C64 Test: "Hunter´s Moon Remastered" - Modulversion



Montag 29 April 2019 von Trixter C64, C64 Test keine Kommentare

(Thalamus/2018)

Test der Downloadversion

Mit diesem stark aufgemotzten Titel aus dem Jahr 1987 meldet sich - nach einer erfolgreichen Kickstarterkampagne - der originale Publisher Thalamus auf dem C64-Sektor zurück.

Naja, ob es sich dabei tatsächlich um den "alten" Publisher handelt, kann nur spekuliert werden, da sich dieser 1993 auflöste - vermutlich ist es eher so, daß sich "irgendwer" den selben Namen verpaßt hat und durch gute Beziehungen einige Spielerechte sichern konnte - wenn ihr dazu näheres wißt, meldet euch einfach mal zu Wort.

Wie auch immer - im Kern haben wir es mit dem selben Spiel zu tun, wie damals auch schon - einem etwas anderen Weltraumshooter im Wabendesign, aber dazu gehe ich später noch näher ein. Was direkt ins Auge fällt ist, daß es das Spiel nur als Modulversion (vertrieben über Protovision) und als Downloadvariante für Emulatoren gibt. Die Nutzung einer Ultimate, Easyflash oder andere Hardware, die eigentlich mit Modulfiles (CRT) umgehen können, werden nicht unterstützt, da das Spiel als BIN und EEP - also einer Kombination aus Daten und Eepromimage ausgeliefert wird. In einem der Downloadpakete sogar mit einem vollständigen VICE-Emulator samt BATCH-Datei zum Doppelklicken zwecks Start auf dem PC. DJSid hat aber zwischenzeitlich eine Möglichkeit gefunden, das Spiel dennoch umzupatchen, sodaß es nun eben doch wieder auf den oben genannten Gerätschaften läuft - allerdings  ist diese Lösung von mir/uns nicht ausgiebig getestet worden, daher kann keine 100 prozentige Garantie auf deren Lauffähigkeit für jede Hardware gegeben werden. Wer sich dafür interessiert, findet am Ende des Tests weitere Infos.

Aber warum in alles in der Welt ist nun auf einmal ein Modul Pflicht? Das hat mit den exzessiven Intro und Outro-Sequenzen zu tun, die tatsächlich sowas wie Amigaintro-Feeling aufkommen lassen. Diese sind zwar immer noch recht pixlig, bieten aber dennoch sehr viele Details und laufen super flüssig ab. Damit startet auch das Spiel nach dem obligatorischen Thalamus-Logo. Neben einigen Infotexten laufen hier im Wechsel Filmsequenzen ab, die man in der Art noch nicht auf seinem 64kbyter bestaunen durfte. Bevor ich weiter im Text gehe, grätsche ich an dieser Stelle mal ein und empfehle die Umstellung der Sprache in Deutsch. Diese Funktion findet ihr etwas umständlich in einem Untermenü, an welches ihr nur dann geratet, wenn ihr beim Einschalten (oder Resetten) des Spieles die "Commodore"-Taste drückt! Hierüber kommt man noch an viele weitere Features des Spieles - etwa zum inte grierten Leveleditor, den Trainermodus oder die Originalversion aus Anno 1987. Das aber nur als Infoeinschub, damit ihr schon beim ersten Starten das Spiel komplett in deutscher Sprache genießen könnt!

Nach dem stimmungsvollen Intro kommt man in den Titelscreen des Spieles. Ohne den Druck auf den Feuerknopf werden abwechselnd die Highscoreliste und ein kleines Ingamedemo des Gameplays abgespult. Drückt man den Feuerknopf erscheint ein Menü aus dem man entweder ein neues Spiel starten oder ein zuvor gespieltes Spiel weiterspielen kann. Das Spiel speichert seinen Fortschritt nämlich automatisch ohne das Zutun des Spielers - das ist praktisch. Starten wir ein neues Spiel, befinden wir uns nach einem "Fertig machen" Hinweis auch schon direkt im Geschehen.

