C64 Test: "Argus"



Montag 24 Dezember 2018 von Trixter C64, C64 Test keine Kommentare

(Psytronik/2017)

Test der Downloadversion

Argus wird als "atemberaubendes" Rollenspieladventure in 1500 Bildschirmen beworben, bei dem der Spieler im Lande Argus das entführte Sternenkind befreien soll.

Nach dem Laden erscheint eine kleine Einleitung mit scrollendem englischen Text, begleitet von einer nett animierten Figur samt Kerze in wenigen Farben - im Grunde ist die gesamte Grafik recht blautönig geraten, aber ganz okay. Hier ist mir folgendes aufgefallen - vor dem Intro wird ein Einleitungsbild eingeblendet, welches per Druck auf den Feuerknopf verschwindet - auch das Intro läßt sich so überspringen. Bei meinem Test ist es mehrfach passiert, das das Überspringen des Bildes sich auch auf das Intro übertrug, dh. es erscheint erst gar nicht - hier muss man sehr kurz den Feuerknopf drücken, wenn man das Intro sehen möchte. Im nachfolgenden Titelmenü hingegen ist es eher so, daß man den Feuerknopf eher länger drücken muss, ehe die Auswahl angenommen wird. Keine Ahnung woran dieses Verhalten genau liegt, aber ich wollte es nicht unerwähnt lassen.

Gut, im Titelmenü gibt es nur zwei Optionen - ein altes Spiel einzuladen oder ein neues Spiel von Anfang an neu zu beginnen. Weitere Optionen, etwa Schwierigkeit oder Musik/Sound an/aus, sucht man vergebens. Daher stürzen wir uns direkt mit einem neuen Spiel ins Getümmel. Wir starten in einem Raum mit der Nummer 004 - das macht das Spiel übrigens bei jedem neuen Spiel. Auch die Anordnung der Räume bleibt stehts gleich - was sich allerdings verändern soll (Zufallsprinzip?) sind die Inhalte, also alle einsammelbaren Items, Schlüssel, Truhen und Gegner, sodaß zumindest von diesem Punkt aus gesehen, immer ein neuer Anreiz gegeben wurde, das Spiel neu zu spielen.

Der Bildschirm ist zweigeteilt, oben wird grafisch die Gegend dargestellt, während im unteren Bereichein Kompass, die aktuelle Waffe und die Raumnummer angezeigt werden. Ebenfalls im oberen Bereich befinden sich in Balkenform die Anzeigen für die eigene, aber auch die für die Energie der Gegner - wenn gerade einer aktiv ist. Wir können uns frei nach links oder rechts drehen - auch um die eigene Achse. Möchte man gehen, drückt man den Joystick nach oben - drückt man ihn nach unten, erscheint das Inventar und der Feuerknopf ist zum Einsatz der aktiven Waffe - aber auch nur dann, wenn uns ein Gegner gegenüber steht. Um den Kompass herum gibt es einen Kreis, der grafisch die möglichen Ausgänge durch "Lücken" darstellt. Man sieht also auf einen Blick, wo es Ausgänge gibt und kann sich dann entsprechend drehen um sie zu benutzen. Auch gibt es Hinweise auf besondere Orte - färbt sich der Kreis etwa "weiß", bedeutet dies, daß in diesem Raum eine Tür zu einem anderen Level vorhanden ist. Gegen Wände kann man übrigens nicht laufen und nimmt daher auch keinen Schaden, wie in anderen Rollenspielen meist üblich. 

Die seitliche Bewegung wird flott gescrollt, die nach Vorne in einer sehr gut gemachten und flüssigen Animation dargestellt. Befindet sich ein Gegner im selben Raum, wird er angreifen, was sich durch kurzes Flackern bemerkbar macht. Nun gilt es sich schnell umzudrehen, bzw. den Gegner zu finden und ihn ebenfalls mit der Waffe anzugreifen und ihn zu besiegen. Manche Gegner hinterlassen nach ihrem Ableben Essen oder Tränke, die zur Regeneration der Gesundheit verwendet werden können. Dazu wechselt man ins Inventar und klickt mit der Hand auf einen Gegenstand. Fleischkeulen bringen nur wenig Heilung, deutlich mehr erzeugen die Flaschen. Aber Achtung beim Einsammeln der Goodies! Wer einfach darüberläuft, wird diese zerstören - die Items werden durch die Waffe aufgesammelt - eigentlich wäre es andersrum logischer, oder?

Kisten lassen sich nur durch Schlüssel öffnen - aber auch hier gilt - es gibt farblich unterschiedliche, die zur Kiste passen müssen. Bislang habe ich immer nur gelbe Schlüssel gefunden und damit ließen sich keine der gefundenen Kisten öffnen, sondern nur die Türen in den nächsten Level. Daher konnte ich schon recht frühzeitig in mehrere der nachfolgenden Level schauen, aber nicht ermitteln, was sich in den Truhen befindet - vermutlich sind aber stärkere Waffen darin. Im Inventar hat man auch Zugriff auf eine Kartenfunktion, die schon besuchte Räume automatisch aufnimmt und auch Räume mit zB. Truhen farblich anders markiert - das ist ein nettes Feature. Ebenfalls hier erreicht man die Speicherfunktion. Soviel zur Einleitung.

