C64 Test: "Steel Ranger"



Montag 24 Dezember 2018 von Trixter C64, C64 Test keine Kommentare

(Psytronik/2018)

Test der Downloadversion

Was wohl passiert, wenn man die Spiele Metroid, Turrican und Metal Warrior zusammenmixt? Na dann kommt Steel Ranger heraus. Der nächste Actionstreich von Covert Bitops! Ob das Teil was taugt werden wir jetzt in diesem Test klären.

Zur visuellen Verdeutlichung, gibt es in meinem YouTube-Kanal gleich zwei Videos mit dem Spiel als Thematik. Im 13. Livestream spiele ich das Spiel zu ersten Mal an, im eigenen Video dann den Rest bis zum Ende.

Das Spiel startet ziemlich schlicht mit einem Titelbild und anschließend direkt mit dem Hauptmenü. Hier kann man einige Optionen einstellen - ua. den Schwierigkeitsgrad in etlichen Stufen, wobei "Casual" am einfachsten ist. Dies wußte ich damals nicht, weshalb meinem Test die Stufe "Easy" zu Grunde liegt. Neben der Musik und den Soundeffekten, die übrigens auch gleichzeitig ertönen oder eben wahlweise abgeschaltet werden können, kann man noch die sogenannte "Double Click"-Funktion de/aktivieren - hierüber ist es möglich, durch doppeltes drücken auf den Feuerknopf die Waffen zu wechseln - dazu aber später noch ein paar Worte mehr. Ansonsten kann man noch ein gespeichertes Spiel fortsetzen oder ein neues beginnen. Startet man neu, darf man seinem Charakter einen Namen und ein angepaßtes Aussehen verpassen (Hautfarbe, Rüstungsfarbe) - danach startet eine kleine Einleitung ins Spiel aus der der Spieler die Rahmenhandlung über eine Raumschiffcrew erfährt, die ein seltsames Signal von einem fremden Planeten empfängt und entschließt, dort nach dem Rechten zu sehen. Allerdings hat dort eine feindliche Maschinenrasse (oder was auch immer, das komplette Spiel ist durchweg, wie auch die Anleitung, in Englischer Sprache - aber keine Angst, man versteht auch ohne Englisch-Kenntnisse um was es geht) die Kontrolle übernommen und schießt den Raumer ab. Nun ist an an uns, den Planeten zu säubern und die Überlebenden wieder von dem Planeten zu kriegen. Ein einziger hochmoderner Kampfanzug hat das Desaster unbeschadet überlebt - und natürlich ist es ausgerechnet unserer - nun bleibt uns nichts anderes übrig, in das Ding - welches sich übrigens automatisch wieder mit Energie aufladen kann - zu schlüpfen und den Planeten zu erkunden.

Anfangs steht uns nur eine Waffe und die regulären Fähigkeiten - etwa Springen - zur Verfügung. Im weiteren Verlauf kann man aber weiteres finden, kaufen oder aufrüsten, sodaß wir am Ende stolze 8 unterschiedliche Waffen unser Eigen nennen dürfen, die direkt über die Zahlentasten der Tastatur oder über die Doppelklickfunktion gewechselt werden können. Die Waffen orientieren sich dabei sehr an dem großen Vorbild Turrican, von Laser, Bouncer bis Plasma, ist eigentlich alles darunter - sogar das Rad, zu welchem wir uns (zeitlich begrenzt) verwandeln können und Minen legen. Nur der lange lenkbare Strahl in alle Richtungen fehlt. Zu den (erst zu findenden) Fähigkeiten des Superanzugs zählen zB.: höhere Sprünge, Hitzeschild und sogar Fliegen. Desweiteren auf der Habenseite zählt die sich automatisch anlegende Karte - abhängig, von den besuchten Orten und eine Speicherfunktion auf 4 Slots beim Verlust eines Lebens oder auf Wunsch im Pausenmenü. Übrigens Leben - es gibt nur eines, dafür aber unendlich viele Credits. Stirbt man, startet man bei "Continue" wieder am Anfang des Raumes, wo man gestorben ist - und das sogar in der Form, in der man vorher war. War man also ein Kreisel, wird man auch als solcher "wiedergeboren".

