C64 Test: "Heroes & Cowards - Das Pentagramm der Macht"



Montag 24 Dezember 2018 von Trixter C64, C64 Test keine Kommentare

(Protovision 2015/16) 

Test der Downloadversion

Ursprünglich von Jemand anderen als Testkandidat erkoren - der aber zwischenzeitlich wieder absprang - komme ich nun doch noch in den Genuß, dieses Adventure selber zu testen. Das Spiel ist zwar aus dem Jahre 2015 (mit einer Neuauflage ein Jahr später), wurde aber bislang noch in keiner Digital Talk Ausgabe getestet und deshalb hole ich diesen Mißstand an dieser Stelle nach.

Eines gleich vorweg - das Spiel ist nicht mehr als physisches Produkt erhältlich, sondern nur noch als digitaler Download - und auf diesem basiert auch dieser Testbericht.

Wer unsere Livestreams mitverfolgt hat, konnte einen guten ersten Eindruck vom Gameplay erhalten. Ich habe das Spiel zwar noch einige Zeit lang weitergespielt, bin aber nicht bis zum Ende vorgeschritten - dafür reichte einfach die Zeit nicht, welche ja recht knapp bemessen ist. Der ursprüngliche Tester hätte Monate Zeit gehabt, ich hingegen außerplanmäßig nur ganze 7 Tage, aber das sollte egal sein, da es zeigt, daß es sich um ein sehr umfangreiches Spiel handelt an dem man lange Zeit seine Freude haben wird.

Beginnen wir mit der Vorgeschichte...

Mit der Entwicklung begonnen haben einst die Softwaretruppe Byteriders, die sich mit Adventurespielen wie Logan, Stümp und The Yawn einen Namen gemacht haben. Für mich interessant wurden aber eigentlich erst Spiele wie Crime Time und Brubaker, da sie über ein gut bedienbares Steuerungssystem verfügten. Wo man bei anderen Titeln noch Texte eintippen mußte, konnte man hier - ähnlich wie zB. bei Maniac Mansion per Joystick Befehle anklicken. Zwar gab es weitere Ähnlichkeiten wie ein Inventar und Grafik im oberen Bildschirm - aber man steuerte keine Figuren, sondern sieht nur Hintergründe und seeehr viel Text. Deshalb sind diese Spiele eher den grafischen Textadventures zuzuordnen, als den Point and Click-Adventures. Was aber keineswegs schlecht sein muss. Man hat also sowas wie ein interaktives Buch vor sich und es gibt viele Spieler, die das gut finden, wenn die Geschichte stimmt. Und in diesem Punkt gab und gibt es bei Byteriders-Produktionen keinen Grund zum Klagen, denn die Texte sind genial, ironisch, witzig und sehr gut lesbar geschrieben. Im Jahr 1993 mußte Byteriders leider die Segel streichen - warum konnte ich leider nicht herausfinden und das ist eigentlich auch egal. Dem sogenannten "Vermächtnis der Byteriders" nahm sich dann die Truppe Out of Order Softworks viele Jahre später an (das Spiel galt als verschollen) und entwickelte die finale Version des Spieles, welche dann 2015 bei Protovision erschien und ruckzuck ausverkauft war - es folgte eine Neuauflage 2016, die inzwischen aber auch ausverkauft ist.

Die Geschichte im Spiel dreht sich um einen Held oder Feigling (daher auch der Name des Spieles), der eigentlich nur einen netten Fernsehabend haben wollte, aber durch eine "unheimliche" Kraft in eine ferne mittelalterliche Welt  geschleudert wird (hm... etwa durch den Fernseher?). Dort hat ein böser Magier die Bewohner des Landes Dartenwood zu Stein verwandelt und nur das Pentagramm der Macht kann den Zauber brechen - dumm nur, daß dessen benötigte Rubine in alle Winde verstreut sind. Und natürlich ist es unsere Aufgabe, diese zu finden, das Pentagramm zusammenzusetzen, die Bewohner zu retten und (vermutlich) auch den bösen Magier um die Ecke zu bringen.

Das Spiel leitet mit einem kleinen Intro ein, welches zwar nicht wirklich etwas zur Geschichte beiträgt, aber die Credits präsentiert und recht stimmungsvoll ist. Grüße gehen raus an Martinland und Taxim (Titelbild und Titelmusik).

