C64 Test: "The Isle Of The Cursed Prophet" von Psytronik



Donnerstag 24 Dezember 2020 von Trixter C64, C64 Test keine Kommentare

Psytronik verspricht mit dieser neuen Icon 64-Produktion ein packendes Arcade-Abenteuerspiel, daß von dem Moment an, wo der Spieler einen Fuß auf die Insel der Propheten setzt, Rätsel und Atmosphäre versprüht. Ob dem wirklich so ist, erfahrt ihr in diesem Test...


Mit dem Tod seiner jungen Frau durch Influenza, hat Oliver Taylor mehrere Jahre nach einem Weg gesucht, seine geliebte Madalin von den Toten zurückzubringen. Er studiere alte Manuskripte und Schriftrollen um Antworten zu finden - und suchte jemanden, der ihm helfen kann - fand aber Niemanden (wie auch?). Als alles verloren schien, fällt ihm ein Buch mit altem Zauber und dunklen Künsten in die Hände - das Necronomicon (ja genau, ex mortis - das Buch des Toddes aus Tanz der Teufel), gebunden in Menschenhaut und mit dem Blut von tausend Toten geschrieben. Mit seinem Wissen über Re-Animation macht Oliver sich auf zum Ort der Reinkarnation - dem einen Ort, in der einen Nacht des Jahres, an dem sein Wunsch möglicherweise in Erfüllung gehen könnte, seine Frau von der anderen Seite zurückzubringen - eine Insel nördlich der Küste von England gelegen, die Insel der Propheten, Heimat eines uralten Druidenordens, aber seit langem verlassen...


Soviel zur Story mit dem das Handbuch in das Spiel einleitet. Laden wir das erste File von der Diskette und ein wirklich wunderbar animiertes Intro erscheint, das die Fahrt des Protagonisten mit seinem Wagen bis zum Anlegesteg des Bootes zeigt, mit dem er die Insel ansteuert. Stimmungsvolle Musik erklingt atmosphärisch zu den gezeigten Sequenzen und stimmt uns erwartungsvoll auf die Dinge ein, die noch folgen werden. Nachdem das Intro durchgelaufen ist, muss man sich allerdings erst einmal in Geduld üben, denn der Hauptteil des Spieles wird bei einem schwarzen Bild eingeladen - ein Ladebild, Geflacker oder zumindest weiterlaufende Musik hätte die Wartezeit durchaus positiv versüßen können.


Danach startet animiert wie der Protagonist auf der Insel ankommt und läuft zur Bildmitte, wo dann auch der Titel erscheint. Einzustellen gibt es nichts, ein Druck auf den Feuerknopf startet das Spiel - doch Moment, eine Funktion gibt es dann doch, aber diese ist nicht auf dem Bildschirm ersichtlich - drückt man hier (und nur hier!) die Taste "F1" kann man ein zuvor mit "F7" gespeichertes Spiel wieder einladen und dort weitermachen, wo man gespeichert hat. Das hat mir sehr gut gefallen, da die Speicherfunktion wirklich wie ein Savestate des Bildschirminhaltes ist. Dazu legt das Spiel eigentständig eine Speicherdatei auf der Diskette an - allerdings nur die eine - mehrere Speicherstände sind also nicht möglich - aber das reicht völlig aus.


Starten wir ein neues Spiel und werfen einen Blick auf die Anzeigen unten. Dort findet man Informationen zu den Herzen (Hitpoints) - Anfangs noch auf 5 beschränkt, lassen sie sich später weiter aufrüsten indem man die "EXP"-Punkte (Mitte) durch Vernichtung der Gegner erhöht. Noch nicht sichtbar sind die Items (Rechts), sowie die Jade-Steine und die Elementarsteine (Mitte, unterhalb der EXP) - denn davon haben wir bislang ja noch keine gefunden.


Schon jetzt könnten wir uns auf Erkundungsreise begeben - gesteuert wird per Joystick, Items werden per kurzem Feuerknopfdruck aktiviert - dabei spielt es keine Rolle welches, da diese an den passenden Stellen automatisch verwendet werden (Ausnahme ist die Bombe, sie wird durch langes gedrückt halten des Feuerkopfes abgelegt und aktiviert) - somit entfällt die manuelle Auswahl durch den Spieler im Rucksack komplett... auch ein nettes Feature wie ich finde. Doch Halt! Unbewaffnet sollte man lieber nicht durch die Gegend laufen, da von jetzt auf gleich zahlreiche Gegner erscheinen werden - gut, daß das Haus auf der linken Seite ein Messer für uns bereit hält. Wechselt der Spieler in ein Haus, Höhle, Turm, Keller, ect. wird nicht etwa nachgeladen, sondern direkt unterbrechungsfrei in das neue Bild (und auch wieder hinaus) geschaltet - noch ein Pluspunkt mehr.