Der Spieler steuert ein Raumschiff  aus der Draufsicht - man kann sich in alle Richtungen frei drehen - erst längeres Halten in eine Richtung läßt uns in diese fliegen - und das mit "Verzögerung", dh. je länger man drückt, desto schneller wird man. Läßt man los, bleibt man nach kurzer Zeit wieder stehen. Das klingt erst mal recht normal, ist aber in der Praxis dennoch erst zu erlernen, damit man das Ding präzise steuern kann. Dies geht aber recht schnell von Statten. Natürlich können wir auch Schießen - allerdings hat dies hier die Eigenheit, daß die zerstörten Elemente meist erneut aufgebaut werden - und das in einer enormen Geschwindigkeit. Soll heißen - wir starten das Spiel innerhalb eines Gebildes, welches hier als "Hive" bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um Städte, die durch einen Wächter beschützt werden, der den Hive umrundet und alle Beschädigungen wieder flickt und auch schießen kann. Natürlich gibt es noch weitere Wächtertypen - einige Gebilde sind zB. nur durch mehrere Schüsse zu durchdringen, andere können gar nicht zerstört werden, usw.. Wir müssen uns also als erstes aus dem Ding befreien und sicher ins Freie fliegen. Nun halten wir Ausschau nach "komisch flimmernden" Gebilden, welche wir einsammeln müssen. Diese Dinger sind "Navigationsdaten" und wir müssen alle in einem Level aufsammeln um diesen erfolgreich zu beenden. Diese Daten sollen uns auf den Weg zurück zur Erde bringen - das ist das Ziel des  Spieles.

Werfen wir einen Blick auf die Anzeigen am oberen und unteren Bildschirmrand. Oben ist die aktuelle Punktzahl, sowie die des höchsten Highscore-Eintrages zu finden, unten ein Textfeld, welches zB. über den Demomodus oder Koordinaten informiert, daneben ein Counter der für verschiedene Infos steht, dann folgt die Levelnummer, dann ein Radar, welches die einzusammelnden Gebilde als weiße Punkte darstellt, es folgen die Anzahl der "Permaschilde" und die der vorhandenen Leben. Die verschiedenen Counteranzeigen sind - P für Pause - R/C/T - diverse Antriebe, Counter für "Sternenzellen" und im Bonusspiel für die noch verbleibenden Gegner. Zu den Sternenzellen sei gesagt, daß man beim Start eines jeden neuen Levels 8 Sekunden Zeit hat, ein bestimmtes blinkendes Gebilde einzusammeln. Sammelt man 4 davon ein, erhält man eine "Loopspace-Koordinate" und erreicht den Bonuslevel - dieser wird aber auch dann erreicht, wenn  man alle Levels eines Abschnitts durchgespielt hat.

Und so ballern wir uns (meist) durch die Gebilde, die den einsammelbaren Kram enthalten und sammeln diesen auf um das Level zu beenden. Weichen dabei den Hives aus, denn deren Berührung endet tötlich - gleiches gilt auch für die Schüsse der Gegner. Allerdings - und das ist noch besser versteckt als das anfängliche Bootmenü - können wir uns vor den Schüssen schützen, indem wir unser Permaschild aktivieren. Wie das geht? Zunächst gehen wir mit "Run/Stop" in den Pausenmodus, hier bewegen wir den Joystick in irgendeine Richtung - ein Untermenü erscheint, aus dem wir auch noch anderen Kram einstellen können. Etwa die Antriebstypen (Engines), die je nach Auswahl schnelleres, ausgewogenes oder langsames Gameplay bieten (das Spiel startet auf der langsamsten Stufe). Hier können wir unserem Flieger auch eine neue Lackierung verpassen oder die Schilde aktivieren. Diese können allerdings nicht mehr deaktiviert werden, sie schützen nur vor den Schüssen (Sporen), nicht aber den Gebilden. Dh. die Schilde sind so lange aktiv, bis diese komplett aufgebraucht sind (wir starten mit 255 Einheiten) oder ein Leben verloren wird. Auch gibt es hier einen "Freiflugmodus", welcher aber scheinbar nur für die grafischen Effekte auf dem Screen sorgt. Das Zurückkehren ins Spiel geschieht über den ersten Eintrag "Pilot 1" ganz oben mit dem Feuerknopf.

Hat man ein Level geschafft, kommt man in einen Statusscreen, aus dem man das nächste Level erreichen kann. Hat man ein System komplett geschafft, kommt man in einen Bonuslevel in dem man alle Wächter ausschalten muss. Dafür erhält man dann ein neues Leben - das Maximum an Leben ist hier übrigens ebenfalls 255 Stück. (im Spiel insgesamt) Danach erreicht man das nächste System mit weiteren Leveln und seinen neuen Begebenheiten. Man trifft auf ständig neue Aufgaben, neue Wächter, neue Gebilde - aber der Kern des Gameplays bleibt natürlich immer gleich. Insgesamt erstreckt es sich auf über 180 Leveln! Davon 50 neue und über 5 neue Sternensysteme verteilt - im Gegensatz zum Originalspiel.

