C64 Test: "Organism"



Montag 27 August 2018 von Trixter C64, C64 Test keine Kommentare

Psytronik Software/2018 

Test der Downloadversion

Oha, ein Spiel welches sich sehr nahe an der Filmreihe Alien(s) orientiert - dies zeigt schon das Ladebild im H.R. Giger-Stil. Und auf dem Niveau bleibt es auch, was sich an Gegnern wie Facehugger, den Eiern oder den Aliens selbst sehr deutlich im Spiel zeigt. Doch um was geht es hier?

Der Spieler übernimmt die Rolle eines Söldners, der von einer "höheren" Organisation den Auftrag erhält, auf einem verloren gegangenen Raumschiff nach dem Rechten zu sehen und den Grund für den Kommunikationsabbruch herauszufinden und ggf. das Schiff zu sprengen. Wir als Filmfans wissen natürlich nur zu gut, was auf dem Schiff passiert ist - eine Alieninvasion hat die Mannschaft eliminiert und brütet nun wie am Fließband Nachkommen der eigenen Brut aus.

Um aber eines vorweg zu greifen - hat man später "Mama Alien" vernichtet, ist der Kutter komplett Alienlos, so daß man das Ding eigentlich problemlos hätte wieder zurückfliegen können - aber das paßte wohl nicht so ins Konzept der Programmierer, daher dürfen wir uns am Ende auf jeden Fall auf einen großen Kabumms freuen.

Bei Spielbeginn startet besagtes Titelbild im Giger-Stil, danach folgt ein kleines, aber nett gemachtes Intro - welches auch per Feuerknopf übersprungen werden kann. Nun befinden wir uns im Titelscreen des Spieles, wo wir noch die Wahl des Schwierigkeitsgrades wählen können  - Schwer und Einfach. Ein Druck auf den Feuerknopf startet das Spiel und wirft den Spieler direkt ins Geschehen.

Im ersten Screen passiert noch nichts - dies ist übrigens auch für später gültig - nur in den langen Fluren kann man auf Gegner treffen, nicht aber in den kleinen Räumen. Wir verkörpern uns im weißen Raumanzug, können im ersten Screen ein wenig mit der Steuerung spielen - lenken in alle Richtungen geht wunderbar, beim Druck auf den Feuerknopf wird eine einzelne Kugel abgefeuert, bleibt man länger auf dem Feuerknopf folgt automatisches Feuer - aber auch die Richtung in die man schaut wird beibehalten - das ist später sehr nützlich wenn man ein fest anvisiertes Ziel (oder mehrere Ziele in gleicher Richtung) vernichten möchte - ansonsten würde die Spielfigur ja in die gerade eingeschlagene Richtung laufen, aber den Fokus zum Ziel verlieren. Bewegen kann man sich im "gelockten" Modus natürlich weiterhin.

Im unteren Screenbereich findet man so einige Anzeigen. Der Pulsmesser dient als Lebenzustandsanzeige - wird diese rot, ist Vorsicht angebracht - weitere Berührungen mit den Viechern können also die letzten sein, ehe man den Löffel abgibt und selbst zu so einem Vieh wird. Daneben gibt es einen Scanner der die ungefähre Richtung irgendwelcher Dinge anzeigt. Ungefähr insofern da er diese abwechselnd durchgeht und keine Livescannung anbietet, sondern nur die ungefähre Richtung wo etwas sein kann. Die unterschiedlichen Ebenen des Spieles werden also nicht dargestellt. Viecher auch nicht - das Ding ist also eher als Gimmick denn nützlich, da wir die exakte Richtung über die dem  Downloadarchiv beigelegte Karte des Spieles viel besser ermitteln können, da dort zumindest die wichtigen Terminals eingezeichnet sind. Ganz rechts bekommen wir einige Informationen präsentiert, die Aufschluss über die Anzahl eingesammelter Disketten und Schlüsselkarten, aber auch über Daten und "geretteten", bzw. vielmehr vernichteten infizierten Crewmitgliedern geben. Letztere müssen übrigens nicht alle gefunden und gekillt werden, aber es bietet sich insofern an, da diese nach ihrem Ableben stets einen "Erste-Hilfe-Koffer" hinterlassen, mit dem wir unsere eigene Energie wieder auffrischen können.

Das Spielprinzip baut stets auf den selben Elementen auf. Man muss alle Terminals auf dem Schiff benutzen um eine Art "Verbinde alle gleichfarbigen Kästchen mit Verbindungsstrippen" spielen zu können (der Raum färbt sich bei Erfolg rot) um die Tür zum Endkampf öffnen zu können. Um die Terminals benutzen zu können, werden Disketten benötigt. Um diese zu finden muss man das gesamte Schiff abgrasen. Da viele Bereiche zudem mit Sicherheitstüren geschlossen sind, benötigt man ebenso Schlüsselkarten, die auch erst gefunden werden müssen. Das Schiff selbst besteht aus mehreren Decks die über Aufzüge (mehrere Schächte) verbunden sind und jedes Deck besteht aus vielen Räumen die auch aus mehreren Ebenen (nicht nur links/rechts, sondern auch oben/unten) bestehen können. Da meist alles gleich aussieht, verliert man ohne Karte sehr leicht die Orientierung. Gut daß man sich besagte Karte ausdrucken und so schon abgegraste Bereiche ausstreichen und wichtige markieren kann. Das ist wichtig, da man alle Terminals spielen muss.