Im unteren Spielbereich haben wir eine Infoanzeige mit allen wichtigen Dingen direkt im Blick. So sehen wir nicht nur unsere Waffen und wie viel Munition sie haben, sondern auch die Anzeigen für unsere Energie und Treibstoff - die letzteren Werte werden automatisch (langsam) oder durch Einsammeln von entsprechenden Icons aufgeladen (schneller) - die ersteren nur durch Icons. Der Kreisel und die Flugfähigkeit verbrauchen Sprit, daher gilt es beim Einsatz mit diesen sorgsam umzugehen.

Nach dem Verlassen des Raumers, befinden wir uns also auf der Planetenoberfläche, die hier und da auch in Gebäude führt. Das Spiel ist so aufgebaut, daß es sich um eine ganze, riesige am Stück angelegte Welt handelt, die in Abschnitte unterteilt ist. Die Abschnitte werden auf der Karte andersfarbig dargestellt und sind meist durch Türen gesichert, zu denen man erst den passenden Schlüssel finden muss. Diese erhält man zumeist nach einem erfolgreichen Kampf mit einem der  Zwischengegner. Neue Waffen werden eingesackt, sobald ein neuer Gegnertyp mit einer solchen besiegt wurde und neue Fähigkeiten an entsprechenden  Aufrüstungsterminals. Man kann also sagen, daß man so lange in einem Abschnitt in einer Art "Loop" festhängt, bis die benötigten Anforderungen erfüllt sind. Anfangs geht das noch völlig in Ordnung, da man nach einiger "Abgraszeit" irgendwann den richtigen Weg findet - später hingegen - wenn immer mehr Bereiche freigeschaltet wurden, verliert man leicht die Orientierung. Aber mehr noch - es gibt Passagen, die man durch normales Umherwandern gar nicht erst findet. Hier hat das bewährte Turrican es gut gelöst - man kann, wenn man will, alles freiwillig auf der Suche nach Goodies abgrasen, aber der Hauptweg ist stets leicht zu finden und nicht erst durch Zufall.

Es gibt zahlreiche Gegnertypen, auf die wir so treffen - vieles spielt sich auf dem Boden ab, einiges aber auch in der Luft. Anfangs sind die Gegner moderat und benötigen nur wenige Treffer, aber das ändert sich im Verlauf des Spieles natürlich dynamisch. Zu "harte" Gegner gibt es eigentlich nicht, diese sind der Situation und unserem Kampfanzugausbau recht ausgewogen angepaßt - was schon mal sehr fair ist. Dennoch heißt dies nicht, daß es einfach werden wird. Wir können im Grunde in alle Richtungen schießen, auch im Sprung. Wobei man allerdings sagen muss, daß man schon eine längere Zeit auf den Feuerknopf drücken muss, damit man einen Schuss auslöst - tippt man ihn nur kurz an, würde die Figur nur "die Waffe ziehen" und nicht schießen. Das kann hier und da  zu kleineren Irritationen führen. Besiegte Gegner hinterlassen meist ein Icon - das können die unterschiedlichsten Dinge sein. Von Munition, Sprit bis Energie ist eigentlich alles dabei. Einmal gesäuberte Bereiche bleiben von einigen größeren "Hauptgegnern" frei, während kleinere allerdings erneut erscheinen. Insgesamt gesehen aber recht fair gelöst. Icons sammelt man übrigens durch Darüberknien auf.

Hier und da wird das Geschehen durch kleinere "Laberpassagen" mit den anderen Crewmitgliedern aufgelockert, über die man im Verlauf des Spieles so stolpert. Das kann manchmal einen entscheidenden Hinweis bieten und zeigt, daß man in der Geschichte ein Stück weitergekommen ist. Zahlreiche Geheimräume, deren Weg man meist durch Erkunden der Räume in allen Winkeln oder durch Aufsprengung in Kreiselform freilegt, lockern das Gameplay, da man meist einige Goodies einsacken kann. Hat man genügend "Geld" gesammelt, darf man an gewissen Terminals seine Munition aufstocken oder Verbesserungen an seinem Anzug vornehmen. Diese bieten ein recht großes Spektrum - von besseren Aufladezyklen,  mehr Schaden, weniger Munitions und Spritverbrauch, ect. kann der Spieler ein wenig profitieren  - wirklich nötig ist das alles aber natürlich nicht wirklich. So bin ich bis fast in die letzten Bereiche ohne irgendeine Modifikation vorgedrungen - aber es macht halt einige Gegnerbekämpfungen einfacher als ohne, da diese weniger Treffer benötigen. Die wirklich wichtigen Modifikationen sind hiervon nicht betroffen, da man sie bei Zeiten ohnehin gratis spendiert bekommt.

