C64 Test: "Landwirtschafts-Simulator/Farming Simulator"



Montag 26 August 2019 von Trixter C64, C64 Test keine Kommentare

(GIANTS Software/Protovision/2018)

Test der Downloadversion

Der Landwirtschafts-Simulator (auch bekannt als Farming-Simulator) war letztes Jahr als Aprilscherz getarnt angekündigt, aber dann tatsächlich mit der 2019er PC-Version veröffentlicht worden. Der Gag bestand also vielmehr darin, die Leute in dem Glauben zu lassen, daß es sich um einen Scherz handeln müsse, als um eine Entwicklung (wie ich bislang dachte), die aufgrund der Reaktionen der Leute zum Ende gebracht wurde - nein, der C64er Ableger war von Anfang an geplant - und überraschte dann natürlich umso mehr. Krautguy hatte in der Digital Talk 104 ein kleines Review verfaßt, auch findet ihr dort im Special ein Interview mit GIANTS Software selber. Es wird also Zeit, einen umfassenden Testbericht nachzureichen.

Im Downloadarchiv befinden sich neben den Abbildern für Modul und Disk, auch eine Kurzanleitung (2 Seiten) in etlichen Sprachen (auch in Deutsch), sowie der Vice-Emulator zum direkten Starten des Spieles auf dem PC. Die Spielversionen sind überall identisch - die Modulversion bietet also nicht etwa mehr, weil sie als Modul vorliegt.

Die Ladezeiten sind selbst von Diskette erstaunlich flott - nach dem Start erscheint das obligatorische GIANTS-Logo, dann erscheint eine Übersicht über die Steuerung (spielbar über Tastatur oder Joystick und Tastatur) und danach direkt das Spielmenü. Hier gibt es nicht viel Auswahl - man kann sich die Credits anzeigen lassen oder das Spiel starten.

Nach dem Spielstart befindet man sich direkt auf dem Feld wieder und zwar in einem "laufenden" Traktor. Ehe wir uns diesem zuwenden, werfen wir einen Blick auf die Anzeigen. Unten links sehen wir unser Geld, im rechten Bereich unseren Treibstoff und eine Prozentanzeige. Diese ist individuell und für jeden Traktortypen unterschiedlich. ZB. könnte sie den aktuellen Korn-Füllstandswert des Hängers oder des Mähdreschers zeigen - somit sieht man also, wie viel das Gerät noch aufnehmen kann. Es kann aber auch für den Saatgutwert der Sämaschine stehen, ehe der Speicher leer ist. Es empfiehlt sich ohnehin auf alle Werte ein Auge zu werfen - warum erfahrt ihr später noch.

Kommen wir wieder zurück zu den Treckern. Diese sind per F-Tasten auswählbar. Folgende Typen stehen uns zur Verfügung:

F1 - Case IH Magnum (Pflug)
F3 - Fendt 700 (Sämaschinen)
F5 - New Holland T7 (Kipper)
F7 - John Deere T560 (Mähdrescher)

Gestartet wird das Spiel übrigens mit dem ersten Traktor (Pflug), da dies ohnehin die erste Amtshandlung des Spieles ist - das Feld umzupflügen. Der Bereich in dem wir starten ist ein recht kleines Areal, weiter unten erstreckt sich ein viel größeres Feld - darauf würde ich den Fokus legen, da man dort viel mehr Platz zum Rangieren, erlernen der Steuerung und später auch für das eigentliche Spielen hat. Zur Landschaft sei noch gesagt, daß sie sich über mehrere Bildschirme erstreckt (scrollend) und scheinbar in einem  Waldgebiet liegt - was insofern wichtig zu wissen ist, da man besonders bei den Straßen sehr genau lenken muss, um nicht an irgendwas in der Botanik hängenzubleiben - dabei sind die Bäume natürlich an erster Stelle zu nennen, aber es können auch Verkehrsschilder oder Brücken, Wasser, ect. sein. Interessanterweise nimmt der Traktor keinen Schaden beim Rammen, dennoch ist es bei der recht eigenen Steuerung recht ärgerlich und fummelig, einen festgefahrenen Traktor wieder frei zu bekommen. Wo wir schon bei der Steuerung sind - kennt ihr diese pseudoisometrischen, monochromen Spectrumspiele, wo man in Räumen mit unterschiedlichen Ebenen springen muss? Man lenkt also nicht direkt in die Richtung in die man möchte, sondern nach links und rechts, gibt "Gas" indem man nach vorne drückt und bremst indem man nach hinten drückt. Eigenwillig, schwer und unbedingt eingewöhnungsbedürftig - aber mit ein wenig Übung ist die Kontrolle dennoch irgendwann zumindest grob gegeben. Keine Ahnung womit es genau zusammenhängt, aber man hat das Gefühl, das Hirn austricksen zu müssen und gestattet man wieder mehr Intuition und Kontrolle, hängt man meist im nächsten Baum fest.