Kommen wir zu den Gegnern. Anfangs wird man auf die sehr leichten Facehugger treffen - ein gezielter Schuss und sie sind Geschichte. Später gesellen sich - je nachdem welchen Bereich man spielt - mehr oder weniger weitere Gesellen hinzu. Andere Typen, aber auch deren Anzahl und Geschwindigkeit ändern sich je nach Vorgabe der Designer - mit der anfänglichen Waffe ist so kein Durchkommen möglich - diese muss erst durch ein Waffenupgrade aufgewertet werden (höhere Durchschlagskraft und Schussgeschwindigkeit). Aber das muss erstmal gefunden werden! Da das Spiel nicht linear abläuft, muss man Passagen, die zu schwer sind, erst mal links liegen lassen und einen anderen Weg ausprobieren. Zudem ein Tip: Gegner werden zufällig und massenhaft erscheinen - es lohnt sich also nur bei kleinen Gegnern, diese auszuschalten - oder in Notsituationen, wenn es nicht anders geht überhaupt zu kämpfen. Abgeschossene Gegner kommen also zurück, selbst wenn man an einer Stelle stehen bleibt, wo gar kein Gegner ist - werden von allen Seiten diese einfach ins Bild gelaufen kommen. Manchmal ist es ratsam, kurz einen Abstecher in ein anderes Bild zu machen, damit sich die Gegnersituation ein Bild zuvor wieder normalisiert - meist ist es zudem besser die Gegner einfach zu ignorieren und an ihnen vorbei zu laufen.

Ein Wort noch den Terminalpuzzles. Diese sind gerade am Anfang hammerhart - später ändert sich das gravierend - da sind die Gegner sauschwer und die Puzzles super leicht. Aber das nur am Rande. Ziel der Puzzles ist, zwei gleichfarbige Kästchen zu verbinden. Unterschiedlich farbige Bahnen können sich dabei nicht kreuzen - jede Leitung muss also freie Bahn haben um verlegt zu werden. Gerade die ersten Puzzles rauben einem Nerven ohne Ende, da sie sehr fordernd und knackig sind - aber ohne deren Lösung geht es nun mal nicht weiter. Sie sind meist nur auf einem ganz bestimmten Weg lösbar - aber dessen Lösung kann mitunter mal locker eine halbe Stunde andauern.

Hat man alle Terminals geschafft, kann man zur roten Türe gehen, die sich daraufhin öffnen wird um den Weg zum Endkampf frei zu machen. Dieses Vieh ist nicht nur riesig groß, sondern auch ziemlich zäh und setzt regelmäßig neue Facehugger frei, die man zuerst loswerden sollte, ehe man sich wieder dem Vieh zuwendet. Der Kampf findet in einem langen Gang statt und geht mehrfach in beide Richtungen. Eine Berührung mit dem Teil endet - egal in welchem Energiezustand man sich befindet - tödlich. Hat man das Biest bezwungen, sucht man die Rettungskapsel auf - und merkt dabei, daß das gesamte Schiff scheinbar nun Alienfrei ist - fliegt weg und kann sich von weitem die Zerstörung des Schiffes ansehen. Das "The End" mit einem "?" läßt dabei offen, ob irgendwann einmal ein Nachfolger erscheinen wird...

Fazit:

Ein Sammelspiel mit Action und Puzzle-Elemente in atmosphärischer Umgebung und Soundkulisse. Die Anlehnung an Alien ist unverkennbar und spielt mit sehr vielen Elementen aus dem großen Vorbild. Seien es die Grafiken oder die Sprites selbst - zB. fallen einen die Facehugger sofort an und beißen sich am Helm fest - nur durch Wackeln nach links und rechts sind diese wieder abzuschütteln. Natürlich kostet dies ein wenig Energie - wie eigentlich jede andere Berührung mit einem der anderen Viecher auch. Die Energie ist gut bemessen, aber auch recht schnell aufgebraucht, je mehr "Treffer" man selber sammelt. Gut, man kann sie mittels erste Hilfekästen wieder auffrischen, aber zuvor steht ja ein Kampf mit einem Crewmitglied an, welches ebenfalls Power kosten kann.

Die Wege sind nicht linear - man wird einige Stunden erstmal damit zu tun haben, den "richtigen" Weg  für sich zu finden. Zahlreiche Decks - von A bis X warten mit diversen Aufzügen und Räumen auf ihre Erkundung - jeder Bereich kann entweder noch schwerer oder leichter sein - das gilt es zu ermitteln. Mein Tip ist, sich erstmal mit den oberen Sektionen zu beschäftigen, da alles was weiter runter liegt, meistens schwerer ist. Ein großes Manko dabei ist, daß es keine Speicherfunktion gibt - man muss das Spiel also komplett von Anfang an bis zum Ende durchspielen - plant dafür schon eine lange Zeit ein - vor allem, wenn ihr die Puzzles zum ersten Mal spielt. Druckt euch eine Karte aus und markiert wichtige Stellen und streicht schon abgegraste - das hilft nicht nur ungemein, sondern ist für dieses Spiel zwingen nötig - ohne Karte ist man aufgeschmissen!