Es erwartet uns eine recht große Insel, die wir erkunden müssen - Anfangs irrt man noch ziemlich planlos umher und ist auch von den Möglichkeiten eingeschränkt - etwa was das Gras angeht, denn das ist mit der aktuellen Ausbaustufe weder zerstör, noch begehbar - dadurch wird der Bewegungsradius erst mal eingeschränkt, denn man erreicht jetzt noch nicht alle Örtlichkeiten der Insel. Gleiches gilt für die Pflöcke in Zäunen - da wir noch keinen Hammer haben um diese in den Boden zu rammen, bleiben auch diese Bereiche für uns erst mal verschlossen.


Man kann also sagen, daß das Spiel recht linear abläuft - man kann sich zwar frei auf der Landkarte bewegen, ist aber von seinen Handlungsfreiräumen limitiert - mit der Zeit wird man Items finden, die diese Einschränkungen aufheben. Und da aller Anfang halt schwer ist, sucht man erst mal eine ganze Weile auf der Insel herum, da man keinen Plan hat, was man überhaupt machen soll. Also klappert man alle Begebenheiten ab und versucht in Häuser zu gelangen, die meist irgendein Item beherbergen - das können Schlüssel, Steine oder halt Werkzeuge sein. Natürlich sind die Häuser, Höhlen, ect. von Mönchen (oder was das sein soll) bewacht - übrigens die einzigen menschlichen Gegner im Spiel. Manchmal sind auch in den Gebäuden noch Bereiche verschlossen, die erst durch einen Hebel - den man finden muss - zugänglich werden.


Bei den Gegnern handelt es sich - bis auf die Mönche - um Tiere (Wölfe, Hunde, Ziegen, Bullen, Vögel, Schlangen, Wildschweine), die zahlreich und unterschiedlich erscheinen (am Anfang lassen sie sich Zeit um zu erscheinen, später erscheinen sie am laufenden Meter) - bis auf die Schafe sollte man sie nicht berühren, sonst schwinden die Herzen unserer Lebensanzeige. Einige verursachen mehr Schaden als andere, aber alle können mit dem Messer/Schwert bekämpft werden. Diese Kämpfe hinterlassen nicht nur Erfahrung (mit denen die Anzahl der Herzen erweitert werden - bis max. 27 Stück!), sondern auch hier und da Herzen selber, mit denen sich die Energie wieder aufladen läßt. Die Kämpfe sollten eigentlich kein großes Problem darstellen - vor allem wenn man später das Messer gegen ein Schwert eintauscht - damit lassen sie sich aus großer Distanz bekämpfen - auch kann man nicht nur horizontal und vertikal, sondern auch diagonal zuschlagen. Viele Gegner haben die Eigenheit nicht nur auf den Spieler zu zustürmen, sondern sich ständig um ihn herum aufzuhalten, daher sollte man stets aus ihrem Dunstkreis verschwinden. Sollte man dennoch einmal sterben, startet das Spiel mit allen schon gefundenen Items und Steinen - allerdings mit Null Erfahrungspunkten, somit starten auch die Herzen wieder bei 5.


So kämpft man sich Stück für Stück durch das Spiel, findet nützliche Items, Schlüssel die Häuser oder Türme öffnen, eine Brechstange um Verliese aufzubrechen, Stiefel um schneller zu laufen, Feuer um Fackeln zu entzünden, eine Schaufel um Dinge ausbuddeln zu können, einen Kompass der an solchen Stellen blinkt, Bomben um Eingänge frei zu sprengen und vieles mehr. Es macht Spaß, dies alles herauszufinden und so das Spiel von hinten sozusagen aufzurollen.


Die vier Elementarsteine müssen an die entsprechenden Säulen platziert werden, auch muss man alle 32 Jadesteine finden - dann verschwinden plötzlich alle Tiere und Mönche brechen massenhaft auf den Spieler los - das Ende ist nah. In dieser Endphase muss der Spieler den richtigen Steinkreis aus dreien herausfinden und eine Zauberschriftrolle aktivieren. War der Steinkreis der Falsche, verliert man Energie - beim richtigen zwar auch, aber es erscheint scheinbar Madalin und die Endsequenz beginnt...


Kommen wir zur technischen Seite.

Die Grafik ist abwechslungsreich, nett gestaltet und farbenfroh. Sie enthält viele Details und läßt einen direkt an große Vorbilder wie japanische Rollenspiele im Zelda-Stil erinnern - viele Items und Fähigkeiten sind ganz klar daran angelehnt, ebenso die Darstellung (Welt, Häuser, Dungeons) - auch Animationen gibt es hier und da zu sehen, etwa die Bewegung des Wassers oder Wasserfälle. Das ist gut gelungen und erzeugt eine schöne Atmosphäre. Die Sprites gehen ebenfalls komplett in Ordnung, bestehen aus mehr als nur einer Farbe, sind gut animiert und passen wunderbar zum Geschehen.