Soviel zum Einstand und zum Spielprinzip - kommen wir zur technischen Umsetzung. Das Spiel läuft sehr flüssig und sehr stabil - Einbrüche der Framerate sind mir zu keinem Zeitpunkt aufgefallen.

Die Grafik ist gut gemacht, bietet hier und da auch Animationen im Hintergrund und erinnert sehr stark an Turrican und Metal Warrior, bzw. Hessian. Viele kleine Details sind liebevoll gestaltet worden und sorgen so für einen echten Hingucker - selbstredend, daß hier zeitweise bis zu 16 Farben auf dem Screen dargestellt werden und der Screen nahtlos in alle Richtungen scrollen kann.Die Sprites sind ebenfalls gut gelungen, zeigen viele Animationen bei vielen Farben - zahlreiche Effekte, etwa Explosionen runden das Ganze grafisch gekonnt ab. Der Aufbau der Bildschirme ist gut gestaltet und die Ladezeiten halten sich positiv kurz. Übrigens ist das Spiel kompatibel zu SD2IEC, IDE64 und zum 1581 Laufwerk - wer einen C128 oder eine SuperCPU nutzt, kommt in den Genuß des 2-MHz-Modus!

Die Musik ist richtig toll gelungen und bietet bei rund 26 Tracks stets die passende atmosphärische Untermalung. In Kombination mit den SoundFX kracht es so richtig aus den Lautsprechern. Nur mit der recht schwammigen Steuerung bin ich nicht ganz zufrieden, da man sehr oft pixelgenaue Sprünge vollziehen muss, man meist aber vorbeischlittert oder ungewollt irgendwelche Aktionen wie das Rad auslöst. Auch die sogenannte "Doppelklick"-Funktion ist grausam. Hier soll man also erst doppelt klicken und danach lange auf dem Feuerknopf bleiben um zwischen den Waffen wechseln zu können. Warum reicht nicht einfach nur der Doppelklick? Auf diese Weise ist es in einem Gefecht unmöglich zeitnah zu reagieren - hier empfiehlt sich auf jeden Fall die Waffenwahl per Tastatur!

Ebenfalls unerklärlich sind gewisse Patzer im Treppendesign - aus irgendeinem Grund fällt man an den "Nahtstellen" einfach in die Tiefe, obwohl es dort gar keine Lücke gibt. Damit meine ich nicht die Stufen ansich, sondern die Punkte, mit denen eine Treppe an einer Plattform verbunden ist. Etliche Male habe ich so unnötigerweise Leben verbraten - wie das durch den - recht umfangreichen, da mit etlichen hochkarätigen Leuten aus der Szene besetzten - Test schlüpfen konnte, ist mir ein Rätsel. Allerdings ist das alles halb so wild, da man ja unendlich viele Continues samt Speicherfunktion und somit unendlich viele Versuche hat. Es empfiehlt sich ohnehin, schon am Anfang des Spieles die Sprünge zu üben um ein Gefühl dafür zu bekommen. Ihr werdet schon sehen, was ich meine - meistens geht der Versuch schief, da man zwar offensichtlich auf der ausreichenden Höhe wäre, das Spiel den Sprung aber anders wertet - hier ist es halt recht pingelig und pixelgenau.

Die Action steht ganz klar im Vordergrund und somit heißt es - ballern was das Zeug hält. Wirkliche Rätsel - also alles was über das Suchen und Sammeln diverser Zugangspässe, Geheimpassagen und dem weiteren Spielverlauf hinaus geht - sucht man vergeblich. Das ist auch nicht weiter schlimm, denn das was geboten wird, ist ausgefeilt und hochkarätig. Wirklich unfaire Stellen im Gameplay (bis auf die angesprochenen) gibt es nicht wirklich - kommt man nicht an einem Gegner weiter, so liegt das nur an der falschen Waffe oder zu wenig Munition. Okay, es gibt Bereiche, wo man eine bestimmte Fähigkeit braucht um weiter zu kommen - etwa den, wo es so heiß ist, daß man ohne Kühlung unweigerlich nach kurzer Zeit ins Gras beißt. Aber diese Fähigkeit erhält man nach einiger Suche in noch nicht besuchten Bereichen.