Die Räume sind wie Waben angelegt und diese wiederum in einem Labyrinth. Man verliert trotz Karte sehr schnell die Übersicht, was zur Folge hat, daß man die Karte in jeden Raum neu aufruft um sich neu zu orientieren - zumal ohnehin alles total gleich aussieht - auch die späteren Level, welche dann allerdings in einem anderen Farbton eingefärbt wurden. 

Die Kämpfe sind sehr fair und man hat stets genügend Items um sich heilen zu können, sollte es einmal nötig sein. Allerdings gilt diese Aussage nur für die erste Welt. In der zweiten bekommt man ohne stärkere Waffe Probleme, da es dort zB. Ritter gibt, bei denen wir mit unserem Holzschwert keinen Kratzer hinterlassen. Gut, daß man auch einfach flüchten kann! Interessanterweise wird es dann in Level 3 wieder einfacher - warum auch immer...

Einen "Levelaufstieg" des eigenen Charakters oder auch Magie wie es in anderen Rollenspielen üblich ist, sucht man (wohl, ich kann mir nicht vorstellen, daß sich daran später noch etwas ändern wird) vergebens. Die Grafik ist passend, zeigt aber im Grunde immer das selbe - Wand, Durchgang oder Tür. Die Bewegungen sind flüssig, die Animationen gelungen, die Gegner zahlreich und recht fair. Auch die Steuerung geht voll in Ordnung, die Bedienung ist schnell erlernt und geht gut von der Hand. Die Musik ist ganz passend - wird aber irgendwann nervig. Die technische Seite ist also grundsolide und auch solche Dinge wie Karte und Speicherfunktion wissen zu gefallen. Das Gameplay hingegen ist ziemlich eintönig und beschränkt sich auf immer die gleichen Dinge, was sehr schnell langweilig wird und auf den Spaß drückt.

Kommen wir zum Fazit.

Argus ist kein Rollenspiel im eigentlichen Sinne. Wer so etwas wie Dungeon Master, Eye of the Beholder oder ähnliches erwartet, wird enttäuscht sein - hier haben wir es im Grunde mit einem Labyrinthsuchspiel zu tun, welches sich selber ein Rollenspieltouch verpaßt, ohne aber die Funktionen und den Tiefgang richtiger Rollenspiele zu erreichen. Die sehr gute "Vorbewegungsanimation" ist zwar ein einzigartiges Kunststück, aber nach dem x-ten Mal ansehen, reißt sie keinen mehr vom Hocker. Da auch der Rest immer gleich aussieht und es scheinbar auch immer nur das gleiche Musikstück auf die Ohren gibt, verliert das Spiel sehr schnell seinen Reiz und wird entweder zur Qual (für alle, die das ganze Ding absuchen wollen) oder führt zu Frust. Eines wird es aber in jedem Fall - schnell langweilig.

Spieler, die sich stundenlang mit dem Absuchen von Räumen nach Schlüsseln in immer der selben Umgebung beschäftigen können, hier und da mal ein Kämpfchen wagen und ständig einen Blick auf die Karte werfen - können ja mal einen Blick riskieren, alle anderen sollten um diesen Titel einen Bogen machen.

Von mir bekommt das Spiel mittelmäßige 5 von 10 Punkte(n).

Übrigens... dem Spiel liegt eine Karte bei (die bei der digitalen Version selber ausgedruckt werden muss - diese ist aber nicht für DIN A4 ausgelegt und ein Eigendruck bringt daher - wenn man diese nicht aufwändig auf mehrere Seiten aufteilt - ein unzureichendes und fast nicht mehr entzifferbares Ergebnis) - aber gehen wir mal davon aus, man hätte diese Karte in gute Qualität und "Auflösung", dann würde sich das Nachschauen vom Bildschirm eben auf die separate Karte verlagern. Gewonnen wird dadurch nicht viel, außer daß man nun sieht, wo genau alle Räume sind und man anhand der Infos diese nun schneller findet. Nur... das reduziert den Spielspaß leider noch mehr, da man ab jetzt nur noch Räume abläuft, die man vorher ohne diese Karte nicht gefunden hätte. (falls jemand Wert auf die Labyrinthsuche legt, sollte also auf den Einsatz der Karte dringlichst verzichten um sich wenigstens diesen Spaß nicht selber zu verderben!

Da der Shop von Psytronik immer noch geschlossen ist, ist das Spiel derzeit nur als digitaler Download für rund 5 US-Dollar erhältlich. (Info: Shop ist inzwischen wieder offen)

Hier der Downloadlink für die digitale Version über itch.io: https://psytronik.itch.io/argus

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Dieser Artikel wurde vor 1 Jahr(en) , 10 Monat(en) und 8 Tag(en) veröffentlicht, es ist also möglich, dass der Inhalt inzwischen nicht mehr aktuell ist.

Schlagworte : C-64, Test, Digital Talk

Trixter
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