C64 Test: "Precinct 20:Dead Strange"



Dienstag 24 Dezember 2019 von Trixter C64, C64 Test keine Kommentare

(Psytronik/2019)

Test der Downloadversion

Was wohl dabei heraus kommt, wenn der sogenannte SEUCK-Guru Alf Yngve sein gleichnamiges (engl.) Buch zu einem Spiel verwurstet, sehen wir uns in diesem Test an.

Detektiv Innis Garris (Mordkommission Bezirk 20) bekommt alle seltsamen Fälle. Jetzt jagt er mehrere mysteriöse Mörder. Ein Kult namens "Die Söhne von Albhukra" hat eine Reihe von rituellen Morden begangen. Eine Figur namens "The Birdman" tötet Menschen und schneidet den Opfern die Augen raus. Ein Stalker, der nur als "Slenderman" bekannt ist, jagt einsame Fußgänger. Es gibt Gerüchte, dass diese Mörder möglicherweise nicht einmal Menschen sind. Es gibt seltsame Sichtungen eines riesigen erschreckenden Gesichts. Durch diese dunklen Straßen muss ein Mann gehen... (natürlich wir)

Neben dieser übersetzten Einleitung aus der englischen Anleitung, wirbt man auf den Produktseiten mit Schlagsätzen wie "unglaublich atmosphärischen Horrorbasiertem  Spiel", wo der Spieler in einem "echt beunruhigendem Gameplay", "eine Reihe von Morden lösen" muss. Auch erhält man die Info, daß dieses Machwerk "möglicherweise die bisher beste Veröffentlichung von Alf" sei. Dies läßt hoffen, denn der Guru machte von sich bislang durch zahlreiche SEUCKiaden (von denen auch einige Spiele ganz brauchbar, weil kostenlos zu haben sind) bemerkbar.

Legen wir also los...

Auf der Disk finden wir 3 Files. Diese müssen über das erste File geladen werden, da die beiden nachfolgenden Daten nicht eigenständig starten. Das erste File enthält zum einen eine Abfrage ob man einen integrierten Fastloader nutzen möchte und zum anderen einen Auswahlscreen mit Titelbild und Musik, über das der Spieler entweder Part 1 oder Part 2 auswählen kann. (dazu später mehr) Die Musik erinnert frappierend an jene aus "The Last Ninja 2" und wird auch während des Ladens abgespielt (zumindest bei Part 1 - warum das Teil bei Part 2 stumm bleibt? Keine Ahnung)

Nachdem der erste Teil eingeladen ist, erscheint das obligatorische Psytronik-Intro, gefolgt von dem in diesem Artikel oberhalb stehenden Einleitungstext im englischen Original. Ein Druck auf den Feuerknopf bringt den Spielscreen zum Vorschein - dieser bleibt stets derselbe - weitere Screens, Optionen oder Funktionen gibt es nicht - aber immerhin ist die Musik ganz nett geraten. Ein Druck auf den Feuerknopf bringt einen - nach einem weiteren Textscreen - direkt ins Spiel. Spätestens wenn sich das Spiel zum ersten Mal zeigt, weiß man, was Phase ist - es handelt sich, wie schon vermutet um eine Sideway-SEUCKiade!

