C64 Test: "Bear Beware / Sleepwalker"



Montag 29 April 2019 von Trixter C64, C64 Test keine Kommentare

(Psytronik/2018)

Test der Downloadversion "Bear Beware"

Wenn sich nach 30 Jahren der Macher von Spielen wie Kane (1+2), Dragon´s Lair, Escape from Singes Castle, Star Paws und Jet Set Willy 2 mit einem neuen Spiel auf dem Brotkasten zurückmeldet, darf man nicht nur gespannt sein, sondern auch einiges erwarten!

Aber kann Bear Beware die hohen Erwartungen auch erfüllen, die John Darnell mit seinen anderen Werken messlattentechnisch aufgestellt hat?

Zunächst einmal muss man wissen, daß es kein wirklich neues Spiel ist. Die Idee hatte er wohl schon 1984 - da sollte es noch unter dem Namen Sleepwalker das Licht der Welt erblicken. Die Entwicklung wurde allerdings eingestellt und der Plan verschwand in der Mottenkiste der Zeit. Andersrum muss man dem Teil zugestehen, daß es frappierend an ein tatsächlich erschienenes Spiel mit dem selben Namen erinnert - Sleepwalker von Ocean (1993) - zumindest was das Spielprinzip angeht. Ob  John hierbei als Ideengeber Pate stand, konnte nicht ermittelt werden - ebenso der Grund für die Aufgabe seines eigenen Projektes. John entschied sich, seine Idee nun unter einem neuen Namen komplett neu umzusetzen und geboren war Bear Beware.

Hier muss sich ein "grüner" Sicherheitsbär um einen Teddybären kümmern, welcher nachts schlafwandelnd über einen Vergnügungspark wandert und ihn davor bewahren, daß er sich dabei verletzt oder gar umbringt. Natürlich übernimmt der Spieler die Rolle des Ordnungshüters, der den Bär sicher durch die Level bishin zu seinem Bett geleiten muss.

Nach dem Starten erscheint eine Nachfrage, ob man einen Turboloader zum Nachladen des Spieles einschalten möchte. Danach erscheint ein nettes Ladebild samt eingängiger Musik während des Ladeprozesses. Ist das Spiel fertig, erhält man eine Info, daß man es mit der Space-Taste starten kann. Nun ist man im Menü und kann einige Informationen lesen, die Tastenfunktionen sehen, ebenso die höchste Tagesscore. Einen Tutorialmodus gibt es ebenfalls - wozu dieser allerdings eine eigene Aufruftaste braucht, ist mir ein Rätsel, da dieser bei jedem neuen Spielstart ohnehin per Feuerknopfdruck erscheint. In diesem Tutorial erfährt man die wichtigsten Grundfunktionen des Spieles. Leider kann man ihn nicht überspringen (auch wenn es eine Taste zum Beenden gibt) - sodaß man ihn stets bis zum Ende durchgehen muss. Die hier aufgezeigten Dinge müssen allerdings nicht "durchgespielt", bzw. nachgemacht werden - Spieler die diese schon kennen, können das Ganze also (dennoch umständlich) via N-Taste vorspulen. Danach gelangt man wieder ins Menü und erst dann startet ein Druck auf den Feuerknopf das eigentliche Spiel. Zumindest meistens. Bei meinen ersten Testversuchen landete ich zwar im Spiel, aber es gab keine Gegner, keine Elemente, keine Texte, keine Uhr. Man konnte es auch nicht starten - die Spielersprites blieben eingefroren am Startpunkt stehen - also Reset. Womit dies zusammenhing (evtl. der Fastloader?) konnte ich nicht ermitteln - ich konnte den Fehler auch nicht nachproduzieren - aber das nur als Info am Rande, denn man wird immer mal wieder im Spiel auf kleinere Bugs stoßen.

