C64 Test: "Barnsley Badger"



Montag 29 April 2019 von Trixter C64, C64 Test keine Kommentare

(Psytronik Software/2016)

Wie sich das an "Monty on the Run" als Vorbild anlehnende Spiel so macht, erfahrt ihr in unserem Test der Downloadversion... 

Vor Tausenden von Jahren gab es ein riesiges Reich, das vom großen Tutanbodger beherrscht wurde. Der große König brachte seine Metallarbeiter dazu, die schönste Maske zu schaffen, die je aus reinem Gold gefertigt wurde. Leider verschwand das Reich im Laufe der Jahrhunderte und der große Schatz ging verloren. Der Spieler übernimmt die Rolle von Barnsley, einem faulen und für nichts zu gebrauchenden Dachs, dessen Sucht nach Glücksspielen ihn in alle möglichen Schwierigkeiten bringt. In seiner örtlichen Kneipe hörte er ein Gespräch mit, daß auf dem örtlichen Friedhof eine Goldmünze entdeckt wurde. Eine Münze, bei der der Kopf des großen Tutanbodgers auf einer Seite geschnitzt ist. Könnte das wahr sein? Könnte der große Schatz in der Nähe begraben sein? Wenn es so wäre, würde es alle Barnsley-Probleme lösen. Er schluckte seinen Pint in einem Zug aus und wischte sich den Schaum von den Schnurrhaaren und brach zum Friedhof auf. Eine großartige Reise erwartet ihn, solange er auf dem Weg nicht einschläft.

Soviel zur Geschichte des Spieles - laden wir das erste File von der Diskette. Es erscheint ein nettes Bild samt Musik, beim Druck auf die Space-Taste oder den Feuerknopf lädt das Spiel nach - allerdings ohne Musik. Da es zudem auch keinen Turbolader gibt, kann die Wartezeit etwas langweilig werden - hier hätte es sich - wie bei anderen Psytronikspielen - angeboten, die Musik weiter spielen zu lassen. Nach dem Ladeprozess befindet man sich direkt im Titelmenü des Spieles wieder. Dieses ist nett gestaltet und animiert - der untere Scrolltext informiert über die Macher und über die einzigste Funktion im Spiel - wie man zwischen Musik und SoundFX über eine Taste switcht. Weitere Optionen gibt es keine - auch keine Highscoreliste, keine Levelcodes, keine Wahl des Schwierigkeitsgrades. Ein Druck auf den Feuerknopf führt direkt zum Start des Spieles.

Nach dem Start befindet sich unsere Spielfigur - der Dachs - an einem Savepoint wieder. Überall im Spiel sind diese verteilt und sorgen bei einem Lebensverlust dafür, daß das Spiel ab einem solchen Punkt - wenn wir ihn zuvor per Überlaufen (er blinkt dann) aktiviert haben - weitergeht. Anfänglich stehen uns 3 Leben zur Verfügung - eine Berührung mit einem Gegner oder einer Falle endet sofort tödlich - in einer netten Sequenz fliegt der Dachs dann aus dem  Bildschirm. Aber keine Sorge - es werden großzügig verteilte Extraleben - die wie springende Sterne aussehen - im Verlauf des Spieles verteilt.

Am oberen Bildschirmrand findet man neben der Anzeige der Punkte und der Leben auch eine Zahl - diese ist für die eingesammlte Anzahl von Schüssen. Die Schüsse sehen aus wie Goldmünzen und solange man die dazugehörige Waffe nicht gefunden hat, haben sie keinerlei Funktion. Ebenfalls in der Leiste findet man vieles vom eingesammelten Gut wieder - Schlüssel, aber auch Gegenstände und wie ich sie nenne - Jägermeisterembleme. Im unteren Bereich tauchen Namen der Bildschirmbereiche auf - dies kann der Orientierung dienen.

Gesteuert wird über Joystick - gesprungen wird mit Joystick nach oben und geschossen via Knopf. Der anfängliche Sprung erinnert frappierend an  den  von Monty on the Run (wie viele andere Elemente, etwa bei der Grafik und dem Aufbau auch) - sprich, der Dachs dreht sich im Sprung um seine eigene Achse, bleibt aber jederzeit kontrollierbar. Später kann man dieses Feature über eingesammelte Schuhe aufrüsten und auf einen Doppelsprung erweitern. Dann lassen sich auch zuvor unerreichbare Abschnitte erreichen - aber bis dahin liegen noch einige Aufgaben vor uns. Gleiches gilt für die Waffe - bis man diese gefunden hat, muss man um Gegner möglichst einen großen Bogen machen - später kann man entscheiden, ob man diese einfach aus dem Weg pustet. Viele hinterlassen beim Abschuss irgendwelchen Kram, der aber scheinbar nicht wirklich was bringt, außer Punkte.