Schauen wir uns den Aufbau an (falls er nicht bekannt sein sollte, denn SEUCK-Spiele sind meistens immer nach dem selben Muster zusammengestrickt): Oberhalb das Spielgeschehen, unterhalb die Punkteanzeige und im rechten Bereich die Leben des Spielers, die hier allerdings nicht in einer Zahl, sondern in einer Grafik zu finden sind. Wie bei DOOM, nimmt der Kopf des Spielers Schaden, sprich, er fängt an zu bluten und wird bei jedem Treffer mehr deformiert. Eine Neuerung ist das Symbol links daneben, dort wird eine Grafik des gerade verwendeten Gegenstands, bzw. Waffe angezeigt, das ist Anfangs noch eine Taschenlampe. Die Spielfigur ist ein Typ im pinken Mantel, welche sich frei auf dem Screen bewegen kann - es sei denn, dieser ist zB. durch Löcher oder Aufbauten - also Begebenheiten auf dem freien Weg blockiert. Einsammeln muss man alle Gegenstände, die mit den Morden zu tun haben. Diese sind teilweise gut hinter irgendwelchen Tonnen oder anderen Sichtverdeckenden Sachen versteckt - daher empfiehlt es sich, alle Bereiche eines Screens einmal besucht zu haben. Nebenbei klaubt man so auch noch Waffen auf. Hat man ein Puzzleteil gefunden, erscheint eine Lupe und ein Ausrufezeichen - wie viele es von diesen "Beweisen" gibt, weiß der Spieler nicht, da es keine Anzeige oder Info dazu gibt - er erfährt es erst ganz am Ende des Spieles, ob er alle gefunden hat oder nicht. Je nachdem wird dann das gute oder das böse Ende abgespielt. Die einzelnen "Ebenen" des Spieles - also die Wege können hier und da nach oben oder unten verlassen werden (wird durch Pfeile signalisiert) - einige führen irgendwann auch wieder zum Anfang zurück. Interessanterweise sind dann alle Beweise wieder da, können auch wieder eingesammelt werden, werden aber nicht erneut gewertet. Noch eine Besonderheit: Sammelt man ein Beweisstück (Schädel, Buch, Kreuze), wird die Spielfigur schneller. Ich ging Anfangs noch davon aus, daß dies vom Zustand der eigenen Gesundheit abhängt - ist es aber nicht. Bei einem Treffer mit/von einem Gegner wird man wieder langsamer - aber nicht nur das - man verliert auch seine aktuelle Waffe und fuchtelt wieder mit der Taschenlampe herum, die im Grunde ein Witz als Waffe darstellt, da deren Schein nicht alle Bereiche abdeckt, wie es eine Waffe (Messer, Knarre, Fackel) tun würde. Als Beispiel: Ein Gegner hat sich in einem Fenster verschanzt - mit einer Knarre könnte man ihn problemlos abknallen - der Lichtschein der Lampe geht aber erst gar nicht soweit bis zum Fenster hoch, um diesen überhaupt erwischen zu können. Sprich, hat man einen Treffer kassiert, wird das Spiel unsagbar schwer - zumindest so lange, bis man wieder eine Waffe gefunden oder in einem Shopeingang aufgesammelt hat. Meist zieht das aber dennoch ein Game Over nach sich, da die zahlreichen Gegner ja nicht vom Screen verschwinden. Heilung erfolgt erst nach dem Erreichen von 10000 Punkten. Gegner sind ebenfalls zahlreich vorhanden - von Tieren wie Ratten und Hunden angefangen, über zahlreiche Typen mit Waffen, über Vögel und Schatten bishin zu seltsamen riesigen Grinse-Visagen. Einige kreuzen nur den Weg, andere setzen sich zur Wehr - interessant dabei ist, daß sie in mehreren Ebenen angreifen können - etwa wenn der große schwarze Kerl zwei Minikerle gleichzeitig in verschiedenen Höhen auf uns losläßt, wir aber nur eine Höhe treffen können (Abhängig von der Waffe). Oder es fliegen Minikugeln auf uns zu und der Abschnitt des Levels läßt kein Ausweichen zu, da sich die Spielfigur ja nicht  Bücken kann - eine solche Situation bedeutet immer großen Schaden oder gar den Tod. Solange man also eine gute Waffe und gute Reflexe hat, hat man eine Chance - aber wehe, man kassiert einen Treffer, dann wird es richtig unfair.

Kommen wir zur technischen Seite.