Hat es geklappt, wird man im unteren Bildschirmbereich eine Uhr entdecken (ja die Level müssen innerhalb einer bestimmten Zeit absolviert werden), den Namen des Screens und "Press Fire to Continue" - links und rechts sehen wir die Abbilder unserer Protagonisten mit einem grünen Balken - das ist die Energie des jeweiligen Bären. Diese sollte nicht auf Null fallen, da sonst ein Leben verloren wird. Im oberen Bereich des Screens sieht man einen kleinen Einblick in das Level. Anfänglich beschränkt sich das Spiel auf einen Bildschirm - später wird sich das Geschehen auf viele weitere ausdehnen. Manche Elemente sind auch nicht direkt sichtbar, sodaß man nicht damit planen kann, daß das was man sieht schon die komplette Herausforderung des Levels ist und sich somit schon Gedanken zu dessen Lösung machen kann. Die volle Pracht erscheint erst beim tatsächlichen Spielstart. Sobald dieser startet, läuft der braune Bär drauf los - ungeachtet was vor ihm im Level passiert. Sobald wir in seine Nähe kommen, ändert der Bär seine Richtung - so können wir ihn in die gewünschte Richtung bringen. Falls nötig, können wir ihn auch stoppen indem wir in seinem "Dunstkreis" den Joystick nach unten drücken. Wiederholen wir den Vorgang, setzt er sich wieder in Bewegung. Wir selber können mit dem Feuerknopf springen, aber auch den kleinen Bären aufnehmen (Runter und Feuerknopf) - auch mit dem Bären Huckepack springen, zB. um ihn über Hindernisse zu bringen - und natürlich auch wieder absetzen. Rampen ändern ihre Form - erst wenn wir uns auf sie stellen, bleiben sie stabil. Nur auf Fahrstühle haben wir keinerlei Einfluss - diese zeigen durch Blinken an, daß sie hoch oder herunterfahren werden. Das Problem hierbei ist nur, daß der braune Bär auf manchen Elementen (wie etwa Fahrstühle) nicht zum Stehenbleiben  gebracht werden kann. Dh. um einen Fahrstuhl zu benutzen, muss man ihn sich schnappen und mit ihm zusammen benutzen. Würde er zB. durch Zufall auf einen fahrenden Fahrstuhl geraten und von weiter oben herunterfallen, nagt der Sturz beträchtlich an seinem Energievorat. Das gilt es zu verhindern - ebenso darf keiner der Bären an Gegner kommen - stirbt einer von beiden, ist das Level verloren.

Eine Eigenheit habe ich noch unterschlagen - sitzt uns der kleine Bär im Nacken verlieren wir ebenfalls Energie. Dh. daß wir den kleinen Kerl nicht dauerhaft tragen können - das würde das Spiel auch zu vereinfachen. Gottlob gibt es bestimmte Flächen im Level, wo wir unsere Energievorräte wieder aufladen können. Sprich - wenn man nicht zu viele Fehler macht, sollte Energie eigentlich nicht ein Problem darstellen. All diese Dinge lernt man recht schnell, wenn man einmal mit dem Spielen begonnen hat. Hat man den Bär zum Bett gebracht, gilt der Level als geschafft und der nächste beginnt. Verliert man (oder der Bär) ein Leben, wäre das Spiel vorbei (ja, man hat tatsächlich nur einen einzigen Versuch!), aber man kann bei der Abfrage, ob man ein Freileben erhalten möchte, zustimmen - dann setzt man den Level weiter fort, allerdings werden ab dem Zeitpunkt keine Punkte mehr gezählt. In diesem Modus sollte man das Spiel so weit man kommt, weiterspielen um sich die Begebenheiten für den "richtigen" Versuch einzuprägen. Nützlich ist in dem Zusammenhang übrigens die rechte untere Anzeige - ja, die der Energieanzeige des kleinen Bären. In Mehrbildleveln zeigt diese die Position des Bettes an - aber auch die des kleinen Bären, wenn man diesen noch nicht gefunden hat. Am Rand tauchen so vertikale oder horizontale (auch gerne mal gleichzeitig) Laufbalken mit Pfeilen auf, die genau anzeigen, wo sich die angezeigten Dinge befinden. Dies hilft ungemein bei der Orientierung! Leider wird auf dieses Feature nicht in der Anleitung eingegangen - dies habe ich, wie das Meiste andere auch, mit der Zeit beim Spielen herausgefunden.

