C64 Test: "Tiger Claw"



Montag 27 August 2018 von Trixter C64, C64 Test keine Kommentare

(RGCD/2016) 

Test der Downloadversion

Im Jahr 2014 räumte das Spiel Tiger Claw den zweiten Platz bei der RGCD 16k Game Development Competition ab.

Nachdem einiges Feedback von Spielern eingegangen war, wurde das Spiel für das physische Release auf 64kb-Steckmodul erweitert und verbessert. Diese Version ist mittlerweile nicht mehr erhältlich - derzeit gibt es nur noch die Downloadvarianten, wobei RGCD selber noch eine "Bundled" Version bestehend aus zwei Postern und der Downloadversion für rund 5 britische Pfund anbietet - das Spiel hingegen selbst ist identisch zur Modulvariante.

Nach dem Laden erscheint ein Hauptmenü über welches zahlreiche Funktionen und Spielmodis auswählbar sind. Im Trainings-Modus kann man sich mit dem Spiel, den Gegnern und Fähigkeiten in sogenannten "Waves" vertraut machen. Man wird in einen Solobildschirm geworfen und vernichtet zahlreiche Gegner, erhält neue Fähigkeiten und kann diese testen.

Der Versus-Modus ist hingegen ein Multiplayermodus in dem bis zu 4 Mitspieler in einem Solobildschirm kämpfen bis ein Sieger übrig bleibt. Hiervon hatte ich mir eigentlich mehr erwartet, da ich davon ausging, daß der Schwerpunkt des Spieles bei den Multiplayerfunktionen liegt - dem ist aber nicht so - man kann eher sagen, daß der Multiplayer-Modus als Bonusdreingabe realisiert wurde. Zum schnellen Spiel gegen einen (oder mehrere) Kumpels ganz okay,  aber erwartet nicht zu viel Abwechslung - mehr als 1 Runde gibt es nicht, aber immerhin kann man aus diversen Spielfiguren (Gegner) seine eigene Spielfigur wählen.

Somit liegt der Schwerpunkt des Spieles doch beim Solomodus. Dieser bietet den vollen Umfang des Spieles und die volle Funktionalität. Ein Musikplayer der alle im Spiel verwendeten Musiken abspielen läßt ist vorhanden. Diese Musikstücke gelten allerdings nur für das Anhören im Hauptmenü - nach wie vor regelt das Spiel seine musikalische Begleitung selbstständig je nach Begebenheit.
   
Die Schwierigkeit ist in 3 Stufen (Easy, Standard, Hard) wählbar. Die Unterschiede liegen hier zumeist bei der Anzahl der Gegnerhorden und ihren Fähigkeiten. Im leichten Modus sind es nicht so viele - daher kann man Kämpfen noch sehr leicht aus dem Wege gehen. Zudem sind die Fähigkeiten der Gegner eingeschränkt - etwa kann der Samurai keine Wurfsterne werfen oder die Zwischenbosse keine Laserstrahlen (oder  was das auch immer sein soll).

Okay, stürzen wir uns ins Getümmel. Nach dem Start des Solomodus befinden wir uns schon mitten drin in einem fernöstlichen Flair. Wer das Spiel Bruce Lee (Datasoft/1984) kennt, dem wird so einiges bekannt vorkommen. Auch hier steuern wir einen Kämpfer durch bildschirmgroße Level, erwehren uns den Feinden, lösen kleinere Rätsel, sammeln irgendwelches Zeugs ein. Unsere eigentliche Aufgabe ist es, diverse Schriftrollen zu finden, ehe sie in die falschen Hände geraten.

Anfänglich können wir nur "einfach" springen, aber dafür mehrere Kicks und Tritte verteilen.  Klettern geht auch über Leitern wunderbar - allerdings ist die Steuerung recht eigen - mal gelingen Sprünge auf Anhieb und mal versemmelt man diese und darf - je nachdem in welcher Situation dies geschah, alles in einem weiteren Anlauf erneut ausführen.

Gegnern muss man sich nicht unbedingt stellen - es sei denn, man hat gerade eine Passage, die nur bei Vernichtung einer gewissen Gegneranzahl einen Durchgang freischaltet oder wenn es sich um einen Zwischenboss handelt. Einfache Gegner kommen ständig wieder und so wäre der Kampf sowas wie ein Faß ohne Boden.

Wichtiger ist ohnehin, daß man in den einzelnen Bildschirmen (welche nicht nur links oder rechts erscheinen können, sondern auch unter/oberhalb) weiter kommt. Treffer werden bei uns in Form von Herzen abgezogen - stolze 9 Stück haben wir als Energiebalken. Diese Herzen lassen sich hier und da über Hähnchen wieder aufstocken, sollte man eines finden und einsammeln.

