C64 Test: "L’Abbaye des morts" - Vorab und finale Version



Montag 24 Dezember 2018 von Trixter C64, C64 Test keine Kommentare

(Doublesided Games/2019) 

Test der Vorabversion (Digital Talk 104 Special) und finale Version (Digital Talk 105)

Willkommen ihr Lieben zu einer wahren Premiere!

L´Abbaye des morts erscheint erst im Januar 2019 als physisches Produkt auf Disk und Modul, sowie im digitalen Download. Wir konnten schon jetzt im November einen Blick auf die (fast) fertige finale Version werfen- sollte noch etwas verändert werden, werden wir die Änderungen in der nächsten Digital Talk natürlich nachreichen. Dafür möchten wir dem Publisher und dem Entwickler unseren Dank aussprechen.

Nun, das Spiel ist keine Neuentwicklung, 2010 erschien es bereits auf der OUYA und dem Mac. Es folgten zahlreiche inoffizielle Umsetzungen - etwa für den  ZX Spectrum, Linux, Pandora, GCW Zero, Wii und HTML5. Nun ist auch der C64 mit einem Port bedacht worden.

Der Spieler schlüpft scheinbar in die Rolle eines Katharers, der scheinbar wohl auch noch der Letzte seiner Art ist und von christlichen Kreuzrittern gejagt wird. Fragt mich nicht - das ist Geschichte und lief wohl ähnlich ab wie bei den Tempelrittern - diese Glaubensrichtungen wurden im Mittelalter in Frankreich ausgelöscht und die größeren Anführer landeten allesamt auf dem Scheiterhaufen. Die Rahmenhandlung kann man also durchaus "geschichtlich" angehaucht sehen - wobei die Entwicklung im weiteren Spiel natürlich pure Erfindung ist. Wie auch immer - und bevor wir zum eigentlichen Spiel kommen, möchte ich noch auf den Start eingehen.

Das Spiel liegt als reines PRG-Einzelfile vor, welches ohne Umschweife direkt in den Startbildschirm führt. Dieser ist nett animiert, da im Hintergrund sich wohl ein Gewitter anbahnt und hier und da Blitze einschlagen. Nett anzusehen!

Einzustellen gibt es nichts, daher führt der Druck auf den Feuerknopf zum Spielstart, wo kurz (auf Englisch) ein Infotext erscheint, der ganz kurz über die oben schon eingegangene Geschichte aufklärt. Und dann sind wir auch schon direkt im Spiel. Unser Mönch ist braun gekleidet und sieht von links die christlichen Häscher ins Bild stürmen - schnappt euch direkt euren Joystick und lenkt nach rechts, springt über die kleinen Abgründe und nichts wie ab in die sichere Burg! Erst wenn ihr das geschafft habt, solltet ihr euch mit der Steuerung näher vertraut machen und euch mit den Anzeigen beschäftigen.

Zur Steuerung sei gesagt, daß es nichts gibt, was wirklich erlernt werden müßte, Lenken ist logischerweise links und rechts, Bücken, bzw. Kriechen geht über den Joystick nach unten, Teleporter benutzt man mit Joystick nach oben, wenn man in einem steht. Da es keine Waffen gibt,  dient hier der Feuerknopf allein dem Springen. Die Anzeigen unten links zeigen unseren Herzenvorrat, die unser Leben symbolisieren. Die Kreuze daneben zeigen auf, wie viele wir davon eingesammelt haben - das ist wichtig, da das unsere Aufgabe im Spiel sein wird. Im rechten Bereich finden wir stets den Namen des Raumes, in dem wir uns gerade befinden. Da einige Bereiche der Burg sich erst nach dem Umlegen von Schaltern öffnen, kann man sich stets sicher sein, daß man sich nicht verlaufen kann - und selbst wenn alle Bereiche geöffnet wären, ist der Umfang mit rund 20 Räumen nicht so gestaltet, daß man dies könnte - die Räume sind logisch aneinandergereiht und teilweise auch übergreifend - würde man zB. durch einen Geheimtunnel kriechen, der aus dem Screen herausführt, käme man stets an der "richtigen" Stelle in dem logisch anliegenden Raum der davor lag wieder aus. Ach, ihr wißt sicher schon was ich meine - ich zumindest kann mir bei solchen Spielen stets logisch vorstellen, welcher Raum wo genau liegt. Das ist hier sogar auch deswegen gegeben da die Räume wie eine Art Rundgang angeordnet sind.