Die Grafik ist zwar recht schlicht gehalten, teilweise in immer den gleichen Farben - dafür sind die Gebilde nett animiert, das Gameplay ist flott und teilweise ist ordentlich was los auf dem Screen.  Zwischen Musik und SFX kann auf Wunsch (über eine Taste) geswitcht werden - standardmäßig ertönen die SFX im Spiel. Im Titelbild kann (ebenfalls über Tasten)  der 2-Spielermodus aktiviert werden, die Sternendarstellung verändert und sogar eine zufällige Levelauswahl aktiviert werden. Manche Dinge sind nur durch das Lesen der Anleitung erreichbar - wie etwa die diversen Untermenüs - aber insgesamt gesehen, ist die Optionsvielfalt und die Funktionen ansich schon sehr bemerkenswert umfangreich ausgefallen - so etwas habe ich auf dem CEVI in der Art noch nicht gesehen, gleiches gilt auch für die Filmsequenzen, mit dem das Spiel aufwartet.

Das Gameplay ist außergewöhnlich anders als man es von einem normalen Weltraumshooter erwartet. Im Grunde sammelt man in einem Level eine bestimmte Anzahl von blinkenden Gebilden ein, muss sich seinen Weg aber erst freischießen und auf Gegner und deren Schüsse  achten. Daß sich die Gebilde neu aufbauen, ist ein neuer Faktor der auch taktisch berücksichtig werden muss, möchte man erfolgreich sein. Es spielt sich anders als man denkt - man muss sich darauf einlassen, sich daran gewöhnen und anpassen. Da das Raumschiff "nachschlittert" beim Loslassen des Joysticks und beim Beschleunigen in verschiedenen Geschwindigkeitsstufen losdüst, gerät man sehr schnell in Richtung Kontrollverlust - der Effekt wird durch das stufenlose Drehen um die eigene Achse noch verstärkt. Bei richtig hohem Speed - den wohl nur Geübte mit Nerven wie Stahlseile und sehr guten Reflexen bewältigen können - kann man sogar durch die Gegend driften. Der Normalspieler könnte aber anfangs schon mit dem normalen Spielen überfordert sein. Jede Spielsitzung läuft anders ab, man kann nur die groben Vorgaben einrechnen, nie aber das Verhalten der Gegner und deren Schüsse. Kurzum - ein sehr forderndes und schweres Spiel, welches aber durch das automatische Speichern dem Spieler entgegen kommt. Dieser kann, wenn er nicht mehr weiterkommt und mag, das Spiel einfach unterbrechen und später weiterspielen. Bis zu 3 verschiedene Saveslots stehen ihm dabei zur Verfügung (über das Bootmenü) - so kann auch mal ein Kumpel ein Spiel wagen ohne die eigenen Erfolge zu vernichten. Eine sehr gute Idee!

Die Musik ist eine nette Untermalung und die Soundeffekte passen wie die Faust aufs Auge - hier gibt es rein gar nichts zu meckern. Die Steuerung ist schwammig, aber das liegt wohl in erster Linie mit der eingestellten Antriebsstufe zusammen und stellt wohl ein Element des Spieles dar, an das man sich erst gewöhnen muss. Man kann sich also nie wirklich sicher sein, seinen Raumer immer und überall perfekt unter Kontrolle zu behalten - da einem aber anfangs großzügige 6 Leben spendiert werden, wird man ein Level wohl irgendwann auch einmal erfolgreich abschließen können. Egal ob man nun durch Zufall, einen Treffer, einen Crash oder falsches Lenken ein Leben verliert, irgendwie fällt hier der Fehlschlag nicht so ins Gewicht wie bei anderen Spielen. Es ist eine Herausforderung die man sich gerne stellt. Man lacht eher, als sich darüber zu ärgern - jedenfalls erging es mir so.