Aber wir waren ja beim Pflügen des Feldes. Achtet auf den Boden - dort wo der Anbau möglich ist, befinden sich kleine Punkte - also eine gut erkennbare eigene Fläche. Fahrt darüber und drückt einmal auf den Feuerknopf - nun wechselt der Traktor vom "schnellen Fahrmodus" in den langsameren "Arbeitsmodus" - in dem Fall pflügen wir nun die Fläche indem wir sie abfahren - was auch grafisch dargestellt wird. Ein Druck auf den Feuerknopf verläßt den Modus wieder - dies gilt für alle Maschinen, die eine bestimmte Funktion haben. Als nächstes nehmen wir die Sämaschine - damit fahren wir über die gepflügte Fläche (ja, diese muss zuvor zwingend gepflügt worden sein, sonst keimt später nichts) und bringen unser Saatgut auf´s Feld. Und nun warten wir ab, bis das Korn gewachsen ist und gemäht werden kann. Auch dieser Prozess wird grafisch dargestellt - würde man auch hier zu früh mähen, würde nichts passieren. Ist der richtige Zustand erreicht, kann man sich den Mähdrescher schnappen und die Ernte einfahren - allerdings nur solange Platz in dem Drescher ist. Zudem kann das Teil nicht direkt zur Entladestelle fahren - also müssen wir das Korn zuerst umladen - auf den Kipper. Hier reicht es, den Kipper nur ganz leicht zu berühren - schon kann man den Prozentwert schrumpfen sehen. Und mit dem Kipper fährt man dann zu seinem Bauernhof (im hinteren rechten Bereich, dazu muss man die Straßen nutzen) zum Silo - dort ist ein Bereich auf dem Boden markiert, überfährt man ihn, wird abgeladen und unser Geldvorrat wächst. Am Silo muss man mit der Sämaschine übrigens auch neues Saatgut kaufen - das geschieht ebenfalls mit dem Überfahren der markierten Stelle - ebenso das Tanken an der Zapfsäule. Jeder Traktor hat seinen eigenen Spritvorrat und muss zwingend aufgetankt werden. Das wäre im Grunde das Spielprinzip - pflügen, säen, warten, mähen, umladen, Geld verdienen, Saatgut kaufen, tanken. Was wohl passiert, wenn einer der Werte wie Geld, Sprit, Saatgut ausgeht? Nun, dann erfolgt direkt und an welcher Stelle auch immer direkt das Game Over!

Das fand ich anfangs verwirrend - man fährt zum Tanken an die Zapfsäule und bekommt direkt ein Game Over-Bild von einem zerstörten Traktor zu Gesicht. Das ist ein wenig unglücklich gewählt - unabhängig davon, daß man seinen Trecker nicht durch Schäden verlieren kann - aber es scheint das einzige Game Over Bild zu sein und gilt daher auch für alle Game Over Varianten. Gut, muss man wissen. Das bedeutet also für uns - unbedingt ein Auge auf alle Werte zu legen und entsprechend mit Puffer zu handeln. Geld spielt hierbei die wichtigste Rolle - ganz klar. Ohne kann man eben nichts kaufen - aber warum dann nicht einfach die Kauftransaktion abgebrochen wird, ist mir ein Rätsel - warum muss mein Traktor direkt  zerstört werden und das Spiel enden? Am ehesten paßt da ja noch, wenn einem der Sprit ausgeht - dann bleibt das Ding eben an Ort und Stelle liegen - aber beim Kaufen von Sprit oder Saatgut, wenn das Geld ausgeht? Hm... vielleicht soll dies auch nur eine Art von Erschwernis sein, da es dem Spiel einfach an weiteren Inhalten und Schwierigkeiten fehlt?

Kommen wir zur technischen Seite.

Die Grafik geht voll in Ordnung und hat nette Details. Die Sprites sind gut gestaltet und fügen sich perfekt ein. Die Steuerung muss erlernt werden, aber es geht - problematisch werden enge Passagen und exaktes Steuern auf kleinem Raum. Musik ist nur im Titelscreen und den Credits vorhanden - aber es sind 2 unterschiedliche Stücke, die richtig gut gelungen sind. Im Spielselbst ertönen nur die SoundFX, die aber je nach Maschine unterschiedlich klingen. Gut gefallen hat mir der "Umschaltmodus" von "schneller Fahrt" auf "Arbeitsmodus" - so muss man nicht die ganze Zeit auf dem Feuerknopf bleiben und kann sich auf die Feldarbeit konzentrieren.