Unsere Aufgabe ist nun, 12 dieser Kreuze einzusacken um damit "das Böse" zu besiegen. Das ist insofern schwierig, da nicht alle Kreuze an für uns erreichbare Stellen liegen und sogar gegen unchristliche Kreuze (kopfüber) vertauscht sein können. Im Verlauf des Spieles finden wir aber einen Schalter, mit dem man die Kreuze umswitchen kann. Allerdings muss ich dazu sagen, war es bei mir so, daß dies erst nach einer gewissen Anzahl von eingesackten Kreuzen funktionierte (9). Hatte man weniger gesammelt, änderten sich die letzten 3 Kreuze eben nicht, was bei mir eine weitere Suchaktion aller schon besuchten  Räume zur Folge hatte, da ich annahm, irgendwas wichtiges vergessen zu haben. Ich weiß nicht, ob das so gewollt ist oder ein kleiner Fehler war - aber solltet ihr an dieser Stelle sein, probiert es nach dem Einsammeln des neunten Kreuz noch einmal. Natürlich gibt es im Schloss nicht nur Kreuze, sondern auch zahlreiche Gegner und Fallen. Diese erfordern (teilweise) schon einiges an Geschick um diese Stellen passieren zu können. Dabei bleibt die Schwierigkeit zunächst sehr zurückhaltend und stets fair. Warum zunächst? Nun, je tiefer man in die Burg vordringt, desto klarer wird es, daß  diese scheinbar nur zur Tarnung dient. Tief im Innern scheint es eher eine satanistische Kirche zu sein - es sind zwar nur wenige Räume, aber die haben es in sich. Hier fährt das Spiel schlagartig alles auf, was es anzubieten hat. Dh. was sich plötzlich auf dem Screen abspielt ist unglaublich. Etliche Gegner tummeln sich auf einem Haufen, jeder Schritt, Sprung, Krabbeln, usw. muss pixelgenau stimmen und wohl durchdacht sein - teilweise auch alles exakt hintereinander. Man rechnet irgendwie nicht damit - und das wird wohl die Stelle sein, wo spätestens die Meisten verzweifeln und sich die Zähne ausbeißen werden. Deswegen mein guter Rat - tretet erst dann den Weg in die teuflischen Räume an, wenn ihr 11 Kreuze eingesammelt habt und nicht wieder von dort zurückkehren müßt, da die Wahrscheinlichkeit ein zweites Mal unbeschadet durch die Hölle zurückzukehren sehr gering ist - zudem öffnet sich dort die letzte Tür, wenn alle 12 Kreuze eingesammelt wurden. Macht das also sozusagen einmalig und vorbereitet auf dem Weg zum Endkampf!

Ja, das Thema Kampf - dieser ist in diesem Spiel fast unmöglich, da wir uns zu keinem Zeitpunkt wehren können. Deswegen heißt es stets, einen Weg um die Gegner herum zu finden oder sie zu überspringen - die Meisten werden stupide am Boden oder in der Luft ihre vorgegebenen Bahnen ziehen. Es gibt allerdings eine fliegende Kugel, die sich an der Position des Spielers orientiert und diese stellt den einzigen, ernstzunehmenden Gegner dar - zumindest solange, bis man das Spiel durchschaut hat, denn Plattformen können das Ding zum steckenbleiben bringen, was wir wiederum ausnutzen können, um ihn auszutricksen. Es gibt auch einen größeren "Zwischengegner", der aber nach Beobachtung seiner Würfe leicht zu knacken ist. Der Endkampf gegen Satan selbst ist eigentlich nur ein Erreichen eines oberhalb fliegenden Kelches beim Sprung über Plattformen inmitten seines Kugelhagels - berührt man ihn, fängt Satan Feuer und ist vernichtet - danach endet das Spiel recht unerwartet.