Die Grafik ist zwar schlicht aber sehr detailliert gestaltet - in einer Art Pseudo-Isometrischer Ansicht wie sie von vielen ZX Spectrum Spielen (dort allerdings monochrom) bekannt ist. Hier ist sie farbig und es gibt keinen Grund zum Meckern. Okay, meist sieht alles gleich aus - aber es gibt auch Bereiche die an Organische Lebenformen erinnern und irgendwie passend sind - auch wenn man sich fragt, wie die eigentlich auf einem Schiff möglich sein können, welches zuvor immer nach dem selben Muster aufgebaut war - vielleicht haben die Aliens diese aber selber dekorativ ausgeschmückt. Hintergrundsanimationen gibt es keine.

Die Musik ist sehr atmosphärisch gehalten und vermittelt sehr gut eine gedrückte und ängstliche Stimmung. Auch über die SoundFX gibt es nichts zu meckern. Bugs sind mit bis auf "in der Wand feststeckende" Gegner, einige Unstimmigkeiten beim Schießen und der "Lockfunktion" vor allem im letzten Teil des Spieles heraus, wo man die Alienbrut in Eierform zerstören muss - in der Nähe eines Ausganges, welchen man dann unbeabsichtigt nutzt und bei einigen Grafikfehlern beim Verbinden der Puzzlestränge (je nachdem aus welcher Richtung man diese zieht, können die Linien falsch dargestellt werden) aufgefallen. Aber insgesamt nichts wirklich dramatisches.

Was ich ein wenig negativ aufführe, sind 3 Dinge. Die fehlende Speicherfunktion, der superhohe Schwierigkeitsgrad auch im Easymodus und die Mischung der Spielelemente Action mit Puzzle. Nicht jeder ist Fan beider Genres - wer Actionspiele mag erwartet nicht, daß der Spielfluss durch anfänglich hammerharte Rätsel unnötig aufgehalten wird. Und Puzzlefreunde werden sich ganz sicher nicht an den sauschweren Actionparts erfreuen um ans nächste Rätsel zu gelangen. Es gibt Spiele wo eine Mischung aufgeht - aber es muss eben nicht bei allen so sein. Da hier eh schon alles sehr schwer ist, empfinde ich die Mischung ein wenig deplatziert - gebe aber zu, daß ein Puzzlespiel mit dem Charakter auch wert gewesen wäre als Solospiel zu erscheinen - naja, wenn die Rätsel das hohe Niveau hätten halten können - was sie hier aber leider nicht tun. Daher wurden sie nicht zur Auflockerung eingebaut, sondern als zusätzliches Hindernis um die Spielzeit zu verlängern.

Wer stundenlanges Einarbeiten und Experimentieren mag, der wird an Organism sicher seine helle Freude haben - aber für Ottonormalspieler ist das Ding einfach viel zu schwer, zu umfangreich, zu verwirrend und wird auf Dauer - nämlich dann, wenn man das Spiel etliche Male neu von Anfang an neu spielen darf, zu großem Frust führen. Das Spielkonzept selbst besteht eigentlich nur aus Sammeln von benötigtem Kram um Türen oder Terminals zu öffnen - abgelenkt durch viele Gegner und Puzzles.

Gäbe es eine Speicherfunktion (welche anzuraten wäre), wäre mein Endergebnis etwas gnädiger ausgefallen. So aber macht das Spiel leider mehr Frust als Lust und eignet sich daher nur für sehr leidensfähige und willige Spieler mit sehr hohem Frustfaktor.

Daher bekommt das Spiel von mir glatte 6 Punkte von 10.

Organism ist derzeit nur als Downloadversion beziehbar (5 US-Dollar) - die physischen Varianten erscheinen erst im Juli 2018 (also zum Zeitpunkt wenn ihr diese Zeilen lest, sollte es schon draußen sein). http://www.psytronik.net/newsite/index.php/c64/98-organism

Lest weiter um die Positionen der Waffenausbaustufen und weiteres zu erfahren... (Spoiler!)

Die Positionen der Waffenausbaustufen befinden sich:

* Deck H - unterste linke Kammer

* Deck R - unterste rechte Kammer

* Deck W - oben Mitte rechteste Kammer


Der Endkampf (Alienmama) findet auf Deck X ganz links im Flur statt!

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Dieser Artikel wurde vor 2 Jahr(en) , 2 Monat(en) und 6 Tag(en) veröffentlicht, es ist also möglich, dass der Inhalt inzwischen nicht mehr aktuell ist.

Schlagworte : C-64, Test, Digital Talk

Trixter
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Freier Redakteur bei Special Interest Magazinen & Online-Blogs
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