Kommen wir zur technischen Seite. Grafisch ist das Spiel recht schlicht und einfach gehalten. Der Aufbau erinnert an Spiele wie Jet Set Willy, aber das ist bei der Art von Spiel eher zweitrangig - die Grafik ist farbenfroh, aber halt sehr wiederholend. Am Besten sehen noch die Sprites aus - also die Bären, die Gegner, die Fahrstühle und das Bett. Beim Rest kann man eher von einem grafischen Mischmasch aus Zeichensatz sprechen, welcher allerdings teilweise animiert ist - sprich, es bewegt sich an allen Ecken und Kanten - das sieht zwar irgendwie interessant aus, kann aber die eigentliche "Hässlichkeit" der Elemente nicht übertünchen. Aber das ist - wie schon gesagt - total egal, da das Spiel keinen Schönheitswettbewerb gewinnen muss, sondern anständige Kopfnüsse verteilen soll.

Der Aufbau der Level ist gut durchdacht und nach einiger Knobelzeit (je nachdem welches  Level man zwischen hat) zu knacken. Wirklich fiese oder unfaire Stellen habe ich bei meinem Test (so weit wie ich kam) nicht ausmachen können - vielmehr kränkelt es hier und da an anderem - der Bugs. So kann sich der kleine Bär auch mal zwischen dem Aufbau verfangen, in der Luft schweben oder andere unerwartete Dinge tun, am Bett vorbei latschen und in der Wand steckenbleiben. Meist genügt es, einfach aus dem Bild (wenn es sich um ein Mehrbildlevel handelt) zu gehen, meist ist bei der Rückkehr dann der Fehler verschwunden. Oder man resettet den Level, wenn es gar nicht anders mehr gehen sollte. Diese Dinge sind nicht optimal und dürften eigentlich nicht mehr in der finalen Version auftreten, aber sie legen (meist) nicht das Spiel lahm oder bringen es zum Absturz. Verschmerzbar.

Die Steuerung geht voll in Ordnung, sie ist präzise und geht schnell von der Hand - es gibt ja eh nicht sehr viele Funktionen. Sound habe ich keinen vorgefunden, noch eine Funktion, diesen zu aktivieren und anstelle der "düdeligen" Musik zu verwenden. Diese scheint immer der selbe Jahrmarktsdudelsong zu sein - und dieser wird mit der Zeit nicht nur langweilig, sondern wirklich nervig - hier hilft nur den Ton am Fernseher abzustellen. Die Level scheinen aus mehreren Abschnitten zu bestehen und spielen deshalb auch erneut in vielen Bereichen, die man zuvor schon gespielt hat - nur die Begebenheiten sind etwas anders - also wo der Bär startet, der kleine Bär sich aufhält und wo das Bett ist. Was ich nicht gerafft habe, sind die kleinen weiteren Bärchen in der Grafik bei der Energieanzeige. Eigene Leben können es keine sein, da das Spiel nach dem Verlust ja meist direkt vorbei ist - in späteren Leveln hat man interessanterweise manchmal mehr. Hin und wieder verändern sie sich, nehmen ab, werden mehr und ändern auch mal die Farbe. Hab da echt keinen Plan um was es sich da genau handelt - eine ausführlichere Anleitung hätte ich mir hier gewünscht. Aber da der Kram keinerlei Auswirkungen auf´s Gameplay hat, kann´s auch nicht so wichtig sein.

Kommen wir zum Fazit.