Das Spiel besteht aus einem riesigen Areal an Bildschirmen (120 an der Zahl), die zusammenhängend angeordnet sind. Vom Prinzip her kann man diese nach eigenem Wunsch frei betreten - allerdings gibt es Abschnitte, zu denen erst Schlüssel oder Schalter gefunden werden müssen, um diese zu öffnen. Anfangs hindern auch zu hohe Mauern am nicht-liniaren Gameplay und drängen den Spieler so in eine bestimmte Richtung. Später ist dieses Manko natürlich nicht mehr vorhanden - aber auch mit ihm, kann man sich wunderbar in der Spielwelt verlaufen. Aber je länger man spielt, desto mehr findet man sich ein und auch zurecht. Man kann sich das in etwa so vorstellen: man nehme ein Hochhaus mit verschiedenen Etagen - die Wege nach links und rechts sind begrenzt - wer also lang genug nach oben geht, findet irgendwann wieder zum Startpunkt zurück. Sollten alle Stricke reißen, liegt dem Downloadarchiv auch eine Karte als Bilddatei vor, mit der man sich orientieren kann. Allerdings sollte man sie wirklich nur im Notfall verwenden, da sie nicht nur die Räume, sondern auch alle Gegenstände die sich darin befinden aufzeigt - damit kann man sich den Spielspaß ganz schnell kaputt machen.

Unsere Aufgabe ist also erstmal, sich mit der Steuerung vertraut zu machen (das geht recht schnell) und alles einzusacken was geht. Die Schüsse sind für später noch wichtig, Extraleben kann man immer gebrauchen, Aufrüstungsgegenstände oder Gegenstände ansich, die nützlich werden können, Schlüssel natürlich und Schalter, die wie Joysticks aussehen. Da man nur nie genau sagen kann, welcher Schlüssel und welcher Schalter was genau öffnet oder beeinflußt, muss man - falls man keine Adleraugen hat und zB. schon zuvor einen verschlossenen Bereich entdeckt hat - die Räume erneut aufsuchen und nach neuen Wegen suchen. Irgendwann werden sich neue Wege auftun und man taucht so Schrittchenweise tiefer in das Spiel ein - bis man irgendwann an einen Coins-Raum stößt, der sich als Altar entpuppt. Hier müssen 6 "Jägermeister"-Münzen platziert werden, damit sich die Grabkammer öffnet.

Kommen wir zur technischen Seite.

Die Grafik ist zwar recht schlicht - eben wie man es von der Art von Spielen kennt - zB. bestehen die Sprites nur aus einer Farbe - dafür ist alles aber sehr farbenfroh und detailreich. Die Bildschirme sind durchdacht designt worden und jeder Bereich ist abwechslungsreich und nett gestaltet. Das Zusammenspiel zwischen Gegnern, Design, Fallen und Co. ist perfekt austangiert und nie wirklich unfair. An Rohren, Büschen, usw. wechselt das Spiel in einen Greifmodus - dh. unser Dachs kann daran frei klettern, solange er sich auf dem grafischen Element befindet - weicht er davon ab, fällt er herunter - allerdings ohne davon Schaden zu nehmen. Es gibt auch Rollen, die uns in irgendwelche Richtungen transportieren - allerdings gibt es auch welche, die uns schaden können - hier gilt es, ein Gespür für die einzelnen Elemente zu erhalten um erkennen zu können, was als nächstes passieren wird. Die alles gehört aber zum regulären Gameplay und ist nach kurzer Zeit gut erlernbar.

Die Steuerung ist perfekt und pixelgenau - man kann im Sprung lenken und so zB. Höhenunterschiede dosiert ausgleichen - das ist wichtig, wenn auf normaler Höhe ein Gegner umherflattert. Auch der aufgerüstete Doppelsprung muss erlernt werden - dieser bringt zwar auch viele Vorteile, kann aber auch zum Nachteil werden, wenn man ungewollt aus dem oberen Bildschirm herausspringt um dort in dem angrenzenden an einen Gegner zu stoßen.

