C64 Test: "Space Trip 2086"



Montag 29 April 2019 von Trixter C64, C64 Test keine Kommentare

(Psytronik/2017)

Test der Downloadversion

Kann die kommerzielle Variante mit denen der kostenfreien Versionen Space Trip (TND/2011) und Space Trip VE (Achim/2015) mithalten und welche Änderungen/Verbesserungen gibt es? Das alles und  noch viel mehr, versuchen wir jetzt im Test zu klären... 

An Space Trip kann ich mich noch sehr gut erinnern, denn es tauchte schon damals bei den Spielen auf, die ich mir für meine ersten Arbeiten an der Digital Talk als neuer Leiter des GamesCorners näher ansah. Ein innovatives Spielprinzip, welches allerdings von der Steuerung etwas gewöhnungsbedürftig war, da man im Sprung die Richtung nicht ändern konnte und auch die Gravitation lies einen mehr schlittern als gezielt steuern. Diese Mankos behob dann Jahre später die Version mit dem VE-Zusatz und das Spielent puppte sich als wirklich spielenswerte kleine Perle, die man gerne mal hervorkramte um eine Partie zu zocken.

Die nun heute kommerziell vertriebene Version hat grafisch deutlich zugelegt und führt einige weitere Elemente in das Spiel ein. Doch bevor wir dazu kommen, klären wir noch kurz die Hintergrundsgeschichte auf. Scheinbar wurden diverse Raumfrachter von unbekannten Aliens überfallen und unsere Aufgabe ist es, diese wieder loszuwerden. Wir - als mutiger Raumfahrer - müssen nun alle Schiffe gründlichst von den Aliens befreien, ehe wir über ein Computerterminal zum nächsten Frachter dürfen.

Vor dem Laden des Spieles erfolgt eine Abfrage, ob wir einen Fastloader nutzen möchten, danach erscheint ein Menü. Über dieses können wir das Spiel laden, aber auch die Anleitung (engl.) einsehen - ist ganz nett gemacht und beinhaltet alle Elemente des Spieles in grafischer Form - oder den SID-Soundtrack anhören. Als weiterer Punkt steht das Spiel Space Trip 2085 zur Wahl - dieses Spiel ist wohl als Bonus enthalten und hat mit dem" Hauptspiel" nicht sehr viel zu tun - außer daß es ebenfalls im Weltraum spielt. Hier steuert man wie in einem Sideway-SEUCK Spiel ein Raumschiff von links nach rechts und ballert Alienwellen ab.

Nach dem Laden des Spieles erscheinen die obligatorischen Publisher-Logos, gefolgt von einem neuen Titelbild - allerdings ohne Musik. Erst wenn dieses per Feuerknopf übersprungen ist, startet das Spiel mit seinem Startscreen. Dort ist auch die Highscoreliste zu finden, die man übrigens per F-Tastendruck nicht nur laden, sondern auch speichern kann, bzw. sogar muss! Richtig gelesen, das Spiel speichert nicht selbstständig seine Highscores - hier muss der User nach der Eingabe im Menü die Taste "F3" zum Speichern drücken. Aber es kommt noch besser denn das Spiel lädt diese auch nicht automatisch wieder ein. Auch hier muss der Spieler erst eine Taste (F1) drücken, damit dies geschieht. Da frag ich mich, was das bitteschön soll - es gibt nämlich nur das eine Savefile und nicht verschiedene, von denen man wählen könnte. Gut, mehr ist an dieser Stelle nicht zu finden. Es gibt keine Speicherstände (für den Spielstand) noch Levelcodes. Beim Drücken auf Feuer erfolgt noch eine Abfrage des Schwierigkeitsgrades (3 Stufen) und schon erfolgt ein Missionsbriefingstext, danach eine Andocksequenz (wie sie nach jedem Level erscheint) und dann  beginnt auch schon das Spiel.