Bear Beware ist ein interessantes Spiel für Knobelfreunde, die sich nicht an der schlichten Grafik stören und mehr Wert auf´s Gameplay legen. Leider wird dieses aber durch zahlreiche Bugs ein klein wenig getrübt. Nichts schlimmes, aber es kann bedeuten, daß man einen Level wiederholen darf, weil irgendwas klemmt oder festhängt. Dieser Umstand drückt ein wenig die Bewertungsnote nach unten, denn all der Kram hätte im Betatest gefunden werden müssen - meiner Meinung nach - aber das ist man von Psytronik-Spielen eigentlich schon gewohnt, daß hier und  da noch was klemmen kann. Was ebenso schade ist, daß es keine Optionen zum Ausschalten der Musik gibt, die nach kurzer Zeit einfach nur noch nervt. Eine speicherbare Highscore sucht man ebenso vergeblich wie Levelcodes oder eine Speicherfunktion - man darf stets das gesamte Spiel von vorne spielen, um etwa an einem Level weiterspielen zu können, wo man zuvor ausgestiegen ist - auch das können Softwareentwickler von heute deutlich besser - keine Ahnung ob der Programmierer John dies mit Absicht an Spielen der 80er Jahre festgemacht hat - hier wäre ein wenig mehr auch tatsächlich mehr gewesen - dieser Umstand bringt ebenfalls Punkteabzug.

Totaler Unsinn ist in meinen Augen auch, daß man das Tutorial bei jedem neuen Laden und Starten des Spieles erneut durchleiden muss und es nicht abbrechen oder überspringen kann. Was hat man sich dabei nur gedacht? Wieder ein Pünktchen weniger.

Wie ihr merkt, ist dieses Spiel ohnehin nur für eine bestimmte Spielergruppe gedacht - und die erhalten mit diesem Spiel einen neuen Vertreter von Knobelspielen, welches durchaus interessant ist und auch Spaß macht. Wer sich darauf einläßt erhält einige Stunden Knobelspaß - auch wenn meine Bewertung aufgrund der diversen Patzer etwas niedriger ausfallen muss, so sollten sich Actionknobelfreunde nicht von einem Kauf abhalten lassen!

Die Downloadversion liegt preislich bei 3 US-Dollar und das ist es auf jeden Fall auch wert. Natürlich gibt es zudem Varianten auf Datasette und Diskette, die dann allerdings zu den gewohnten Preisen zwischen 7 bis 20 britischen Pfund zu Buche schlagen - hier einfach blindlings zuschlagen, würde ich persönlich allerdings überdenken. Und warum das Spiel bei Psytronik im Shop dann auch noch "Sleepwalker" heißt, anstatt "Bear Beware", das wissen nur die Götter - ich vermute mal, daß dies der angedachte Titel war, der später dann (wer weiß warum? Namensrechte? Verwechslungsgefahr?) geändert wurde,  zu dem Zeitpunkt aber schon alle Printsachen auf dem alten Namen produziert wurden? Hm...Wie auch immer.

Bear Beware erhält auf unserer berüchtigten Bewertungsskala von 1 bis 10 eine solide 6.

Es wäre durchaus mehr drin gewesen, gäbe es nicht all die lustigen kleinen Bugs.

Willkommen zurück auf dem CEVI John, bitte beim nächsten Mal mehr auf die Feinheiten und Psytronik mehr auf die Endkontrolle samt Behebung der gefundenen Fehlerchen achten, danke!

Es folgen die Links.

Downloadversion:
https://psytronik.itch.io/bearbeware-c64

Disk und Kassettenversion:
http://binaryzone.org/retrostore/index.php?main_page=advanced_search_result&search_in_description=1&keyword=sleepwalker

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Schlagworte : C-64, Test, Digital Talk

Trixter
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Freier Redakteur bei Special Interest Magazinen & Online-Blogs
Retro & Emulation, Alternative Computersysteme, Schwerpunkt: Spiele

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