Die Musik kommt einem vertraut vor - sie ist ganz im Stil des großen Vorbildes angelehnt. Allerdings gibt es nur einen Song, der sich ständig wiederholt. Es dauert zwar eine gewisse Zeit, aber irgendwann hat man sich genug daran gehört - nun könnte man auf die recht passenden SoundFX wechseln und sich wieder ganz auf das Spiel konzentrieren. Das ist eh notwendig, da jeder Fehler gnadenlos bestraft würde - aber auf der anderen Seite ist das Spiel wieder gnädig, wenn es um Extraleben geht. Ich finde, dieses Spiel hat genau den richtigen Schwierigkeitslevel gefunden und benötigt daher auch keine Abstufungen. Wer sich ernsthaft damit beschäftigt, einige Male neu angefangen hat (nach dem Ableben), der wird erkennen, daß man die zuvor schon gespielten Abschnitte problemlos bewältigt und es nur zu Problemen kommt, wenn man unkonzentriert ist oder man in neue Bereiche vordringt, in denen man zuvor noch nicht gewesen ist. Dieses Prinzip wiederholt man dann eben so lange, bis man sich alle Anforderungen und Begebenheiten eingeprägt und das Spiel gemeistert hat. Auch die Größe des Spieles ist sehr gut gelungen - da man ab einem gewissen Punkt völlig frei und nichtlinear spielt, kann man es sich frei aussuchen, ob man wirklich alles Sammelgut einsackt oder nur die wirklich benötigten "Jägermeister"-Münzen und ein paar Schüsse.

Ja, schaut euch mein Video an, dann wißt ihr, was ich meine. Kurz vor Ende des Spieles kam ich nicht weiter, da ich alle Schüsse verbraten hatte um euch auf "Nummer Sicher" das Ende zeigen zu können - nichtahnend, daß man am Ende mindestens noch 3 Schüsse benötigt, sonst kommt man in der Grabkammer nicht weiter. Auf solche Überraschungen muss man hier und da gefaßt sein - ansonsten gibt es noch einige kleinere Rätsel zu lösen, etwa wie das mit dem Knochen und dem Hund ist, auf den man irgendwann stößt. Aber all das ist kein Problem, wenn man weiß, wie es geht.

Fazit

Barnsley Badger ist ein sehr durchdachtes Spiel, welches seinem großen Vorbild in nichts nach steht - es sogar noch besser macht und auch den Monty-Muffeln gefallen wird, da es sämtliche Kinderkrankheiten abgeschafft hat. Hier ist tatsächlich eine einfache Steuerung gelungen, die auch Neulingen in das Genre viel Platz und Spaß beim Ausprobieren läßt ohne gnadenlos ein Leben nach dem anderen zu verpulvern. Natürlich ist dies kein Zeichen dessen, daß es zu leicht sei - es ist schon anspruchsvoll, führt aber gewissermaßen moderat ins Gameplay ein. Man hat die Chance sich mit der Zeit zu steigern und eben genau das macht eine Menge Spaß. Auch wenn ich persönlich zunächst an ein ähnliches Gameplay wie bei Monty rechnete, wurde ich nach einigen Versuchen eines besseren belehrt. Das Spiel macht süchtig, das Spiel macht Spaß - einfach toll!

Hier wurde ein großer Klassiker einfach auf den Stand der Zeit gebracht - eine sehr gute Hommage!

Auf der berüchtigten Wertungsskala von 1 bis 10 erhält der kleine Dachs eine sehr gute 8!

Das Spiel ist neben der Downloadversion für rund 3 US-Dollar auch wieder in verschiedenen Varianten auf Disk und Tape zu erhalten. Preise zwischen 7 bis 20 britischen Pfund.

Download: https://psytronik.itch.io/barnsley-badger-c64

Disk/Tape: http://binaryzone.org/retrostore/index.php?main_page=advanced_search_result&search_in_description=1&keyword=barnsley

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Schlagworte : C-64, Test, Digital Talk

Trixter
Administration Nemesiz v4 Projekt
Aufgaben im Nemesiz: Administrator, Autor & Moderator, Übersetzung & Bugfixing
Freier Redakteur bei Special Interest Magazinen & Online-Blogs
Retro & Emulation, Alternative Computersysteme, Schwerpunkt: Spiele

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