Wir steuern unseren Raumfahrer per Joystick, besitzen schon von Anfang an eine Knarre (die mußte in den Vorgängern erst gesucht und eingesammelt werden - auch beim Verlust eines Lebens erneut). Im unteren Bereich des Bildschirms haben wir unsere Statusanzeigen. Dort sieht man die erreichten Punkte, welche Karten man gesammelt hat, die Anzahl der Leben, den aktuellen Energiebalken, die Laseraufladestufe und zuletzt eine Anzeige für die noch zur Verfügung stehende Antigravitation. Einige Dinge sind zeitlich, andere nach deren Nutzungsdauer begrenzt verfügbar. Zur Antigravitation sei gesagt, daß man damit die Schwerkraft ausschalten und somit fliegen kann - aber stellt euch das nicht so einfach vor. Um diese zu aktivieren muss man eine bestimmte Karte eingesackt und die Funktion an einem Terminal freigeschaltet haben - was erst in späteren Leveln geschieht. Zur Laseraufladung sei gesagt, daß man zunächst eine Ladestation finden muss, dort drückt man dann den Joystick solange nach unten, bis die Energie vom Laser komplett aufgeladen ist - diese hält allerdings nicht lange und ist bei einem Lebensverlust schlagartig wieder auf den Anfangslevel geschrumpft. Das ist insofern wichtig, da man mit dem Standardlaserschuss nicht wirklich viel reißen kann. Schon sehr bald wird man auf Gegner treffen, die gefühlt hundert Schuss brauchen um abgeschossen zu werden - wenn man den Laser nicht auf volle Pulle aufgeladen hat. Sprich, ohne den vollen Laser hat man so gut wie keine Chance durch die Level zu kommen. Damit hätten wir einige Aspekte des Spieles schon beleuchtet - die Steuerung besteht also aus Lenken, Schießen und nach unten drücken - so verläßt man übrigens den Raum oder aktiviert die Terminals. Letzteres ging bei den alten Versionen direkt auf Anhieb - hier muss man die Terminals erst hacken. Manche gehen einfach so, indem man so lange nach unten drückt bis diese grün werden. Bei anderen bin ich mir nicht so sicher, ob diese erst durch eine Karte freigeschaltet werden müssen.  Manche Karten tauchen erst gar nicht in der eigenen Anzeige auf, sodaß ich vermute, daß es sich dabei entweder um Terminalkarten oder um Geldkarten handelt. Leider ist die Anleitung recht inkomplett und somit wird zumindest für mich der Punkt mit dem Geld nicht erkennbar wozu man es eigentlich braucht. Im Terminal kann man es "abheben" - wozu auch immer. Es empfiehlt sich also, alle Karten die über die Ebenen verteilt sind einzusammeln. Übrigens Ebenen - spätere Raumschiffe verfügen über mehrere, die man per Fahrstuhl erreicht, nachdem man aus der Türe herausgegangen ist. Da man ohnehin immer alle Feinde killen muss, kann man die Bildschirme - die auch nach links oder rechts scrollen können - nach einsammelbaren Gut absuchen. Manchmal findet man zB. neue Energie für sich - diese ist aber im Gegensatz zu den alten Versionen des Spieles deutlich reduziert worden. Hat man es geschafft, alle Feinde zu töten, begibt man sich zum Terminal und kann dort - wenn man die nötigen Karten gefunden hat - die Gravitation deaktivieren oder gesperrte Bereiche freischalten oder eben das Level verlassen und zu einem neuen Schiff fliegen.

Zu den Gegnern - es gibt so einige unterschiedliche Gegnertypen. Manche unterscheiden sich nicht nur von der Anzahl der Treffer, die sie brauchen um zerstört zu werden, sondern auch von ihrem Verhalten. Einige bleiben auf ihren festen Bahnen, andere gehen zum Angriff über sobald man in ihre Nähe kommt und weitere verfolgen einen regelrecht. Neben Gegnern die am Boden bleiben, gibt es auch fliegende. Allen gemein ist - kurz bevor sie den Löffel abgeben, bleiben sie stehen - in diesem Zustand können sie aber immer noch Schießen.

Kommen wir zur  technischen Seite. Die Aufmachung, dh. Grafik ist besser gelungen als bei den kostenlosen Vorgängerversionen. Die Sprites sehen vollwertiger aus, das Drumherum ist nett gestaltet worden. Auch die Levels selber sind überarbeitet worden, sodaß diese nicht einfach nur ein Abklatsch des alten Spieles sind. Das Spielprinzip hingegen ist - bis auf einige Vorhergehensweisen identisch. Man versuchte wohl noch etwas Inhalt in den Prozess zu bekommen, indem man jetzt nicht einfach nach getaner Arbeit zum Terminal laufen und das Level beenden kann. Nun muss man zB. erst noch diverse Karten finden und das Terminal hacken - eine Komponente die im Grunde eher symbolisch zu sehen ist, da man diese "Features" wie gelockte Etagen oder Antigravitation nur in bestimmten Leveln gebrauchen wird - etwa um über einen Abgrund zu fliegen.

Die Steuerung geht völlig in Ordnung - sie ist sehr präzise - vor allem wenn man sie mit denen der Vorgängerversionen vergleicht. Eingelernt hat man sich auch recht schnell. Was ich allerdings anmerken muss ist die viel zu ungenaue Kollisionsroutine, die zB. Schüsse schon als Treffer wertet, obwohl diese sich noch sichtbar ein Stück vor unserem Spielersprite befinden. Gleiches gilt auch für die Stellen im Boden, die man nicht berühren darf, da diese ansonsten Energie abziehen würden. Setzt man vorzeitig davor zum Sprung an, kann es sein, daß dennoch Energie abgezogen wird, obwohl man nichts berührt hat, sondern schon drüber gesprungen ist. Das ist insofern wichtig, da man nur in bestimmten Leveln wieder Medipacks findet um diese wieder aufzuladen. Kann also recht ärgerlich sein. Die Musik ist eingängig und die SoundFX´s sind passend und beides wird gleichzeitig abgespielt - sehr schön.