Geboten wird in dieser SEUCKiade eben auch nur SEUCK-typisches. Das fängt bei der schlichten Grafik an (Geschehen als auch Anzeigen) und setzt sich bei den Sprites fort. Alles ist zwar extra auf düster gemacht, aber man merkt an so manch schräger Farbwahl, daß es eben nicht anders zu realisieren war. Hintergrundanimationen fehlen völlig und manche Gegner kommen mit nur 2 Frames und Farben aus. Die Abschnitte sind recht kurz geraten, dafür sind sie unterschiedlich gestaltet und variieren in ihren Farbdarstellungen (schwarz, blau, ect.) - in der Anleitung wird empfohlen, sich eine Karte zu erstellen, damit man nicht die Übersicht verliert - dem kann ich mich nicht wirklich anschließen, denn so viele Wege sind es dann doch nicht, als daß man sich verlaufen würde. Übrigens scrollt der Screen nur nach links - ein Zurückgehen nach rechts ist nicht möglich - das ist auch der Grund, warum einige Wege wieder zum Anfang führen, sprich, eine Limitierung von SEUCK selbst darstellen, die man hierüber zu kaschieren versucht. Interessant fand ich den wirklich schnellen Wechsel auf einen anderen Abschnitt - dies geht quasi nahtlos ineinander über. Der meiste Teil des Spieles spielt sich Draußen ab - nur in wenigen Fällen kann man mal ein Haus betreten. (dort warten dann so Nettigkeiten wie von der Decke hängende Sägen, die hoch und runter fahren) Shops die Waffen anbieten fallen nicht darunter - man läuft nur dagegen und erhält sie automatisch. Dabei kann man sich nie sicher sein, was man da erhält. Hat man zB. eine Pistole und der nächste Shop hätte ebenfalls eine, füllt man so nur die Munition wieder auf. Hat der Shop eine andere Waffe, wird die alte ohne Nachfrage sofort ersetzt. Da man Waffen nicht wechseln kann, muss der Spieler aus seiner Erfahrung vom mehrmaligen Spielen heraus wissen, was es wo gibt. Denn einige Waffen sind für einige Situationen besser geeignet als andere. Gegner haben angeblich unterschiedliche Weakspots, aber davon habe ich nicht wirklich viel gemerkt - bei einigen wird das Schadensnehmen auch nicht optisch dargestellt und manche brauchen 2 oder mehr Treffer um den Löffel abzugeben.

Die Steuerung geht in Ordnung, der Sound ebenso. Bei der Musik muss ich sagen, gibt es Stücke die ganz nett sind, aber andere nerven einfach nur - hier hat man versucht, eine möglichst düstere Horroratmosphäre zu schaffen - mit schrillen Tönen, Herzschlägen oder anderem undefinierbaren Zeugs. Noch was anderes Unangenehmes ist mir aufgefallen - ist mehr los auf dem Bildschirm (mehrere Gegner oder die Visagen, die mit etlichen Augen gegen einen schießen) fängt das Spiel an in die Knie zu gehen und ruckelt. Auch das ist eine typische SEUCK-Krankheit. Schafft man es den ersten Teil durchzuspielen, erhält man - je nachdem ob man alle Hinweise gesammelt hat - ein unterschiedliches Passwort. Dieses gibt man nach dem Laden des zweiten Teils ein und spielt einen weiteren Abschnitt (ohne Nebenabschnitte), in dem man sich zurück zum Polizeirevier schlagen darf - dieser Teil ist natürlich nur so gespickt von allerlei Gegnern, die hier noch einmal so richtig auffahren. Schafft man auch das, erhält man eine kleine Endsequenz, die je nach Passwort positiv oder negativ ausgehen kann.

Fazit:

Precinct 20: Dead Strange ist eine Sideway-SEUCKiade, die unter vielen SEUCK-typischen Krankheiten leidet, aber auch ansonsten so ihre Probleme hat. Die Idee ein Baukastensystem für Ballerspiele zu verwenden um es so umzustricken, daß daraus ein Horror-Detektiv-Spiel wird, ist zwar ungewöhnlich, aber praktisch nicht wirklich brauchbar. Jedenfalls stelle ich mir solch ein Detektivspiel schon ein wenig anders vor, als Beweise einfach zu überlaufen. Auch der Horror hält sich in Grenzen, da Fledermäuse, Hunde/Ratten, irgendwelche Typen mit Waffen und große Visagen, die irgendwo plötzlich auftauchen, zumindest bei mir noch keinen Horror erzeugen. Somit bleibt am Ende ein sauschweres Spiel übrig in dem man alle Bereiche abgrasen muss (um alle Beweise zu finden) um sich hier und da mit allerlei Viehzeugs und Gegnern herumzuschlagen. Ein Treffer und die Waffe ist weg - das ist einfach unfair. Mögen mich die Alf-Fans nun steinigen, aber ich finde diese Produktion als kommerzielles Produkt einfach nur überflüssig. Daher ist dieses Spiel nur für eingefleischte Alf oder SEUCK-Fans interessant, die neues Futter suchen. Wer Spaß daran hat, ständig die gleichen Bereiche abzugrasen, tausend Tode aufgrund unfairen Situationen zu sterben und mit dem im Allgemeinen viel zu langweiligen Gameplay und Rucklern kein Problem hat, der kann sich diesen Titel gerne zulegen. Ich habe schon viele SEUCKiaden gespielt (manche auch komplett durch, aber die Meisten waren besser spielbar als dieser Titel), nur der Ottonormalspieler dürfte sich damit noch mehr abplagen, sich über den Kauf ärgern und das Spiel nach einiger Zeit vor Wut in die Ecke pfeffern. Als kostenloses Spiel würde ich gar nichts groß dazu sagen, aber so kann ich nur davon abraten - vor allem, vor den physischen Versionen.

Daher bekommt das Spiel auf unserer berüchtigten Skala von 1 bis 10 nur eine 4.

Wer meint, ein mit dem SEUCK Baukasten zusammengeklöppeltes Spiel kommerziell vertreiben zu müssen, der sollte darauf achten, daß auch alle Kinderkrankheiten und Fehler des Systems behoben sind. Das ist das Erste, was ich erwarten würde, als nächstes muss man das Gameplay soweit ausfeilen, daß es auch für normale Spieler spielbar ist.

Vielleicht wird das Ganze ja erst dann verständlich und zum Hit, wenn man das Buch von Alf gelesen hat? Keine Ahnung, aber wenn das das Spiel zum Buch sein soll, will ich erst gar nicht wissen, was drin steht.

Die Downloadversion ist für 2 US-Dollar auf itch.io erhältlich:
https://psytronik.itch.io/precinct-20

Die physischen Versionen auf Disk und Tape liegen zwischen 7 und 14 Pfund.
(Links auf itch.io anklickbar)

Das Buch ist auf Amazon für 8,52 Euro erhältlich (engl.):
https://www.amazon.de/PRECINCT-20-Strange-R-Yngve/dp/1980729867

Schlagworte : C-64, Test, Digital Talk

Trixter
Administration Nemesiz v4 Projekt
Aufgaben im Nemesiz: Administrator, Autor & Moderator, Übersetzung & Bugfixing
Freier Redakteur bei Special Interest Magazinen & Online-Blogs
Retro & Emulation, Alternative Computersysteme, Schwerpunkt: Spiele

  • Schreibe einen Kommentar


    Dein Name (Pflichtfeld):



    Deine Webseite (optional - http://www.):



    Deine E-Mail (wird nicht veröffentlicht):



    Dein Kommentar:

     Soll unser Blog deine Daten für weitere Kommentare merken? (setzt Cookie)
      1x aktiviert ist die Funktion gültig bis Cookielöschung. (Haken rein = Ja)

    Was ist der dritte Buchstabe des Wortes vzlp ?
Evtl. Statusmeldungen erscheinen nach dem Absenden in roter Schrift direkt unter
dem Artikel - bitte Herunterscrollen, falls dein Browser wieder zum Anfang der Seite
gesprungen ist. Beachte: Neue Kommentare erscheinen erst nach Freigabe durch
einen Administrator!
Danach wird dein Name mitsamt Email auf unsere Whitelist
gesetzt und deine Kommentare bei uns erscheinen dann immer direkt. (Spamschutz)
↓