Unsere Fähigkeiten lassen sich über Masken erweitern. So wird man mit der Zeit immer mehr können - vom Doppelsprung über diverse neue Kampfhiebe bis zum "Abprallen von Wänden" gibt es so einige Verbesserungen, die das Spiel nicht nur einfacher machen, sondern stets an gewissen Passagen nötig sind, sonst kommt man eben nicht weiter.

Ihr seht schon - es handelt sich hier um ein strikt linear ablaufendes Spiel ohne viel Freiraum und Überraschungen. Und ehe man sich versieht, hat man es auch schon durchgespielt. Eine Schriftrolle in einem bestimmten Raum dient als Spielende - abhängig davon, wie viele weitere Schriftrollen man eingesammelt hat, erfolgt eine Endabrechnung, bzw. Endtext, der auf diverse Dinge hinweist. Hat man zB. im leichten Modus gespielt, wird man ermuntert, es in einem der schwierigeren erneut zu tun. Hat man nicht alle Schriftrollen gefunden, erfährt man dies ebenso.

Die Grafik ist asiatisch "knuffig" und erinnert an das große Vorbild Bruce Lee, hat aber eine viel bessere "Auflösung" und mehr Details. Die Sprites sind klein und umfangreich animiert - jede Aktion wird passend auf dem Screen präsentiert. Der Soundtrack ist sehr umfangreich und paßt wie die Faust auf´s Auge - dabei ändert er sich automatisch der Situation entsprechend. So werden Zwischenbosskämpfe recht dramatisch untermalt und ist auch im Allgemeinen nie langweilig oder nervig.

Die Steuerung hingegen könnte einen Ticken besser ausgereift und nicht so "schwammig" sein - aber wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat und weiß wo die Probleme liegen - etwa das Abprallen an Plattformanfängen oder daß man seine Sprungrichtung im Flug nicht mehr ändern kann oder daß nicht jeder Sprung exakt vom Spiel umgesetzt wird - kann man sich darauf einstellen und diese Faktoren im Zusammenhang mit Gegnern und Levelbegebenheiten planen. Das ist natürlich immer noch kein Garant dafür, daß man einige Passagen nicht neu in Angriff nehmen muss, sollten sie aufgrund der Steuerung gescheitert sein.

Fazit

Tiger Claw ist ein grundsolides Action-Kampfspiel mit Plattformelementen und Aufrüstmöglichkeiten der eigenen Fähigkeiten. Es macht eine Menge Spaß, ist aber recht kurzweilig. Dh. man merkt dem Spiel an, daß es im Rahmen einer 16k Compo entwickelt und für den kommerziellen Vertrieb auf Modul nachträglich erweitert wurde. Die Erweiterungen sind dabei eher als Bonus zu sehen - sie sind zwar da, ändern aber am eigentlichen Spiel nicht wirklich viel - sieht man mal von einem neuen Hauptmenü, einem etwas anderem Design bei einigen Screens und den Texten ab, die nun darüber aufklären, was man da gerade so eingesammelt hat. Die neuen Trainings und Multiplayermodis sind zwar nett, aber hätten es im Grunde nicht wirklich gebraucht - meiner Meinung nach auch nicht das Release auf Steckmodul - aber das war wohl RGCD geschuldet, die die Umsetzung auf Steckmodul als Preis ausloteten.

Der Ansatz die Fähigkeiten aufzurüsten ist zwar nett, aber kommt hier meist als "Spielverzögerungselement" zum Tragen, da man viele einfach zu selten einsetzt - bis auf die Stellen im Spiel, wo diese zwingend benötigt werden um weiter zu kommen. Hat man sich endlich umfangreich aufgerüstet ist das  Spiel auch schon wieder vorbei.

Geübte Spieler sind also in Nullkommanichts durch das Spiel durch, was dann doch auf die Langzeitmotivation drückt. Schaut euch erst einmal die alte 16k Version der RGCD-Compo an und entscheidet dann, ob es euch wert ist, dieses Spiel, bzw. seinen Macher durch einen Kauf zu unterstützen. Als kostenloses Spiel ist es auf jeden Fall zu empfehlen - jeder der das alte Bruce Lee mochte, sollte einmal einen Blick riskieren.

Hinweis: in dieser Version gibt es keine wählbaren Schwierigkeitsgrade, sodaß man hier  (vermutlich) den Modus "Standard" spielt. https://csdb.dk/release/?id=135255

Das Spiel erhält von mir 6 von 10 möglichen Punkten.

Es ist für rund 3 US-Dollar bei itch.io erhältlich. Ich verlinke auf die Homepage des Spieles, da hier alle Möglichkeiten aufgeführt und verlinkt sind.

Eine Amiga-Version scheint sich ebenfalls in der Mache zu befinden - warten wir mal ab. (diese ist zwischenzeitlich erschienen, aber die physische Version ist schon ausverkauft)

http://www.lazycow.de/tigerclaw/

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Schlagworte : C-64, Test, Digital Talk

Trixter
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