Fazit

Ein sehr umfangreiches Spiel mit etlichen Funktionen in opulenter Aufmachung erwartet den Spieler. Das Gameplay ist fordernd, aber auch fesselnd. Man kann viiiiele Stunden mit dem Spiel verbringen ohne daß es langweilig wird - auch die Langzeitmotivation ist aufgrund der vielen Möglichkeiten sehr hoch. Allerdings richtet es sich an eine ganz spezielle Spielergruppe - taktische Weltraumballerei mit superschnellen Reflexen dürfte nicht jedem schmecken - daher empfiehlt es sich, daß Spieler, die das Spiel noch nicht kennen, erst einmal einen Blick auf das Originalspiel von 1987 werfen, welches auf den einschlägigen Spieleseiten und Datenbanken (ja, auch CSDb) gratis herunterzuladen ist. Schaut euch das Spielprinzip näher an und entscheidet dann, ob es euch wert ist, rund 13 US-Dollar zu investieren. Derzeit ist nur die Downloadversion verfügbar. Die Modulversion soll zu einem späteren Zeitpunkt bei Protovision  erscheinen. Offiziell wird die Downloadversion nur für den Emulator VICE verkauft - die Verwendung am echten C64 ist vom Hersteller nicht vorgesehen. Ob man damit alle CEVI-Fans zum Kauf der Modulversion bringen möchte, ist eine Frage, über die man nur spekulieren kann. Allerdings gibt es einen Patch, der aus den Downloaddaten eine "CRT"-Datei macht, die auf den Systemen MistFPGA, TurboChameleon64, 1541Ultimate 2/2+, Ultimate64 und Easyflash/3 läuft. Dabei sollen alle Features des Spiels erhalten bleiben, plus einige mehr hinzugekommen sein - etwa der erweiterte Trainermodus mit Levelskip und Unverwundbarkeit oder der Saveslotmanager mit dem man seine Spielstände auf Disk saven und wieder laden kann.

https://csdb.dk/release/?id=167066

Erst der inoffizielle Hack läßt das Spiel zum jetzigen Zeitpunkt interessant für uns werden - allerdings behalten wir uns vor, das Spiel erst dann in unsere "Spiel des Jahres" Ermittlungen aufzunehmen, wenn es tatsächlich auf Modul erschienen ist. Wer nicht so lange warten will, kann also jetzt schon zuschlagen, darf sich aber dann nicht beschweren, falls es, aus welchen Gründen auch immer, nicht richtig auf seiner bevorzugten Hardwareerweiterung läuft. Behaltet das im Kopf, daß diese Dinge offiziell nicht unterstützt werden, daher gibt es auch keinen Support. Wer ohnehin am Emulator zockt, dem kann das natürlich freilich egal sein.  

Hunter´s Moon Remastered erhält auf unserer berüchtigten Bewertungsskala 8 von möglichen 10 Punkten.

Es ist einfach der Wahnsinn, was man aus dem Spiel gemacht hat. Zwar sind die Filmsequenzen nicht essentiell wichtig für das Spiel, aber sie sehen halt so genial aus, daß man sie sich immer wieder gerne ansieht. Weitere Pluspunkte sind neben den neuen Leveln und Systemen natürlich die zahlreichen und nützlichen Optionen und Funktionen, die das Gameplay bis zum Maximum aufwerten. Ja, es ist nicht einfach - aber es liefert stundenlangen Spielspaß, der für lange Zeit anhält und einen dazu auffordert, unbedingt noch ein Level zu spielen und noch eins und noch eins. Es ist schwer zu beschreiben, aber das Teil hat was. Thalamus hat sich mit einem Hammer wieder aus dem Reich der Toten zurückgemeldet und man darf hoffen, daß dies keine Eintagsfliege war - Spiele in der Art dürften gerne weiterhin erscheinen - die Latte wurde hiermit ziemlich hoch gelegt. In dem Spielegenre ist dies die ungeschlagene Referenz! Also, schaut euch die alte Version an, schaut euch unser Video und den Livestream an und dann entscheidet, ob ihr das verpassen wollt.

https://thalamusdigital.itch.io/hunters-moon-remastered

Zum Abschluss noch ein Wort zum Leveleditor. Darüber könnt ihr 9 weitere eigene Level erstellen. Diese Funktion wird wohl nur für die Wenigsten interessant sein.

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Schlagworte : C-64, Test, Digital Talk

Trixter
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Freier Redakteur bei Special Interest Magazinen & Online-Blogs
Retro & Emulation, Alternative Computersysteme, Schwerpunkt: Spiele

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