version umfaßt 202 Blöcke, die tatsächlich ohne Fastloader oder Ladebild samt Musik geladen werden muss - zum Vergleich: die alte Version umfaßt 38 Blöcke. Hat man das File schließlich nach langer Ladezeit in den CEVI geladen erscheint zunächst kurz das Doublesided Games-Logo, gefolgt von einem Titelbild samt netter Musik - danach bringt einen der Druck auf den Feuerknopf ins Hauptmenü des Spieles. Hier kann man nun per Joystickrichtung die SoundFX oder Musikbegleitung während des Spieles festlegen und natürlich den gewünschten Spielmodus. Weiteres einzustellen gibt es nicht - auch erscheint keine Highscore. (unerklärlich bei der Art von Spiel meiner Meinung nach) Im nachfolgendem Text ist immer mal wieder die Rede von Symbolen - damit sind natürlich die Gemüsesorten gemeint, die dem Spiel seinen Namen gaben.

Kommen wir auf den Spielaufbau und die Mechanik zu sprechen. In der Mitte des Screens befindet sich das (relativ kleine) Spielfeld. Links daneben eine Anzeige der Symbole. Diese gibt meistens Auskunft über die Anzahl der abgeräumten Symbole (lustigerweise hat sie nur 2 Stellen und resettet sich, sobald die 100 erreicht wurde) - nur im Shopping-Modus macht sie wirklich Sinn, denn dann zeigt sie die noch abzuräumenden Symbole an, ehe es in der nächsten höheren Stufe weitergeht. Im rechten Bereich befinden sich die Anzeigen für die Zeit, die Punkte und die vorhandenen Shuffles. Die Zeitanzeige kommt nur im Countdown-Modus zum Einsatz. In diesem Puzzler müssen ähnlich wie bei anderen Vertretern aus dem Genre, mindestens 3 gleiche Symbole zusammengebracht werden, damit diese verschwinden. Dies erreicht man, indem man den Cursor auf eine beliebige Stelle des Spielfeldes platziert (Stelle bedeutet hier ein Symbol), den Feuerknopf drückt und in die Richtung lenkt, mit dem das Symbol den Platz mit einem anderen Symbol tauschen soll. So kann man zwischen zwei gleichen Symbolen ein angrenzendes gleiches Symbol dazwischenschieben. Beim Auflösen fallen natürlich von oben weitere Symbole nach und es gibt Punkte. Hat man jetzt aber keine möglichen Züge mehr, kommt der "Shuffle" zum Einsatz. Dieser ist begrenzt und mischt in einem solchen Fall die Symbole auf dem Screen neu, sodaß nun wieder mögliche Züge entstehen. "Shuffles" können übrigens auch im Laufe des Spieles aufgefüllt werden, wenn man mindestens 5 Symbole abräumt - dies macht sich durch einen bestimmten Sound akkustisch bemerkbar. Sind alle Shuffles aufgebraucht endet das Spiel. Räumt man 4 Symbole ab, verschwindet die gesamte Reihe. Je nach Spielmodus erscheinen auch unzerstörbare Blöcke, die unsere Austauschfreiheit einschränken und blockieren. Diese verschwinden nur, wenn man es schafft, 3 oder mehr in einer Reihe zusammenzufügen. Das wäre jetzt die Grundmechanik des Spieles, die in allen Modis im Grunde gleich bleibt, hinzu kommen aber je nach Modus andere Voraussetzungen. Während man im Casual-Modus eine ruhige Kugel schieben darf, da es hier keine hinderlichen Blöcke gibt, die das Spiel erschweren, sind die besagten Blöcke aber in allen anderen Modis enthalten. Im Shopping-Modus muss man natürlich nur jene Symbole abräumen, die nötig sind, um den Level zu schaffen - da sind Blöcke oder alle anderen Symbole eher zweitrangig um das Ziel zu erreichen. Richtig schwer und stressig wird es im Countdown-Modus, denn hier muss man unter Zeitdruck ständig und sehr schnell passende Konstellationen finden um den Timer wieder zu resetten um das Spiel dauerhaft am Leben zu erhalten.

Kommen wir zur technischen Seite.