Bevor wir zum Fazit kommen, möchte ich noch auf weitere Dinge eingehen, die das Spiel anbietet. So gibt es etwa Grabsteine, welche hier als Continuepunkte fungieren - verliert man also ein Herz und stirbt, gelangt man zum zuletzt aktivierten Grabstein zurück. Schön ist, daß sich alle Grabsteine wieder resetten und somit auch schon einmal aktivierte, erneut aktivieren lassen. Meist sind diese aber einige Räume von der Todesstelle entfernt, sodaß diese zuvor erneut gespielt werden müssen. Hin und wieder sammelt man Schriftrollen mit Tips auf - diese sollte man echt genau beachten, da sie wertvolle Tips geben, die man auf jeden Fall im Verlauf des Spieles benötigt um weiter zu kommen. So erfährt man von einem Geheimgang oder wie man an unzulänglich erreichbare Schalter gelangt. Dabei sind sie teilweise in Rätselform gehalten, sodaß sich ihr Sinn erst später ergibt und man durchaus jede Menge Spielraum zum experimentieren erhält. Herzen findet man hier und da auch - sodaß man sich immer wieder mal um ein Leben erweitern kann - es empfiehlt sich aber, diese Herzen, wenn es möglich ist, bis zum Ende aufzusparen, da der letzte Teil wie schon erwähnt sehr hart werden könnte. Leider gibt es keine Save oder Paßwortfunktion, die bei diesem Spiel ohnehin witzlos wäre, da es halt recht klein gehalten ist.

Kommen wir also zum Fazit.

L´Abbaye des morts ist die Portierung eines vor ca. 8 Jahren entstandenen Spieles, welches sich vom Stil her sehr für eine C64-Umsetzung eignete. Diese ist sehr gut gelungen, läuft stabil und flott. Die Grafik ist nett anzusehen und macht eine gute Atmosphäre - im Einklang mit der ebenso gut gelungenen Musik. Die Steuerung ist sehr präzise und geht recht leicht von der Hand - allerdings sollte der Spieler schon geübt mit solchen Spielen sein, da Sprünge und auch Spritekollisionen pixelgenau sind oder erfolgen müssen - man denke da zB. an die Regentropfen, die beim Aufprall auf dem Boden in mehrere kleinere Tropfen  zerfallen - schon die Berührung mit dem abspritzenden Wasser sorgt für Herzverlust. Die Räume sind gut durchdacht und genau angeordnet - es macht eine Menge Spaß, diese zu erforschen und die Kreuze einzusacken. Da sich das Spiel nach einem Durchspielen nicht ändert, leidet allerdings die Langzeitmotivation. Die "Rätsel" sind durchaus logisch lösbar - irgendwann stößt man von selbst auf deren Lösung. Genauso wie der Umgang mit den Gegnern, den Fallen und ihren Eigenheiten. Irgendwann steigt plötzlich und ohne Vorwarnung der Schwierigkeitsgrad an - ein Zeichen, daß es dem Ende des Spieles zugeht. Hier hätte ich mir durchaus einen sanfteren Übergang, bzw. Heranführung gewünscht, zumal gegenüber dem original Spiel 3 Räume zu fehlen scheinen. Es kommt mir so vor, als hätte man mittendrin die Entwicklung eingestellt. Es gibt zwar gewisse Dinge, die auch offensichtlich beworben werden - etwa der Drache, der im Spiel aber (fast) nur als Dekoration herhalten muss. Oder den Teleporter - ja, den habe ich noch nicht erwähnt, weil es nur einen davon im Spiel gibt und der einen an eine Stelle transportiert, die ohnehin leicht auf normalem Wege zu erreichen ist. Sprich, das Spiel hätte durchaus mehr Potential gehabt, aber man hat es einfach nicht genutzt oder nicht weiter entwickelt - um das zu beantworten, hätte ich gerne mehr  über die Gründe der Entstehung erfahren, aber leider fand ich im Netz nicht wirklich etwas näheres dazu. Dieses Manko ist an die Adresse des originalen Entwicklers gerichtet, nicht aber an den Portierer, der wirklich eine solide und gute Arbeit abgeliefert hat.