Die Musik besteht (im Spiel) aus nur einem Song, der recht dezent dahinplätschert - sollte es einem dennoch zu viel werden, kann man ihn mit einer F-Taste abschalten. Die SoundFX sind eher spärlich und am Meisten bei den Kämpfen oder Spawnen von Gegnern zu vernehmen - sie werden gleichzeitig mit der Musik abgespielt und sind sehr passend.

Die Steuerung ist gut gelungen und intuitiv - präzises Steuern ohne jeden Makel - hiermit sollte jeder auf Anhieb direkt klar kommen.

Die Texte im Spiel sind natürlich komplett in Englisch, sollten aber mit Schulenglisch gut verständlich sein - das spielt bei der Story eher weniger eine Rolle - wichtiger sind da schon die Items, die sollte man schon kennen, um sie sinnvoll einsetzen zu können - aber hier könnte der Übersetzer von Tante Google helfen.

Allerdings habe ich auch kleinere Bugs gefunden - etwa laufen die Gegner wie es ihnen beliebt über Dächer, Zäune, Berge oder Wasser. Auch kann es sein, daß sie sich irgendwo festklemmen oder wie wild in alle Richtungen auf der Stelle stehend zappeln. Manchmal verschwinden sie auch nicht richtig nach ihrem Ableben, hinterlassen einen blauen Kreis oder weißen Flatscher. Allerdings haben diese Fehler keinen Einfluss auf das Gameplay oder würden es stören - von daher verschmerzbar.

Fazit:

Das Herumlaufen, Suchen und Ausprobieren macht Spaß und die Rätsel löst man von hinten her auf - allerdings wird das Spiel immer leichter, je mehr man erreicht und freischaltet. Das ist der einzige Makel, der auch solche Goodies wie die perfekte Speicherfunktion im Grunde überflüssig werden läßt - sucht man am Anfang noch recht zeitintensiv alle Begebenheiten die möglich sind auf/ab, so schaltet man recht schnell den Rest frei und ist Schwuppdiwupp am Ende angelangt - für mein erstes Durchspielen brauchte ich keine 3 Stunden. Hier hätte ich mir ein doch etwas längeres Gameplay gewünscht und dafür wäre auf der Disk viel Spielraum frei gewesen - im Grunde haben wir es mit einem Singlefile zu tun, welches über ein Singlefile-Intro eingeleitet wird und ein Singlefile-Outro am Ende nachlädt. 404 freie Blöcke hat es noch auf der Diskette. Somit hätte man mindestens noch 3 solcher Singlefile-Welten realisieren können - sprich, nach Aktivierung des Steinkreises würde es dann nicht zum Outtro gehen, sondern zu einer weiteren Insel irgendwoanders auf der Welt und so weiter... dann hätte die Speicherfunktion durchaus ihre Berechtigung gehabt... nur so als schnell dahergeschwurbelte Idee...

Kurzum, es ist ein technisch gut umgesetztes Spiel, welches toll zu spielen ist, Lust auf mehr macht, aber dann viel zu schnell zu Ende ist. Das soll euch aber nicht davon abhalten es zu spielen - das was enthalten ist, ist solide und klasse gemacht - nur eben viel zu kurz.

Daher bekommt The Isle Of The Cursed Prophet auf unserer berüchtigten Bewertungsskala von 1 bis 10 eine überdurchschnittliche 7 verpaßt.

Gäbe es mehr spielerischen Inhalt wäre eine Hitwertung drin gewesen - so aber ist es wohl weniger für Adventure-Rollenspieler, sondern eher für Arcade/Casual-Spieler interessant, die nicht zu lange an diesem Spiel sitzen wollen - für Speedruns bietet es sich ebenfalls gut an.

The Isle Of The Cursed Prophet ist erhältlich als Downloadversion bei itch.io (Preis: 7 US-Dollar) oder als physische Tape und Diskversionen bei Psytronik (Preise zwischen 8 bis 40 britische Pfund)

Downloadversion: https://psytronik.itch.io/cursed-prophet-c64

Physische Versionen: http://binaryzone.org/retrostore/index.php?main_page=advanced_search_result&search_in_description=1&keyword=prophet


Schlagworte : C-64, Test, Digital Talk

Trixter
Administration Nemesiz v4 Projekt
Aufgaben im Nemesiz: Administrator, Autor & Moderator, Übersetzung & Bugfixing
Freier Redakteur bei Special Interest Magazinen & Online-Blogs
Retro & Emulation, Alternative Computersysteme, Schwerpunkt: Spiele

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