Die Arbeitsprozesse sind stets die gleichen, achten muss man auf Geld, Sprit und Saatgut - es darf nie ausgehen und es sollte vorzeitig vorausgeplant werden, um ein Game Over zu vermeiden. Wie beim Spielstart Optionen und Funktionen fehlen, so fehlt es dem Spiel ansich auch an allem. Es gibt kein Ende, keine Punkte und somit Highscore, es gibt keine Statistiken, es gibt keine unvorhergesehene Ereignisse - nichts. Ob man hier überhaupt von einer Simulation sprechen kann, wage ich zu bezweifeln. Vielmehr hat man sich eine Endlosschleife eines bestimmten Prozesses geschaffen - ob das ausreicht, den Spieler bei Laune zu halten, ständig die selben Prozesse auszuführen, ohne Ziel, ohne Sinn, das kann jetzt sicher jeder für sich selber beantworten. Technisch gesehen ist das was vorhanden ist grundsolide, aber einfach zu wenig für ein "eigenes" Spiel.

Eine Funktion habe ich noch unterschlagen - die Hupe. Drückt man auf die H-Taste, kann man hupen - sehr schön, aber zu welchem Zweck? Es gibt keinen, das ist ein Gag am Rande...

Fazit

Selten ist mir eine Bewertung so schwer gefallen wie bei diesem Spiel. Nachdem die anfängliche Euphorie über neues Spielefutter eines großen Softwarehauses nach dem ersten Durchgang der Spielmechanik und Erkennen des Spielprinzips verflogen war, stellte sich schnell Ernüchterung ein und eine Frage tat sich auf: war das schon alles?

Der Landwirtschafts-Simulator ist mehr das, aus dem er hervorging - ein Aprilscherz - als ein eigenständiges Spiel. Der Hersteller hat durchaus sein Ziel erreicht - sich einen kleinen Spaß mit seinen PC-Kunden erlaubt und gleichzeitig Werbung für seine Spielereihe am PC geschaffen. Als kostenloses Werbegeschenk dürfte man nicht meckern - aber auch in dem Bereich gab es schon Werbespiele mit mehr Spielinhalt als wie es dieses "Techdemo" bietet. Die einzige Schwierigkeit ist die Verhinderung des Game Over-Screen durch irgendwelche Zählerminusstände - selbst wenn man genug Geld hat und es sich leisten könnte, kann man das Spiel durch einen Wert verlieren, den man aus den Augen verloren hat. Was dieses Realitätsfremde Verhalten mit einer Simulation zu tun hat? Keine Ahnung. Achtet man auf diese Begebenheit und plant voraus, sollte man mit dem Geldverdienen keine Probleme bekommen - was irgendwann nervt sind die ständigen Fahrten zum Bauernhof für die Betankungen aller Fahrzeuge einzeln. Aber genau das bleibt unter´m Strich als eines der Hauptspielelemente übrig - langweilig. Hatte ich erwähnt, daß die Fahrzeuge unterschiedliche Mengen an Treibsstoff benötigen und daß dieser auch verbraucht wird, wenn im Stand der Motor läuft? Somit stehen neben den regulären Erntefahrten hauptsächlich diese ständigen Betankunsfahrten an, die das Spielgeschehen dominieren. Das Spiel hätte durchaus Potential gehabt, wäre man über den Gagzweck hinausgegangen und hätte ein wirkliches Spiel mit einem Ziel und Abwechslung geschaffen, so aber muss ich hiervon dringlichst abraten.

Dies gilt nicht nur für die 50 Euro-Modulversion bei Protovision - die aus irgendeinem Grunde gar nicht mehr im Shop angeboten wird, sondern auch für die Downloadgeschichte.

Wer es nicht lassen kann, sollte sich die PC-Version zulegen wo die C64er Version als kostenloser Bonus beiliegt (wie es auch richtig wäre). Von einer Simulation oder Arcadegame zu sprechen wäre übertrieben, daher fährt dieses "Spiel" die bislang schlechteste Wertung ein, die die Digital Talk bislang vergeben mußte.

Der Landwirtschafts-Simulator erhält auf der berüchtigten Skala bis 10 eine 3.

Es hat zwar irgendwie was mit landwirtschaftlichen Maschinen und Prozessen zu tun, aber das macht es noch lange nicht spielenswert. Es mag Spielernaturen geben, denen es Spaß macht, stupide und ohne Sinn immer die selben Prozesse "abzuarbeiten". Alle anderen werden sich nicht nur schnell langweilen, sie werden sich auch ärgern, Geld für dieses Werbespiel ausgegeben zu haben. Sorry, aber mehr ist beim aktuellen Stand nicht aus dem Ding herauszuholen und zu bewerten.

Ich würde es begrüßen, wenn ein wirkliches Spiel folgen würde - aber das dürfte wohl nur reines Wunschdenken bleiben, da GIANTS Software eben nicht vor hat, zukünftig den C64er Markt aktiv zu bedienen und dieser Titel wohl eine einmalige Sache war.

Die Downloadversion liegt preislich bei 5 Euro.

https://www.farming-simulator.com/dlc-detail.php?lang=de&country=de&dlc_id=fs19c64

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Schlagworte : C-64, Test, Digital Talk

Trixter
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