Einen kleinen Bug habe ich auch gefunden - wenn man längere Zeit an einer Stelle schießend herumläuft, tauchen irgendwann "weiße" Flächen im Hintergrund auf. Ist zwar nichts weltbewegendes, aber sicher auch nicht im Sinne der Entwickler. (siehe hierzu das Angespielt-Video auf meinem YouTube-Kanal)

Bis hier also ein grundsolides Spiel mit kleineren Ecken und Kanten. Kommen wir zum Gamplay. Das Spielprinzip ist zwar immer noch sehr innovativ, aber halt auch ziemlich schwer - selbst auf der niedrigsten Stufe. Die Vorgängerversionen hatten keinen einstellbaren Schwierigkeitsgrad - dieser war schon knackig, aber auch fair da man alle Nase lang Energie und auch Ladestationen für den Laser vorfand. Das ist hier leider ein wenig anders. Sprich - verliert man ein Leben, verliert man auch den Ladezustand des Lasers und ohne volle Power wird man nicht sehr weit kommen. Selbst wenn man kein Leben verliert, sucht man noch lange Zeit vergeblich nach Ladestationen. Das läßt das Spiel unwahrscheinlich schwer werden - hier wurde eindeutig die Balance zugunsten einer besseren Aufmachung vernachlässigt, was bei normalen Spielern spätestens ab Level 2 übel aufstoßen wird. Soviel Glück wird kein Mensch haben, da man später ständig mit schwer zu treffenden - die auch ne Menge aushalten - Gegner zu tun haben wird, die teilweise im ganzen Rudel erscheinen oder einen in die Zange nehmen und verfolgen. Bei solchen "ich weiche springend aus"-Kämpfen verliert man die meiste Energie. Es mag vielleicht Leute geben, denen ein Spiel nicht hart genug sein kann und die eine richtige Herausforderung suchen - die könnten mit dem Spiel ihren Lieblingstitel gefunden haben (am besten noch auf dem schwierigsten Grad, wo die Gegner noch mehr Schießen und noch mehr aushalten) - aber für normale Spieler ist das nicht wirklich ein Spiel, welches sie gerne längere Zeit spielen - es wird ja auch nicht gerade leichter. Mir ist es nicht gelungen, bis zum obligatorischen Obermotz vorzudringen. Somit werden nur die Wenigsten bis Frachter 3 oder 4 vorstoßen (später ändern sich die Hintergrundfarben - soviel konnte ich noch herausfinden) und  sehr schnell die Lust verlieren. Zumal es ja keine Levelcodes oder Speicherstände gibt, darf man immer wieder von vorne anfangen. Übrigens wird man erst ab einer gewissen Punktzahl auf die letzten Plätze der Highscore landen - ich meine erst nach Level 4. Somit werden auch nur die Wenigsten einen Eintrag erreichen. Das alles drückt auf die Motivation, da die Aussicht, daß alles noch schwerer werden wird, keinen Ansporn aussendet, es mehr als ein paar Male zu probieren - spätestens wenn man immer wieder in einem bestimmten Level den Löffel abgibt, packt man den Titel schnell  wieder in eine Ecke. Also, hier wäre nicht ein leichterer Schwierigkeitsgrad angebracht, sondern eine Überarbeitung der Stellen wo man seinen Laser aufladen kann. Ich finde das sehr schade, da das Spiel vom Prinzip her sehr viel Spaß macht, das Gameplay neu ist und dann durch diese Patzer vieles zunichte macht.

Empfehlen kann ich es daher tatsächlich nur den absoluten Profispielern, die eine beinharte Herausforderung suchen, die sie wochenlang auf Granit beißen läßt - allen anderen empfehle ich einen Blick auf die - vom Schwierigkeitsgrad her - moderatere Space Trip VE-Version, welche zudem kostenlos ist. https://csdb.dk/release/?id=140076

Space Trip 2086 erhält auf der Skala von 1 bis 10 eine gute 6.

Erhältlich ist die Downloadversion für 3 US-Dollar bei itch.io.
https://psytronik.itch.io/space-trip-2086

Natürlich bietet Psytronik auch die üblichen physischen Varianten auf Disk und Tape an - zu Preisen zwischen 7 bis 14 britischen Pfund.

http://binaryzone.org/retrostore/index.php?main_page=advanced_search_result&search_in_description=1&keyword=2086

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Dieser Artikel wurde vor 1 Jahr(en) , 5 Monat(en) und 28 Tag(en) veröffentlicht, es ist also möglich, dass der Inhalt inzwischen nicht mehr aktuell ist.

Schlagworte : C-64, Test, Digital Talk

Trixter
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