Danach befindet man sich schon direkt im Spiel wieder. Gesteuert wird das Ganze über Tastatur oder Joystick (auch abwechselnd - eine Festlegung auf nur eine Steuerungsmethode gibt es nicht). Der Bildschirm ist aufgeteilt - im oberen Bereich gibt es eine Grafik, die das Geschehen darstellen soll, im unteren Bereich findet man die Befehle. Wählt man einen Punkt aus, erscheinen weitere Untermenüs, die eine problemlose und bequeme Interaktion mit Dingen oder Gegenständen (auch im Inventar) erlauben. Je nachdem was man gewählt hat, erscheint ein Text, welcher Aufschluss zur gerade getätigten Aktion gibt - Erfolg oder Mißerfolg. Im Grunde sucht man die Bildschirme (auch die Texte) nach Hinweisen  ab, die zur Lösung eines Problemes führen könnten und testet seine Ideen logisch aus, sammelt Items ein, die an anderer Stelle nützlich sein könnten und gräbt sich so immer tiefer in das Spiel ein.

Ein wichtiger Punkt für Anfänger zu wissen ist, daß man bei einem Teleporter startet. Benutzt man ihn, passiert scheinbar erstmal nichts. Die Veränderung ist erst dann sichtbar, sobald man das Areal des Teleporters verläßt. Dies findet man zwar sicher selber irgendwann heraus, kann aber eine ganze Weile dauern und man wundert sich, daß man in den anfänglich wenigen Bildern keinen Meter weiter kommt. Hinter dem Teleporter liegen noch etliche Areale die viele Rätsel und Aufgaben bereit halten. Und natürlich ist es so, daß man von zB. Areal 1 eingesammelte Gegenstände auch in anderen Arealen benutzen kann oder sagen wir besser sogar muss. Je länger man sich mit dem Spiel befaßt, desto komplexer und umfangreicher wird es. Hier werden Adventure- aber auch Knobelfreunde langanhaltenden Spielspaß und Unterhaltung finden. Speichern kann man übrigens auch - auf Disk oder ins RAM. Ob die letzte Funktion für evtl. Sackgassen oder übermäßige Todesfallen gedacht ist, kann ich nicht genau beantworten, da ich noch nicht auf diese gestoßen bin. Vergeßt also nicht, falls ihr schnelle Speicherungen ins RAM vornehmt, diese später vor Beendigung des Spieles auf eure Diskette zu speichern, sonst ist euer Wiedereinstig ins Spiel zu einem späteren Zeitpunkt futsch!

Ihr seht, wirklich viel weiter bin ich im Spiel nicht gekommen und es hätte viel mehr Zeit benötigt als mir zur Verfügung stand. Deswegen kann ich nur das bewerten was ich zu Gesicht bekam - und das ist sehr solide - kommen wir also schon an dieser Stelle zum...

Fazit

Heroes & Cowards ist ein sehr umfangreiches und gut gemachtes Grafik/Textadventure der alten Schule. Das verwundert nicht, wenn man bedenkt, wann mit der Entwicklung des Spieles begonnen wurde, nämlich Anfang der 90er Jahre. Dieser Umstand gibt ihm seinen eigenen Flair, welcher zwar ein wenig altbacken wirkt, aber durchaus interessant ist. Die Texte sind witzig, die Aktionen teilweise abgedreht, die Aufgaben fordernd, die Grafik passend, ebenso die Musik. Insgesamt gibt es an der technischen Umsetzung nichts zu meckern. Auf Bugs bin ich nicht gestoßen, alles läuft stabil - so muss es sein. Die Steuerung ist ausgereift, flexibel und einfach. Der Umfang des Spieles kann nur mit "episch" bezeichnet werden, ist aber spannend und interessant genug um den Spieler bei Laune und der Stange zu halten. Wer auf Adventurespiele steht und keinen Anstoß an massiven Textfluten nimmt, der macht bei diesem Spiel nichts falsch. Eine klare Kaufempfehlung - dieser Titel darf in keiner Sammlung fehlen!

8 von 10 möglichen Punkten


Erhältlich ist das Spiel derzeit nur in der Downloadversion für rund 6 Dollar über itch.io. https://protovision.itch.io/heroes-cowards

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Dieser Artikel wurde vor 1 Jahr(en) , 10 Monat(en) und 8 Tag(en) veröffentlicht, es ist also möglich, dass der Inhalt inzwischen nicht mehr aktuell ist.

Schlagworte : C-64, Test, Digital Talk

Trixter
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