Somit haben wir es hier um ein recht kurzweiliges Spiel zu tun, welches Anfangs gut unterhält, dann sehr schwer und nach dem Ende wegen Langeweile in der Ecke verschwinden wird. Versteht mich nicht falsch - das Experimentieren hat wirklich Spaß gemacht - aber hat man einmal das Spiel durchschaut und gelöst, bietet es beim nächsten Mal spielen etwa ein Gameplay von 20 Minuten (wenn´s hoch kommt) - bis dahin allerdings können Stunden vergehen - sprich, man muss sehr leidensfähig und ausdauernd sein und vor allen Dingen, nach jedem Tod das Spiel komplett von vorne neu spielen. Somit richtet sich das Spiel wohl nur an die richtigen Hardcorespieler, die sich einmalig die Zähne ausbeißen wollen - Spieler die leicht reizbar sind, sollten einen Bogen um das Spiel machen. Schade, wie gesagt, hätte das Game durchaus noch mehr Potential gehabt. Hätte man zB. eine Savefunktion und weitere Räume eingebaut, mehr Rätsel und so weiter, hätte es durchaus ein Hit werden können. Aber so erreicht es wohl nur das Niveau eines ZX Spectrumspieles - aber ob das für uns verwöhnte Commodorejünger ausreicht, sollte jeder für sich selbst ausmachen.

Da es sich hier noch nicht um die finale Version handelt, werde ich keine Bewertung an dieser Stelle verkünden. Diese reiche ich aber nach, sobald das Spiel final erschienen ist.

Über den Preis der Downloadversion kann ich leider nichts sagen, aber die Preise für die physischen Versionen sind schon bekannt. So liegt die Diskversion bei 40 kanadischen Dollar (ca. 27 Euro) und die Modulversion bei 50 kanadischen Dollar (ca. 34 Euro).

Das Spiel kann ab  sofort vorbestellt werden - es erscheint im Januar 2019.

https://doublesidedgames.com/shop/commodore/abbaye-des-morts/


Bewertung Digital Talk 105

Vom im Special der letzten Ausgabe 104 der Digital Talk getesteten L´Abbaye des morts behielten wir uns die Bewertung vor, da es sich damals um eine "Pre-Final"-Version handelte. Das Spiel sollte im Januar 2019 erscheinen und bis dahin hätte ja noch einiges passieren können, welches von der Bewertung ausgeschlossen war. Nun liegt die finale Version vor, welche wir nun anschauen.

Zunächst fällt auf, daß sich der Publisher Doublesided Games mit einem kleinen Logo inklusive Sprachausgabe vor das Spiel geschaltet hat. Danach startet ein wirklich flotter Speedloader und schaufelt alle Spieldaten in Rekordzeit in den Speicher. Das hat mir gut gefallen. Allerdings wurde durch den Loader die Directorykunst unseres Teamers Logiker hinfällig (davon wurde ich selber überrascht), da der Loader damit wohl inkompatibel war - anstelle das zu fixen, ließ man sie komplett weg. Gerüchten zur Folge, soll sie aber bei einem Crack verwendet worden sein - dies aber nur als Info am Rande.

Ansonsten  hat sich am Spiel selber nichts verändert - zumindest ist mir beim erneuten Durchspielen nichts ins Auge gestoßen, was mir aufgefallen wäre. Da die oben beschriebenen Dinge nicht wirklich etwas am  Gameplay verändern, rücke ich nicht von meiner schon damals fiktiven Bewertung im Kopf ab. Das Spiel ist zwar ganz nett spielbar beim ersten Mal, da man viele Dinge erst herausfinden muss, aufgrund der recht kurzen und auch etwas beschnittenen Länge von rund 20 Minuten, leidet die Langzeitmotivation. Man merkt, daß ein inkomplettes Homebrewspiel hier Pate stand - hätte man das Gameplay mit eigenen Ideen erweitert, wäre mit Sicherheit viel mehr herumgekommen - das Potential hätte es nämlich gehabt. Kurzum, es ist selbst für einen Onefiler viel zu kurz geraten. Sicherlich werden sich dennoch viele die Zähne am Schwierigkeitsgrad ausbeißen, schafft man es jedoch und blickt dann auf das Spiel zurück, merkt man, daß viele Dinge im Spiel extra so gehalten wurden um über die knappe Spielzeit hinweg zu täuschen. Das enttäuscht etwas, immerhin legt man für das Spiel einiges an Kohle auf den Tresen - über den Sinn und Unsinn einer Modulversion kann man streiten. In diesem Fall ist sie völlig unnötig und dient nur zur Gewinnmaximierung.

Daher kommt das Spiel nicht über 6 von 10 möglichen Punkten heraus.

Preise:

Download: 8 kanadische Dollar
Disk: 40 kanadische Dollar
Modul: 50 kanadische Dollar

https://doublesidedgames.com/shop/commodore/abbaye-des-morts/

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Schlagworte : C-64, Test, Digital Talk

Trixter
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