Die Grafik ist schlicht gehalten - was bei einem Spiel dieser Art aber kein Problem darstellt, da man dennoch jedes Gemüse auch als solches erkennen kann (das war bei der kostenlosen Version nicht immer gegeben). Allgemein gesagt wurde das Design vom Titelbild an auf alle nachfolgenden Passagen beibehalten und erinnert ein wenig an Systeme wie GEOS mit Schattenwurf an den Kanten einiger Elemente - schlicht, aber schick. Worüber man streiten könnte, ist das (meiner Meinung nach) viel zu kleine mittige Fenster, in dem sich die Action abspielt. Hier hätte man sicherlich noch den ein oder anderen Pixel an den Seiten mitnehmen können um es zu vergrößern - oder man hätte statt zwei Anzeigen links und rechts, nur eine Anzeige an einer Seite nehmen können. Da die linke Anzeige nur in einem einzigen Modus nötig ist, hätte man sie auch zB. mit der rechten Anzeige verschmelzen lassen können - etwa so, daß im Shopping-Modus die noch abzuräumenden Elemente und im Countdownmodus die Zeit angezeigt wird. Die Score und Shuffles hätten gut unterhalb noch Platz gehabt. Aber gut, nun ist es halt wie es ist.

Die Musik und der Sound gehen in Ordnung, allerdings fängt die Musik an, nach einiger Zeit zu nerven - ist stets nur der eine Song und den hat man irgendwann halt satt gehört. Gut, daß man in dem Fall auf die SoundFX wechseln kann.

Die Steuerung ist ein zweiseitiges Schwert - zum einen ist sie sehr präzise und zum anderen eine Bremse - es ist nämlich so, daß nach einiger Zeit das Spiel eine Art Vorschau auf den nächsten Zug darstellt - im Spielfeld tauschen sich sichtbar zwei Symbole. In diesem Zustand friert die Steuerung ein! Dabei spielt es keine Rolle, ob man gerade mit dem Joystick zu einer anvisierten Stelle lenkt oder nicht - das Spiel wartet nicht wie bei der kostenlosen Version darauf, daß der Spieler den Joystick gerade nicht bedient, sondern ballert ihm ungefragt einen möglichen nächsten Zug um die Ohren. Das empfand ich sehr störend im Spielfluss, da ich diese Funktion fast nie nutze und schon längst einen eigenen nächsten Schritt im Auge hatte, auf den ich gerade zusteuerte. Es geht vollauf Okay, wenn das Spiel beim Abräumen kurz den Cursor ausblendet um den Neuaufbau der nachfolgenden Elemente abzuwarten oder zu berechnen, ob unter der neuen Konstellation überhaupt noch mögliche Züge machbar sind - um, wenn es diese nicht gibt, alles neu durchzumischen - aber die Bremse bei den Vorschauen hinterläßt einen faden Beigeschmack. Keine Ahnung, warum das nicht gleichzeitig geht - Lenken und Vorschau. Übrigens hat die kostenlose Version auch eine solche Funktion, diese fliegt aber nur bei Denkpausen des Spielers an und legt auch nicht die Steuerung lahm - fragt mich also nicht, warum es nun anders ist. Mit der Taste "P" kann man das Spiel pausieren und mit "Q" beenden.

Fazit:

Vegetables Deluxe ist ein Puzzlespiel im Stil von Zoo Mania und ähnlichen Titeln. Wirklich neues wird hier nicht geboten, es wird nur getrennt gehalten, also in diversen wählbaren Modis. Natürlich stellt es eine breitere Funktionsvielfalt zur Verfügung als es die kostenlose Version tat, aber ob das ein guter Maßstab ist? Man hätte sich vielleicht mehr an der Genrereferenz (Zoo Mania und Co.) orientieren sollen, dann wären einige Dinge mit Sicherheit nicht so gelaufen wie sie sich jetzt darstellen. Klar, die einzelnen Modis sind bequem und direkt anwählbar - dafür stört der viel zu kleine Bildausschnitt und die ausgebremste Steuerung bei den Vorschauen. Wem das nichts ausmacht, der kann bedenkenlos zugreifen - das Gameplay ansich ist ohne jeden Zweifel oder Makel erhaben - nur an der technischen Umsetzung hakelt es ein wenig.

Daher erhält Vegetables Deluxe auf unserer Bewertungsskala von 1 bis 10 eine 6 - also besseres Mittelmaß.

Die digitale Downloadversion liegt aktuell bei 8 kanadischen Dollar (ca. 5,45 Euro). Die physische Diskversion bei 25 Dollar (17 Euro) und die Modulversion bei 39 Dollar (ca. 31 Euro) diese ist momanten allerdings ausverkauft).

Wenn ihr mich fragt, sind die physischen Versionen viel zu teuer angesetzt - aber die Downloadversion ist ihr Geld auf jeden Fall wert.

https://doublesidedgames.com/shop/commodore/commodore-64/vegetables-deluxe/

Schlagworte : C-64, Test, Digital Talk

Trixter
Administration Nemesiz v4 Projekt
Aufgaben im Nemesiz: Administrator, Autor & Moderator, Übersetzung & Bugfixing
Freier Redakteur bei Special Interest Magazinen & Online-Blogs
Retro & Emulation, Alternative Computersysteme, Schwerpunkt: Spiele

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