Was ich allerdings nicht so toll fand, ist der Zugang zum allerletzten Bereich, den man auf normalem Wege auch nach stundenlangem Umherlaufen nicht findet, da dieser in der Luft liegt und man keinerlei Hinweise oder Anhaltspunkte bekommt. So vergehen die Stunden mit sinnloser Sucherei - das kann gehörig auf die Motivation drücken. Ich selber fand das auch nur durch Zufall heraus, als ich bei einem Kampf mit einem regulären Gegner die Flugfähigkeit anwendete. Hätte ich das nicht getan, würde ich wohl heute noch auf der Suche nach dem Ende sein. Das finde ich einen Ticken "too much" für normale Spieler - Hardcoregamer, die ohnehin alles absuchen sind natürlich hiervon nicht betroffen.

Noch ein Wort zu den größeren Gegnern - diese sind natürlich nur mit einer bestimmten Taktik kleinzukriegen, welche erst vom Spieler ermittelt werden muss. Manchmal reicht Weglaufen nach gut platzierten Schüssen oder eine bestimmte Position. Natürlich spielt auch die Waffe eine bedeutende Rolle - da aber die Munition limitiert ist, sollte man immer darauf achten, daß alle Waffenslots voll aufgeladen sind. Ein Wechsel der Waffe im Gefecht per "Doppelklick" ist praktisch unmöglich, ohne dabei drauf zu gehen. Hat man am Ende den Obermotz besiegt, klingt das Spiel mit einem kleinen Outtro ähnlich der Einleitung aus, die Punkte werden angezeigt, ebenso wie die Zeit und die erkundeten Gebiete in Prozent. Allerdings gibt es keine Highscore im eigentlichen Sinne, was diese Angabe im Grunde überflüssig macht.

Kommen wir zum Fazit.

Steel Ranger ist ein würdiger, aktueller Vertreter der Actionballerei im Stil von Turrican, ohne allerdings dessen Qualitäten zu erreichen. Damit meine ich, das Spiel zu übertrumpfen. Hier wurde das lineare Gameplay in eine Art freies gewandelt, welches bis zu gewissen Punkten gut im Fluss ist. Danach beginnt die Suche nach Schlüsseln und somit das Absuchen aller schon erkundeten Bereiche nach Übersehenem - was natürlich nicht einfach ist, da die schon besuchten Räume wiederum mit allerlei Viehzeugs gefüllt sind. Die Action ist dabei sehr ausgefeilt und brennt ein wahres Feuerwerk an Gefechten, Gegnern und Zwischenbossen ab - wenn man denn den richtigen Weg endlich gefunden hat, denn es ist nicht schwer, trotz Kartensystem, die Orientierung  zu verlieren. Die Aufrüstfunktionen wissen zu gefallen, ebenso die ständigen neuen Funktionen des Anzuges, über die man im Verlauf des Spieles stößt und die den Spieler immer neue Fähigkeiten ermöglichen um tiefer in das Gebilde vordringen zu können. Exakte Sprünge müssen geübt sein, ebenso der sparsame Umgang mit der begrenzten Munition - aber vielleicht macht das auch einen gewissen Reiz aus?

Da man im Grunde durch die unendlich vielen Continues und Speicherfunktion nicht sterben kann, sind viele Mankos am Ende dann doch verzeihlich. Der Spieler, der kein neues Turrican erwartet und einen Titel sucht, mit dem er sich stundenlang beschäftigen kann, in dem er die Gegend nach übersehenen Wegen abklabustert, der wird an Steel Ranger sicherlich lange seine Freude haben - Hardcorezocker ja sowieso. Wer allerdings wenig  Ausdauer hat und schnell reizbar ist, sollte sich zunächst einmal die Demoversion zu Gemüte führen und schauen, ob das Ganze etwas für ihn ist oder eben nicht.

Kurzum...  für geübte Spieler ist Steel Ranger ein gefundenes Fressen, es kann etliche Stunden beschäftigen, spannend sein und reichlich Balleraction bei sehr viel Abwechslung bieten.

Von mir bekommt das Spiel eine glatte 8 auf der berüchtigten Skala bis 10.

Da der Shop von Psytronik immer noch geschlossen ist (was treiben die Engländer da seit Monaten bloß?) ist derzeit nur die digitale Version erhältlich. Diese liegt bei 5 US-Dollar und kann über itch.io bezogen werden - die Demoversion gibt es natürlich gratis unter derselben Quelle. (Update - der Psytronik-Shop läuft inzwischen wieder)

https://psytronik.itch.io/steelranger

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Schlagworte : C-64, Test, Digital Talk

Trixter
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Freier Redakteur bei Special Interest Magazinen & Online-Blogs
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